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Dotternhausen Fossilien finden auch international große Beachtung

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Solche Taramelliceras-Ammoniten sind auf dem Plettenberg gefunden worden. Fotos: Privat Foto: Schwarzwälder Bote

Dotternhausen. Wer glaubt, dass es rund um den Plettenberg nichts Neues mehr zu entdecken gibt, der irrt. Der Ammonitenexperte Herbert Jantschke aus Mössingen hat in den vergangen drei Jahren den dortigen Weißen Jura genau untersucht. Aus den insgesamt 1036 gefundenen Ammoniten ließen sich 21 verschiedene Arten erkennen, die sich auf zwei Biohorizonte verteilten. Einige Arten waren für Südwestdeutschland neu, und die festgestellten Biohorizonte waren bislang nur aus Frankreich und Polen bekannt.

In Baden-Württemberg kommen die Gesteinsschichten der Jurazeit in ungestörter Lagerung vor, das heißt, die einzelnen Gesteinsbänke stapeln sich wie die Schichten einer Torte übereinander.

Dadurch lassen sie detaillierte Einblicke in eine Zeit vor etwa 200 bis 150 Millionen Jahren zu, als die Gegend noch ein Rand-meer des südlichen Tethys-Ozeans war.

Die Schwäbische Alb rückte schon vor 200 Jahren in den Fokus geologischer und paläontologischer Forschung. Viele Grundlagen wurden im 19. Jahrhundert vom Tübinger Geologen Friedrich August Quenstedt und seinem Schüler Albert Oppel gelegt. Quenstedt gliederte die Juraabfolge mit Hilfe des sogenannten Jura-Alphabets: Die Sedimente des Schwarzen, Braunen und Weißen Jura wurden anhand ihrer Gesteinsausprägung jeweils mit den griechischen Buchstaben alpha bis zeta benannt.

Aber auch heute noch hält der Untergrund Geheimnisse parat, die das Bild der damaligen Welt verändern. Durch die hiesige Fossilerhaltung ist es möglich, die Zeit in einzelne biologische Horizonte zu unterteilen und damit Feingliederungen vorzunehmen. Innerhalb eines biologischen Horizonts, der einige tausend Jahre umfassen kann, findet keine erkennbare Änderung der Lebewelt statt. Wechselnde äußere Einflüsse, wie Klima, Nahrungsangebot oder Strömung, können zum Artensterben und zum Auftreten neuer Arten führen und erlauben somit die Abgrenzung eines neuen biologischen Horizonts.

Ammoniten eignen sich hierfür besonders gut, da sie meist gut und in größerer Zahl überliefert sind und sich relativ schnell in ihrem Aussehen veränderten. Während nun die Horizonte in den Schichten des Schwarzen und Braunen Juras bereits gut untersucht sind, ist dies im Weißen Jura nicht der Fall. Grund hierfür ist, dass das unregelmäßige Wachstum von Schwämmen den durchgehenden Verlauf der Schichten stört und den Blick ins Gestein lokal verschleiern kann. Dies gilt auch für die Fossilfundstätte des Lochenpasses zwischen Weilstetten und Tieringen, von der erstaunlich viele Arten von Meeres-Lebewesen beschrieben wurden (Ammoniten, Schwämme, Muscheln, Schnecken, Krebse, Seeigel und Seelilien).

Seit Jahrzehnten besteht eine Kooperation von Wissenschaftlern und Sammlern mit dem Holcim-Fossilienmuseum in Dotternhausen. Das Zementwerk erlaubt Forschern den Zutritt, um die Juragesteine und ihre Fossilien zu untersuchen. Neue Funde und wissenschaftliche Erkenntnisse werden im Rahmen von Sonderausstellungen im Werkforum vorgestellt. Unter den Steinbrüchen des Zementwerks ist vor allem der Schwarze Jura mit seinen Wirbeltierfunden bekannt. Nun aber hat auch der auf dem Plettenberg abgebaute Weiße Jura aufhorchen lassen. Dort war eine Feingliederung in Biohorizonte möglich, die der Ammonitenexperte Jantschke in akribischer Kleinarbeit durchführte. Alle Fossilien wurden horizontiert entnommen, beschriftet und präpariert. Einige Arten waren für Südwestdeutschland neu.

Mit Günter Schweigert vom Staatlichen Museum für Naturkunde in Stuttgart hat Jantschke die Erkenntnisse in der Zeitschrift Paleodiversity veröffentlicht. Die Arbeit liefert einen wichtigen Baustein für die europaweite Definition einer Zeitengrenze im unteren Weißen Jura zwischen dem Oxfordium und dem Kimmeridgium. Diese Zeitengrenze war jüngst das Ziel einer Untersuchung durch Forscher auf der Isle of Skye in Großbritannien.

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