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Dotternhausen Majer: "Lieber Kohle statt Plastik verbrennen"

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Aktivisten des Vereins NUZ stehen auf dem Plettenberg und blicken hinunter aufs Holcim-Zementwerk, das in der ZDF-Sendung TerraX zum Thema Müllentsorgung ebenfalls Teil der Berichterstattung war. Screenshot/Foto: ZDF Foto: Schwarzwälder Bote

Rund ums Thema Recycling und Müllentsorgung ging es in der kürzlich ausgestrahlten ZDF-Sendung Terra Xpress, bei der auch Vertreter des Vereins Natur- und Umweltschutz im Zollernalbkreis (NUZ) ausführlich zu Wort kamen. Auch Holcim gab Fernsehmachern Auskunft.

Dotternhausen. Rund sechs Millionen Tonnen Kunststoffabfälle würden jährlich in Deutschland produziert, hieß es. Ein Großteil davon werde verbrannt, manches lande statt im Recyclingwerk im Ausland. Werden die Kunststoffe, die im Gelben Sack gesammelt werden, unprofessionell entsorgt, können giftige Stoffe über die Luft, den Boden und über das Wasser wieder zu den Menschen zurückgelangen.

Kritik an Ausnahmegenehmigung

Auf ihrer Spurensuche zum Thema "Das Recycling-Märchen" machten die Fernsehautoren auch Station in Dotternhausen und trafen sich dort mit den NUZ-Aktivisten. Dabei ging es um die Verbrennung von Ersatzrohstoffen, etwa Plastik, im Zementwerk, weshalb die NUZ-Mitglieder dieses als Müllverbrennungsanlage bezeichnen.

Dabei wurde bemängelt, dass es für Abfallverbrennungsanlagen und Zementwerke keine einheitlichen Vorschriften für geeignete Filteranlagen und unterschiedliche Grenzwerte gibt. So betonen die NUZ-Mitglieder schon seit langem, dass zwischenzeitlich auch für die Zementindustrie eine kataysatorische Reinigungsanlage (SCR) Stand der Technik bei der Abgasreinigung sei und die bisherige SNCR-Ammoniakeindüsung nur als Ersatzreinigung dienen sollte. Gleichwohl lehne Holcim eine SCR-Anlage ab.

Kritisiert haben die Aktivisten zudem, dass es für Zementwerke immer noch Ausnahmegenehmigungen gebe – etwa bei Kohlenmonoxid (CO). So sei dort ein Wert von 2000 Milligramm pro Kubikmeter erlaubt, bei reinen Müllverbrennungsanlagen 50.

NUZ-Vorsitzender Norbert Majer wird mit den Worten zitiert, ihm wäre die Verbrennung von Kohle statt Plastik "zehnmal lieber, weil man dann weiß, was aus dem Kamin rauskommt". Tenor der Aktivisten: "Es ist erschreckend, wie mit den Bürgern umgegangen wird." Und: "Wir haben Angst um die Gesundheit unserer Kinder."

Schillo: Grenzwerte werden eingehalten

Die Autoren der Sendung haben auch Holcim Fragen gestellt, die ausführlich beantwortet wurden. In der Holcim-Broschüre "Umweltdaten 2018" heißt es etwa: "Seit März 2017 liegt dem Zementwerk Dotternhausen die Genehmigung für den Einsatz von 100 Prozent Ersatzbrennstoffen vor. Außerdem gelten die neuen Grenzwerte der 17. Bundes-Immissionsschutzverordnung (BImSchV), die sicher eingehalten werden. Zudem gelten für solche Anlagen höhere Anforderungen als für Werke, die nur Kohle verfeuern."

Mit der High-Efficiency-SNCR-Anlage habe man nach der Grenzwertumstellung im März 2017 nachgewiesen, dass der Tagesgrenzwert von 200 Milligramm pro Kubikmeter für Stickoxide auch ohne den Einsatz einer SCR-Anlage einzuhalten sei. Abweichungen der Emissionsdaten lägen im Rahmen üblicher Prozessschwankungen mit Ausnahme von Stickstoffoxiden (NOx). Hier seien mit Hilfe der SNCR-Anlage die Emissionen gemindert worden. Auch die Messergebnisse bei Chlorverbindungen, Fluorverbindungen, Benzol, Schwermetallen, Dioxinen/Furanen oder PCB zeigten, dass die Emissionen unterhalb der Grenzwerte liegen. Die höheren CO-Emissionen im Werk sieht Holcim in den für die Zementgewinnung verwendeten Rohstoffen begründet.

Werkleiter Dieter Schillo führt dazu weiter aus: "Für den Standort Dotternhausen ist das SNCR-Verfahren nachweislich die ökologisch sinnvollere Minderungstechnologie. Dass die hier am Standort umgesetzten Emissionsminderungsmaßnahmen wirkungsvoll sind, zeigt sich im Vergleich zu den anderen deutschen Zementwerken." Sowohl das SNCR- als auch das SCR-Verfahren seien Stand der Technik. Aus diesem Grund habe der Gesetzgeber den Zementwerken freigestellt, welche Technologie sie zur Minderung einsetzen, sofern gewährleistet sei, dass die relevanten Grenzwerte für Stickstoffoxide und Ammoniak (NOx, NH3) unterschritten werden. Ausnahmen von den Grenzwerten (Kohlenmonoxid, organische Kohlenwasserstoffe und Ammoniak) seien nur möglich, wenn die Emissionen nachweislich aus den natürlichen Rohstoffen stammen.

Dass es für Müllverbrennungsanlagen, Zement- und Kohlekraftwerke teilweise andere Grenzwerte gebe, liegt laut Schillo daran, "weil es sich um ganz verschiedene Anlagen mit unterschiedlichen Zwecken handelt".

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