BETRIFFT: Holcim-Sommer-Dialog

Ein weites Rund und wenig Schirme, daher auch nur wenige Fragen, wahrscheinlich wegen der sengenden Hitze, eben ein typischer Sommer-Dialog. – Um mit einem Discounter zu sprechen: "Kann man machen, muss man aber nicht."

Denn Fragen gibt es zuhauf, besonders wohl von denen, die im Abgaseinzugsgebiet dieser Hochschlote wohnen und unter der direkten Dunstschleppe der nach neuesten Erkenntnissen gefilterten Abluft des Zementwerks Dotternhausen leben, besser gesagt, zu leiden haben, wie etwa die Bewohner des Erzinger Hungerbergs.

Die meistens vorherrschende Westwinddrift treibt die Filtergase unmittelbar auf sie zu und verursacht bei ihnen offensichtlich bleibende Gesundheitsschäden. Im Boden dieses Wohngebietes lassen sich unter anderem Rückstände von Thallium nachweisen, bekannt auch als "Der leise Tod", denn diese Abgase sind farb- und geruchlos, haben jedoch verheerende Wirkung auf den menschlichen Organismus.

Aber auch die im weiteren Umland wohnende Bevölkerung ist diesen Umweltgefahren weitgehend schutzlos ausgesetzt, und auch deshalb wurde der Verein NUZ (Natur- und Umweltschutz im Zollernalbkreis) gegründet. Dass dann hierfür der Plettenbergturm als eines der Hauptsymbole gewählt wurde, ist wohl allein der Signifikanz dieses Wahrzeichens geschuldet, aber NUZ greift über den Plettenberg hinaus, er hat Mitglieder aus dem gesamten Zollernalbkreis und noch weiter.

Dürrenmatt prägte in seinen "Physikern" den Satz: "Was alle angeht, können nur alle lösen." Umweltschutz geht deshalb (uns) alle an, ohne jede Ausnahme, und wer Altmüll zu "Ersatz-Brennstoffen" umdeutet, der mag den Anschein erwecken, als würde es da für (uns) alle eine "Ersatz-Welt" irgendwo im Keller geben. Die gibt es aber nicht. Deshalb müssen wir mit dieser jetzigen Umwelt und Natur acht- und behutsam umgehen.

Und genau dieses Schutzprinzip und dessen Nachhaltigkeit hat sich der NUZ auf die Fahnen geschrieben. Deshalb ist es weder umwelt-klug noch nachhaltig-sinnvoll, das einmalige Geologie-Kulturgut Plettenberg mitsamt seiner Rote-Listen-Flora und Fauna bis zur Neige und politisch gewollt zu erschöpfen. Vielleicht waren auch deshalb nur so wenige Bürger in jenem weiten Rund zu sehen – und nicht nur wegen der Hitze.

Wilhelm Isert

Balingen-Erzingen

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