Hände hoch: Acht Dotternhausener Gemeinderäte und Bürgermeisterin Monique Adrian befürworten einen Bürgerentscheid zum Plettenberg-Steinbruch. Foto: Visel

Maximalgrenzen für Steinbruch-Erweiterung festgelegt. Emotionale Diskussion. Mit Kommentar

Dotternhausen - Der Gemeinderat hat sich am Mittwoch für einen Bürgerentscheid über die vom Gemeinderat vorgeschlagen Maximalgrenzen für die Steinbruch-Erweiterung auf dem Plettenberg ausgesprochen.

Acht Räte und Bürgermeisterin Monique Adrian sprachen sich für, Siegfried Rall gegen einen Entscheid in dieser Sache aus. Vorgeschlagen worden war ein solches Vorgehen im Rahmen einer Klausurtagung des Gremiums.

Adrian stellte den Vorschlag des Gemeinderats zu den Maximalgrenzen der Steinbruch-Erweiterung vor, der gegenüber der Holcim-Planung rund vier Hektar weniger Fläche vorsieht. Die von den Initiatoren des Bürgerbegehrens vorgeschlagenen Abbaugrenzen beinhalten freilich eine noch viel kleinere Abbaufläche. Die Gemeinde will vor allem im Bereich der Albvereinshütte einen größeren Abstand zum Bruch und den dortigen Baumbestand erhalten. Zudem wird an der gegenüberliegenden Traufkante der Erhalt eines Waldstücks gefordert. Zudem sollen entlang des erweiterten Steinbruchs Böschungen analog zur Genehmigung von 1977/82 angelegt werden, was sich ebenfalls auf den Abbau auswirkt. Über diesen Vorschlag werden die Bürger am Sonntag, 19. Februar, entscheiden. Zuvor wird Ende Januar eine Bürgerversammlung abgehalten. Der Termin wird noch abgestimmt. Die vorgeschlagene Bürgerinformation am Samstag, 10. Dezember, Beginn 9.30 Uhr, entfällt, weil dieser Termin auf heftige Kritik in der Bürgerschaft gestoßen war.

Wie tief die Gräben inzwischen in Dotternhausen sind und wie verbissen die Diskussion geführt wird, wurde einmal mehr in der Bürgerfragestunde deutlich. Die Initiatoren des Bürgerbegehrens löcherten Adrian mit Fragen, in denen ihr auch unterstellt wurde, sich nicht an ihren Amtseid zu halten und den Beschluss des Bürgerbegehrens nicht umzusetzen. Aufgrund der zahlreichen Zwischenrufe sowie den Beifalls- und Unmutsbezeugungen mahnte die emotional aufgewühlte Bürgermeisterin die zahlreich erschienenen Bürger mehrmals zur Ruhe. Ansonsten, mahnte sie aufgebracht, werde sie den "Saal räumen lassen".

Wie groß der Frust ob des nicht enden wollenden Streits um den Plettenberg bei einigen Gemeinderäten ist und wie sehr die Nerven blank liegen, machte der langjährige Gemeinderat Karl Haller deutlich: Er sehe sich auf Grund dessen, was in den vergangenen Monaten auf ihn eingeprasselt sei, gesundheitlich nicht mehr in der Lage, seine kommunalpolitischen Ämter weiter auszuführen. Aus "Selbstschutz" trat er mit sofortiger Wirkung als Gremiumsmitglied und stellvertretender Bürgermeister zurück. "Ich verdiene meine Brötchen woanders, nicht hier am Ratstisch", sagte er und verließ unter Applaus der Anwesenden den Sitzungssaal.

Kommentar: Ziel verfehlt

Von Bernd Visel

Vorauseilender Gehorsam? Angst vor der eigenen Courage oder vor den Wählern? Wie dem auch sei: Dass der Gemeinderat seine Entscheidung zu den Maximalgrenzen des Plettenberg-Steinbruchs gleich mit einem Bürgerentscheid absegnen lassen will, ist wenig zielführend. Denn es ist kaum anzunehmen, dass diese Grenzen, die weit hinter dem Vorschlag der Befürworter des Bürgerbegehrens zurückbleiben, abgenickt werden. Viel wahrscheinlicher ist, dass die Initiatoren ein weiteres Begehren in die Wege leiten könnten mit dem Ziel, einen Entscheid direkt über ihre geforderten Abbaugrenzen zu erreichen. Dann aber hätten der Gemeinderat und Bürgermeisterin Monique Adrian das Nachsehen. Mit einem breiten Bürgerdialog im Vorfeld hätte sich diese Gefahr vielleicht vermeiden und die tiefe Kluft, die sich im Dorf auftut, überbrücken lassen können.

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