Eigentlich war die Sanierung des Lehrschwimmbeckens in Aach bereits beschlossene Sache im Dornstetter Gemeinderat. Jetzt steht sie – und damit die Zukunft des Bads insgesamt – wegen der finanziellen Lage der Stadt jedoch wieder auf der Kippe. Der Förderverein und viele Aacher machen Druck.
Zahlreiche Aacher Bürger kamen am Dienstagabend zu einem Info- und Diskussionsabend über die Zukunft des Aacher Hallenbads zusammen. Eingeladen hatte der Förderverein Lehrschwimmbecken Aach. Die Versammelten trotzten den niedrigen Raumtemperaturen – die Heizung im Aacher Rathaus war ausgefallen – und lieferten sich einen intensiven, langen und teilweise emotional geführten Gedankenaustausch.
„Lasst uns zusammenstehen für unser Schwimmvergnügen“, appellierte der Fördervereinsvorsitzende Sven Schnaars. „Es muss möglich sein, unser Bad zu erhalten.“
Wie Kassiererin Sybille Kroll erläuterte, war das 1965 gebaute Lehrschwimmbecken vor 21 Jahren schon einmal von der Schließung bedroht. Heftig beklagte Kroll, dass das Bad bereits seit der Coronapause wegen notwendiger Reparaturarbeiten geschlossen sei. Dabei sei der Bedarf an Schwimmunterricht und Schwimmmöglichkeiten nach wie vor riesig.
Kreisweit Wartelisten für Schwimmkurse
Kroll erinnerte an das beliebte Samstagsschwimmen, an viele Besucher von außerhalb, an Seniorenschwimmkurse, die vielen in guter Erinnerung seien, und an Schul- und Vereinsschwimmen. Ihr Appell „Unsere Kinder sollen die Aacher Grundschule nicht verlassen, ohne dass sie schwimmen können“ fand große Zustimmung.
Der Bedarf an Schwimmunterricht sei kreisweit riesig, bekräftigte eine Mutter, die Wartelisten für Kurse seien enorm. Demgegenüber stünden Schwimmlehrer bereit, um in Aach Kurse zu geben. Dass Schwimmen im Freudenstädter Panorama-Bad wegen der hohen Eintrittspreise keine Alternative darstelle, machte Vereinsvize Frank Erhard klar.
Ortsvorsteher: Nutzung unbedenklich
Ortsvorsteher Karlheinz Raisch erläuterte, weshalb das Bad so lange geschlossen ist. Bald nach der Wiedereröffnung nach der Corona- Zwangspause sorgte ein defekter Filter für eine erneute Schließung. Die erforderlichen Gutachten mit dem Ergebnis, dass ein zweiter Filter einzubauen sei, ließen lange auf sich warten. Inzwischen bestätigte das von Raisch eingeschaltete Gesundheitsamt, dass nach Einbau der Filter die Nutzung des Bads unbedenklich sei. Obwohl es keinen Schwallwasserbehälter habe, könnten alle Vorschriften eingehalten werden. Auch Duschen und Umkleidekabinen seien in gutem Zustand.
Zwar wurden die für die Sanierung veranschlagten Kosten bereits 2023 vom Dornstetter Gemeinderat genehmigt, Diskussionen um die Zukunft des Aacher Bads verzögerten allerdings das weitere Vorgehen. Im Januar 2024 stimmte der Gemeinderat dafür, das Aacher Bad zu sanieren. Im Zuge der jüngsten Haushaltsberatung wurden die Sanierungsarbeiten mit Kosten von 430 000 Euro jedoch wieder infrage gestellt. Über den Fortbestand des Lehrschwimmbeckens soll nun in der Gemeinderatssitzung am 25. März entschieden werden.
Werben um Mitstreiter
In der Versammlung in Aach wurde jetzt intensiv dafür getrommelt, möglichst viele Mitstreiter zu gewinnen, die sich für den Erhalt des Bads einsetzen. Dass die Bereitschaft dazu besteht, bewies die lebhafte Diskussion. Da monierte ein Redner, er fühle sich in Aach als Bürger nicht mehr verstanden und nicht ernst genommen, während eine Neubürgerin klarstellte: „Auch Schwimmen lernen ist Bildung.“
Kassiererin Kroll rechnete vor, dass der Förderverein den jährlichen Abmangel des Bads von 65 000 Euro mit 1000 Euro bezuschusst und dass auch die Kosten des Transports der Kinder zum Schwimmunterricht nach Dornstetten gegengerechnet werden müssten.
Kritik an Stadtverwaltung
„Im Aufschieben von Dingen ist Dornstetten sehr gut“, kritisierte eine Neubürgerin die Hinhaltetechnik der Verwaltung. Diese forderte sie in Sachen Lehrschwimmbecken auf: „Farbe bekennen und nicht aussitzen, statt Hunderte von neuen Einwohnern anwerben und denen dann nichts bieten.“
Ein junger Mann wählte einen bildlichen Vergleich für sein Befinden: „Ich komme mir als Aacher wie das Ersatzrad im Kofferraum vor. Nur wenn man es braucht, kommt es raus.“ Er fragte in die Runde: „Welche Angebote haben wir in Aach denn überhaupt noch?“ Eine Frage, die auch der fast vollständig anwesende Ortschaftsrat nicht beantworten konnte. Raisch gab sich zuversichtlich: „Jetzt muss das Ding durch.“
Protest vor Gemeinderatssitzung
Eine Anregung eines jungen Einwohners für eine künftig größere Auslastung des Bads sorgte immerhin kurzfristig für Heiterkeit: Mit Aqua-Jogging und Aqua-Gymnastik solle das Lehrschwimmbecken belebt werden. „Und warum nicht auch mal Nacktschwimmen?“
Auch Vorschläge wie „Der ganze Flecken soll am 25. März nach Dornstetten laufen, wenn dort über unser Lehrschwimmbecken abgestimmt wird“ und der Vorschlag des Vereinsvorsitzenden Schnaars, am Sonntag, 9. März, von 14 bis 16 Uhr einen „Tag der offenen Lehrschwimmbeckentür“ zu veranstalten, fanden regen Beifall.