Am Ende der langen Reise: Hartmut Kid im rumänischen Sulina, wo ein Donauarm ins Schwarze Meer fließt. Foto: Schwarzwälder-Bote

Reise: Gerlinde und Hartmut Kid sitzen 38 Tage lang im Sattel / Bootsfahrt durchs Delta / "Menschen sind hilfsbereit und freundlich"

Gerlinde und Hartmut Kid sind mit Pedelecs mehr als 3000 Kilometer von der Donauquelle bis zum Schwarzen Meer geradelt. Dabei durchquerten sie außer Deutschland Österreich, die Slowakei, Ungarn, Serbien, Bulgarien und Rumänien.

 

Dotternhausen. "Sie haben nun das Ende ihrer Radreise erreicht", steht im Radtourenbuch beim Erreichen der Stadt Tulcea am Donaudelta. Das Ehepaar meisterte die Strecke entlang des 2840 Kilometer langen Stroms in mehreren Etappen. Insgesamt saßen sie 38 Tage im Sattel.

"Es war eine erlebnisreiche, teils anstrengende und am Ende eine abenteuerliche, aber wunderschöne Tour", erzählen sie. Gab es Probleme während der Tour? "Wir haben nur positive Erfahrungen gesammelt. Die Leute waren alle freundlich und hilfsbereit. Einzelne haben uns sogar am Straßenrand mit Essen und Trinken versorgt." Das Zurufen eines Grußes beim Durchfahren der ländlichen Dörfer und das Abklatschen von Kinderhänden sei fast selbstverständlich.

Nach der Reise gilt der Dank der beiden den Helfern beim Gepäcktransport, Manfred Mürdter, Beate Maurer, Marie-Luise und Walter Schweizer.

Nach einigen Tagestouren ab Fluss-Kilometer 2840 in Donaueschingen wurden Wochenendtouren absolviert. Je weiter sie sich von der Heimat entfernten, desto länger wurden die Etappen, bis schließlich der Endspurt von knapp 800 Kilometern durch Bulgarien und Rumänien in einer Tour absolviert wurde.

Die schönsten Radwege haben habe es in Österreich gegeben. Die Strecke durch die Slowakei sei über viele Kilometer eben. "Im Gegensatz zu den vorherigen Bergstrecken war das fast Erholung", erinnern sich die Radler. Weiter ging es vom Donauknie bei Budapest durch die Puszta, das ungarische Tiefland nach Baja und Mohacs.

An der kroatisch-serbischen Grenze war die Hälfte des Radwegs gemeistert. "Bedrückend sind die noch sichtbaren Zerstörungen des Kriegs. So der beschädigte Wasserturm von Vukovar, Einschusslöcher an Wohnhäusern und Warnschilder vor Landminen", sagt Kid.

Weiter strampelte das Ehepaar durch Serbien nach Drobeta Turnu Serverin. Dort wurden die Radwege schlechter, dafür wurde die Donau breiter und imposanter. Ab Belgrad machten sich die Karpaten bemerkbar. Höhenunterschiede bis zu 200 Metern mussten auf kurzer Strecke überwunden werden. "Die Belohnung der Strapazen war der Anblick der überwältigenden Landschaft des Donaudurchbruchs." Am Ende der Karpaten bremst das Kraftwerk Eisernes Tor den Fluss mit einem Damm.

Dann war die letzte und längste Etappe von knapp 800 Kilometern an der Reihe. Von Calafat ging es entlang der bulgarisch-rumänischen Grenze nach Calarasi. Dort verzweigt sich die Donau, und die Dobrudscha-Berge zwingen die Wassermassen nach Norden durch Rumänien. Von Braila fließt der Strom, teils über zwei Kilometer breit, weiter nach Galati. In den ländlichen Gegenden, erinnert sich Hartmut Kid, sei das meist gebrauchte Fortbewegungsmittel das Pferdegespann gewesen "Wir mussten fast so vielen Pferdeäpfeln wie Schlaglöchern ausweichen." In Bulgarien sei erschwerend dazu gekommen, dass man die kyrillische Schrift auf den Verkehrszeichen nicht lesen konnte. Mangels Grenz- und Donauübergängen sei es nicht möglich gewesen, durch Moldawien und die Ukraine zu radeln. Deshalb sei man westwärts der Donau nach Tulcea gefahren; die letzte größere Stadt vor dem 70 Kilometer langen und 70 Kilometer breiten Donaudelta.

Dort unternahmen die Kids eine Motorbootsfahrt durch die Sümpfe zur Meile 23 und zum Ende der Donau nach Sulina, zu Donau-Kilometer Null mit anschließender "kleinen Runde" im Schwarzen Meer. Danach ging es mit dem Auto in vier Tagen 2340 Kilometer weit quer durch Osteuropa wieder zurück nach Hause.