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Dotternhausen "Eine Arbeit für die Ewigkeit"

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Archivar Alfons Koch steht vor einem Regal mit Dotternhausener Archivalien, die bereits von ihm verzeichnet worden sind. In Händen hält er ein Allmand-Kataster aus dem Jahr 1907.Fotos: Visel Foto: Schwarzwälder Bote

60 laufende Meter umfasst das Gemeindearchiv von Dotternhausen, das derzeit von Archivar Alfons Koch gesichtet und aufgearbeitet wird. Bis September sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Bislang hat er 740 Einheiten verzeichnet: "Ich bin gerade erst am Anfang", sagt er.

Dotternhausen. Koch, Mitarbeiter des Kreisarchivs des Zollernalbkreises, ist seit Februar mit der Sichtung und dem Verzeichnis der Dokumente befasst. "Das ist das Gedächtnis der Gemeinde", macht der Diplom-Archivar die Bedeutung der zahlreichen Akten, Papiere, Bücher und Dokumente deutlich, "die für die tägliche Verwaltungsarbeit nicht mehr gebraucht werden". Mehr noch: "Die Führung eines Archivs ist eine gesetzliche Pflichtaufgabe. Das Archiv ist ein öffentlicher Raum. Jedermann hat das Recht auf Zutritt", betont er.

Für Koch ist die Beschäftigung mit den Archivalien überaus spannend: "Das ist wie wenn man in eine fremde Welt eintaucht." Zudem sei es eine "Aufgabe für die Ewigkeit". So würden alle Metallteile an den Dokumenten entfernt, die Akten in säurefreies Papier eingeschlagen, gestempelt, signiert und so für die Nachwelt erhalten.

Ziel seiner Arbeit ist es, neben der Ordnung der Dokumente, ein Findbuch zu erstellen. Dieses wird mit einem Vorwort zur Geschichte der Gemeinde versehen und ist in zahlreiche Kapitel gegliedert. Ein Schlagwortverzeichnis hilft zudem, die gewünschten Dokumente schnell zu finden. Jede Gemeinde sei zwar anders, der Aufbau der Archive jedoch ähnlich. So wird der Bestand etwa nach Themenbereichen wie Amtsbücher, Rechnungsbücher, Vermögensverwaltung, Wasser/Elektrik, Feuerwehr/Vereine oder besondere Archivalien aufgelistet.

Das Findbuch wird später, auch als elektronische Datei, in der Gemeinde sowie im Kreisarchiv aufgewahrt, aber auch im Staatsarchiv Sigmarinen sowie im Hauptstaatsarchiv in Stuttgart.

Das bisher älteste Dokument, das Koch im Dotternhausener Archiv entdeckt hat, ist der Riedlinger Vertrag aus dem Jahr 1605. Er beschreibt das Verhältnis der Gemeinden Dotternhausen, Roßwangen und Geislingen zur damaligen Grundherrschaft, der Herren von Stotzingen, und benennt unter anderem die Fronleistungen und Abgaben. Die Gemeinden gingen mit Erfolg gegen die Herren von Stotzingen vor Gericht. Das Ergebnis war ein Vergleich, der Riedlinger Vertrag, hat der Archivar herausgefunden.

Aus dem Jahr 1712 stammt ein Vertrag zwischen Michael Stauß und der damaligen Ortsherrschaft, dem Jesuiten-Kolleg aus Rottenburg, über den Kauf einer herrschaftlichen Wirtschaft mit Bierbrauerei für 2000 Gulden. Diese Wirtschaft, so mutmaßt Koch, müsse wohl unterhalb der Kirche an der heutigen Schlossstraße gewesen sein, weil auf einem alten Ortsplan auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein Weiher eingezeichnet sei, der vermutlich auch als Eisweiher für die Brauerei diente.

Aus Niederschriften aus dem Jahr 1838 geht hervor, dass das grundherrschaftliche Rentamt die Fladen der Tiere beim Dorfbrunnen für 23 Gulden ersteigert hat, der als Dünger auf den Feldern ausgebracht wurde. Koch: "Da wird erst klar, wie das Leben früher ausgesehen hat." Akten der katholischen Kirche beinhalten unter anderem Kirchenbaupläne aus dem Jahr 1886 sowie die Regelungen für die Kirchturmbaulast.

Ein Dokument aus dem Jahr 1888 beschreibt hingegen eine eher lustige Begebenheit. So wohnte der damalige Feldschütz Hugger bei einer "streitsüchtigen Frau" und habe bei der Gemeinde beantragt, ins Armenhaus umziehen zu dürfen, weil er es dort nicht mehr aushalte. Der Fall landete schließlich beim Oberamt in Rottweil. Eine weitere lustige Begebenheit ist dem ehemaligen "Balinger Volksfreund" zu entnehmen. Am 18. Februar 1969 wird berichtet: "Väterchen Frost stärker als die Narren". Beim traditionellen Mondstupfer-Umzug seien die Instrumente der Musiker bei schneidender Kälte eingefroren: "Die braven Musiker mussten kapitulieren, der Umzug mit Prinzession Irene V. und Prinz Otto I. musste vorzeitig beendet werden."

Die Arbeit am Dotternhausener Gemeindearchiv wird noch einige Zeit dauern und bleibt interessant. "Man weiß ja vorher nie, was man in den noch nicht geordneten Archivalien alles entdeckt", sagt Alfons Koch: "Es ist spannend bis zum Schluss."

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