Die Ortsentwicklung, basierend auf dem einstigen „Dorv“-Konzept, beschäftigte den Ortschaftsrat. Auch das Feuerwehrhaus könnte in den kommenden Jahren neu genutzt werden.
Einleitend verwies Peter Winkels (SPD) auf die Geschichte des 2016 gestarteten „Dorv“-Projekts – die Abkürzung steht für Dienstleistung und ortsnahe Rundum-Versorgung. Es war beabsichtigt, auf dem Grundstück des ehemaligen „Café Edelweiß“ einen Dorfladen, Mehrzweckräume, ein Café sowie Wohneinheiten zu schaffen. Doch trotz eines entwickelten Bau- und Nutzungskonzepts scheiterte das Projekt Ende Juli „aus wirtschaftlichen und strukturellen Gründen“ (wir berichteten). Damit die Arbeit aus nahezu zehn Jahren nicht vergebens war, hatte sich der der Rat vorgenommen, zentrale Inhalte wieder aufzugreifen und neu zu denken.
„Die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum, Nahversorgung und Begegnung bleiben weiter wichtig“, so Winkels im Ortschaftsrat. Dabei gelte es, zusätzlich die (Um-)Nutzung kommunaler Gebäude (Rathaus, ehemaliges Feuerwehrhaus, ehemaliges „Café Edelweiß“, Sportheim) einzubeziehen. Um Begegnungsmöglichkeiten zu schaffen, seien multifunktionale Räume für unkomplizierte Treffen, Austausch und gemeinsame Aktivitäten wünschenswert, so die Prämisse.
In Kooperation mit der Stadt soll die Nutzung kommunaler Gebäude erörtert werden
Die Beschlussempfehlung sah nun unter anderem die Würdigung des bisherigen „Dorv“-Prozesses, die weitere Entwicklung auf dem „Café Edelweiß“-Grundstück, ergänzt um das Bau- und Nutzungskonzept, vor. Die Fortführung des noch nicht rechtskräftigen Bebauungsplans sollte befürwortet werden. Neu sollte die Möglichkeit aufgenommen werden, ein kommerziell betriebenes Café oder Bistro als Treffpunkt und Stärkung der Aufenthaltsqualität umzusetzen. Die Ortsverwaltung soll einen neuen Ort erhalten, in Verbindung mit einem Tagungsraum für den Ortschaftsrat. In Kooperation mit der Stadt soll die Nutzung der kommunalen Gebäude erörtert und geprüft werden.
Ebenso geht es im Beschluss – auch unter Einbeziehung neuer gesetzlicher Möglichkeiten („Bauturbo-Gesetz“) – um die Prüfung von Wohnbauland-Potenzialen. Im gesamten Prozess wird außerdem um Unterstützung der Hauptverwaltung gebeten. Ortsvorsteher und Stellvertreter sollen den Rat über neue Entwicklungen aus dem Dialog auf dem Laufenden halten.
Ein Multikfunktionsraum könnte nicht nur vom Rat genutzt werden
In der Debatte ordnete Martina Enneking (Freie Wähler) ein, dass das Rathaus in jetziger Form zu groß und nicht barrierefrei sei. Der Umzug in ein „Dorv“-Zentrum sei eine Überlegung wert, so dass Rat- und Feuerwehrhaus neu genutzt werden könnten. Christopher Rubin (CDU) konnte sich Wohnnutzung im dann ehemaligen Rathaus vorstellen, um erwirtschaftetes Kapital in ein „Dorv“-Zentrum zu investieren. Ein Multifunktionsraum könne durch den Ortschaftsrat, aber auch andere Vereine und Gruppen genutzt werden. „Es geht um eine kleinere, barrierefreie Variante, um Perspektive für die nächsten 20 oder 30 Jahre zu sichern“, so Rubin.
In Sachen Begegnung könnten einem potenziellen Investor keine Vorschriften gemacht werden. Rubin regte an, Projekte konkret zu benennen, um sich alle Optionen offen zu halten. Günter Noll (SPD) machte sich für niederschwellige Angebote, durchaus auch kommerzieller Art, stark. „Die Marktwirtschaft wird es richten, ob das Angebot ein Erfolg wird oder nicht“, so Noll.
Winkels ordnete ein, dass die Möglichkeit einer kommerziellen Nutzung ursprünglich nicht im Beschluss stand, „um keine Erwartungen zu wecken“. Aufgrund der Anregungen aus dem Rat wurde die Ergänzung aufgenommen. Aufgeworfen wurde die konkrete Frage nach einer kommerziellen Nutzung des Sportheims. Ortsvorsteher Georg Bader (Freie Wähler) bemerkte, dies wäre nur möglich, wenn der Turn- und Sportverein die Örtlichkeit anmiete und als Vereinsgaststätte nutze. Wenn überhaupt, gelte es, diese Fragen als erstes zu klären. Am Ende sprach sich der Rat einstimmig für die Beschlussempfehlung aus.
Die Dorvladen GbR
Im Juli wurde auch die „Dorvladen GbR“ aufgelöst. Deren finanzielle Abwicklung laufe aktuell, wie Winkels bei der Sitzung des Ortschaftsrats berichtete.