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Dotternhausen Plettenberg: Sternmarsch gegen "Zerstörung der Heimat"

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"Rettet den Berg" steht auf einem großen Transparent, das am Plettenbergtrauf bei Ratshausen hängt. Zudem ist das Datum "30.8." zu lesen. Dieses nimmt Bezug auf die von der BI "Pro Plettenberg" geplante Sternwanderung am Sonntag. Foto: Riehle

Dotternhausen - Der Kalksteinabbau auf dem Plettenberg erhitzt weiter die Gemüter. Die Inititative Pro Plettenberg ruft für Sonntag, 30. August, zu einem Sternmarsch auf. "Rettet den Berg" lautet das Motto.

Worum geht es? Seit vielen Jahren wird auf dem Plettenberg Kalkstein abgebaut. Im Rahmen des bereits genehmigten Abbauumfangs wird auch die Traufkante in Richtung Südosten abgetragen. Holcim hat jetzt die so genannte Süderweiterung beantragt, die den Fortbestand des Zementwerks für weitere 40 Jahre sichern soll. Ohne diese könnte noch bis 2029 abgebaut werden.

Gefahr zusätzlicher Hangrutschungen

Vor einigen Monaten bildete sich die Bürgerinititative Pro Plettenberg, die sich gegen "die Zerstörung der Heimat" und den "Raubbau an der Natur" wendet. Mit dem Abbau auf dem Plettenberg müssen die Bürger in den Schlichemtalgemeinden Dotternhausen, Dautmergen, Dormettingen und vor allem auch in Ratshausen und Hausen am Tann einige Belästigungen in Kauf nehmen. Etwa Erschütterungen durch die Sprengungen. Geklagt wird, dass "Gläser im Schrank klirren" und Schäden an Gebäuden zu verzeichnen sind. Letzterem widerspricht Holcim engerisch. Die messbaren Erschütterungen lägen alle unter den gesetzlichen Grenzwerten, auch unterhalb jener, die für denkmalgeschützte Gebäude gelten. Gebäudeschäden seien ausgeschlossen, was auch Messungen vor Ort ergeben hätten.

Dazu kommt die Gefahr zusätzlicher Hangrutschungen – ausgelöst durch den weiteren Abbau auf dem Berg, der bis nahe an die Hangkante geht. Denn auch in jüngster Vergangenenheit haben Rutschungen Waldwege beschädigt und unpassierbar gemacht.

Ein weiteres Thema ist die Ableitung des Wassers vom Plettenberg. Werde dort das Wasser gesammelt und in den Waldhausbach – wenn auch gedrosselt – abgeleitet, verstärke dies die Hochwassergefahr in Ratshausen und Hausen am Tann. "Jeder zusätzliche Liter zählt", heißt es. Holcim verweist darauf, dass lediglich 20 Liter pro Sekunde abgeführt werden, bei Hochwasser und Starkregen könne der Abfluss gestoppt werden – was aber beim jüngsten Hochwasser nicht geklappt hat. Zudem, so hat die Bürgerinitiative nun dokumentiert, habe das Oberflächenwasser eine tiefe Abflussrinne neben dem Waldhausbach ausgewaschen. "Das hat es bis jetzt so noch nicht gegeben", heißt es. Das Wasser sei von einem Bereich abgeleitet worden, der bisher noch nicht abgebaut werde, bei dem aber der Boden schon weggeschoben sei.

Und dann geht es um den Schutz der Trinkwasserquellen am Plettenberg. "Deren Schutz ist uns ganz wichtig", versichert der Bürgermeister von Ratshausen und Hausen am Tann, Heiko Lebherz. Er bekräftigt, keine zusätzlichen Belastungen für die Gemeinden hinnehmen zu wollen. Notfalls werde man eigene Gutachten in Auftrag geben oder gegen die Bescheide der Behörden im Rahmen des Verfahrens vorgehen.

"Holcim", betont hingegen Werksleiter Dieter Schillo immer wieder, "nimmt die Sorgen und Bedenken der Bürger sehr, sehr ernst." Er verweist auf das langwierige und umfangreiche Genehmigungsverfahren für die Süderweiterung, in dessen Rahmen acht Gutachten (Lärm, Spreng-Erschütterungen, Wind, Klima, Staub, Hydro-Geologie, Standsicherheit Außenböschung und Flora-Fauna) vorgelegt werden müssen. Die bisherigen Ergebnisse, so legte Schillo in den Gremien der betroffenen Gemeinden dar, zeigten, dass kaum einer der ins Feld geführten Kritikpunkte von den Gutachten untermauert werde.

Dass Ratshausen und Hausen am Tann vom Plettenberg-Abbau finanziell nichts haben, spielt in der Diskussion jedoch auch eine Rolle. Die Hochfläche gehört der Gemeinde Dotternhausen, die diese seit Jahrzehnten ans Zementwerk verpachtet hat. Aber auch dort mehren sich Stimmen, dass Holcim zu wenig für den Abbau bezahle. Pro Tonne erhalte die Gemeinde lediglich etwas mehr als 20 Cent, wird moniert. Zudem zahle Holcim Süddeutschland kaum Gewerbesteuer, weil es ein Tochterunternehmen des Schweizer Konzerns sei. Auch das Holcim-Argument, dass der Berg nach der Rekultivierung wieder Erholungssuchenden und Wanderern zur Verfügung stehen werde und dass diese in Zusammenarbeit mit Gemeinden, Behörden und Naturschutzverbänden erfolge, sticht nicht. Kritisiert wird, dass die Renaturierung zu langsam erfolge.

Bleibt der wirtschaftliche Aspekt: Im Zementwerk sind 244 Mitarbeiter beschäftigt, die großteils aus der Region kommen. Zudem werden Ausbildungsplätze angeboten. Holcim investiert große Summen, zahlt Steuern und Pacht und sponsert viele Projekte.

u Der Sternmarsch beginnt um 10.30 Uhr an den Rathäusern in Roßwangen, Dotternhausen, Schömberg, Ratshausen und Hausen am Tann. Um 12 Uhr ist am Tor des Steinbruchs eine Infoveranstaltung geplant.

 
 

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