Die Stadt Dornstetten hat sich in Sachen Barrierefreiheit auf den Weg gemacht und gemeinsam mit einem Team freiwilliger Unterstützer einen Katalog konzipiert. Dieser zeigt, wie Barrierefreiheit wirklich gelingen kann.
Gemeinsam mit Mitgliedern des Projektteams Barrierefreiheit präsentierte Hanna Schneider, die Projektverantwortliche bei der Stadt Dornstetten, den druckfrischen Katalog und die dahinter stehende Intension. Vorausgegangen waren Aktionen wie eine Rollstuhltour des Bürgermeisters und die Gesundheitsmesse Pro-Vital im Frühjahr, bei der das Thema Barrierefreiheit im Fokus stand.
An der Vorbereitung des Katalogs waren auch Betroffene beteiligt. Davon habe dieser auch profitiert, so Schneider. Barrierefreiheit ermögliche gesellschaftliche Teilhabe, der gemeinschaftlich erarbeitete Katalog diene als Leitfaden und Orientierungshilfe auf dem Weg dahin. Beabsichtigt sei deshalb, den Katalog möglichst vielen zugänglich zu machen. Dafür werde er ausgelegt und teilweise, beispielsweise in Vereinen oder eben auch beim nächsten Unternehmerfrühstück, so eine spontane Idee, auch verteilt.
„Uns ist durchaus klar, dass man nicht alles sofort umsetzen kann, wir wollen mit dem Katalog aber Anstöße geben“, betonte Schneider. Bei diesen gehe es weniger um große bauliche Maßnahmen, sondern um viele kleine Schritte. So etwa Speisekarten in leichter Sprache oder einer auch noch bei Sehbehinderung lesbaren Schrift.
Katalog setzt am Denken an
„Der Katalog setzt am Denken an und nicht am Bauen“, sagte Petra Schnierle vom Projektteam. Selbst wenn ein Verein zunächst nur einen von 20 Punkten im Katalog umsetze, sei das ein Erfolg und koste bestenfalls nicht einmal Geld.
Begleitet wurde die Entstehung des Katalogs auch von einer Umfrage, bei der die Bevölkerung Beispiele für bestehende Barrieren benennen konnte. Die Ergebnisse sind eingeflossen, können aber jederzeit auch noch ergänzt werden. Den Fragebogen dazu gibt es über die Internetseite der Stadt. Der Katalog wird von Zeit zu Zeit entsprechend ergänzt.
Aufgrund der Initiative werden im Gemeinderat künftig sämtliche Projekte sehr genau unter dem Gesichtspunkt der Barrierefreiheit geprüft, erklärte Gemeinderätin und stellvertretende Bürgermeisterin Ilona Costantino vom Projektteam. Klar sei aber, dass die Herstellung der Barrierefreiheit nicht nur Sache der Stadt sein könne, sondern Sache eines jeden Einzelnen, ergänzte Petra Schausen von der Schwarzwaldwerkstatt, die sich ebenfalls beteiligt hat.
Handlauf im Museum
Gemeinderat Joachim Kumm erwähnte eine sehr einfach umgesetzte Maßnahme wie den jetzt angebrachten Handlauf im Museum, der gehbehinderten Personen den Gang in den zweiten Stock wesentlich erleichtert. Weitere Maßnahmen wurden angestoßen.
Petra Schnierle betonte, dass sie in keinem anderen Ort eine so niedrigschwellige Herangehensweise an das Thema erlebt habe wie jetzt in Dornstetten. „Dass man hier versucht, über Multiplikatoren in der eigenen Bevölkerung etwas zu erreichen, halte ich für eine Leuchtturmidee, die unbedingt ins Land muss“, sagte Schnierle begeistert.
Thema kann jeden betreffen
„Von Dornstetten kann da ein gutes Signal ausgehen“, sagte auch Schnierles Ehemann Torsten Hopperdietzel. Beide sind der Meinung, dass auch die Wirtschaft und das immer wichtigere Ehrenamt von der Barrierefreiheit profitieren. Immerhin 75 Prozent der behinderten Menschen seien schließlich in einem Alter, in dem sie arbeiten könnten, sagte Hopperdietzel. Im Gegenzug profitiere am Ende auch die Kommune über Steuern und Einnahmen, ist er überzeugt.
Wie schnell das Thema „Barrierefreiheit“ jeden Einzelnen am Ende auch ganz direkt selbst betreffen kann, machte Petra Schnierle anhand einer weiteren Zahl des Statistischen Landesamts deutlich: 91 Prozent aller Behinderungen sind nicht angeboren, sondern werden im Laufe des Lebens erworben. „Zu denken, damit habe ich nichts zu tun, ist deshalb ein Trugschluss“, sagte Schnierle.
Der Katalog als „Handreichung von Menschen für Menschen“
Begrifflichkeiten
Der Katalog unter dem Titel „Dornstetten wird barrierefrei – Ein Katalog als kleiner Helfer, wie es gehen kann“ widmet sich nach einem kurzen Vorwort zunächst den Begrifflichkeiten und erklärt beispielsweise den Unterschied zwischen Beeinträchtigung und Behinderung, aber auch die unterschiedlichen Behinderungsformen, die bei der Erstellung des Katalogs eine Rolle gespielt haben. Dazu gehören neben der klassischen geistigen und körperlichen Behinderung zum Beispiel auch lern- oder psychische Behinderungen.
Maßnahmen
Danach werden konkrete Maßnahmen für den Abbau von Barrieren bei den unterschiedlichen Behinderungen vorgeschlagen. Unterteilt wird dabei in die Bereiche „Lesen und Verstehen“, „Bewegung und Mobilität“ sowie „Sehen und Hören“. Am Ende gibt es eine Checkliste für die Organisation barrierefreier Veranstaltungen und weiterführende Links zum Thema. Der Katalog ist kostenfrei im Rathaus erhältlich und dient als „Handreichung von Menschen für Menschen“.
Mitwirkende
Beteiligt waren auch Vertreter der Diakonie, der Schwarzwaldwerkstatt, der Dreifürstensteinschule, des VdK und des HGV. Redaktionell begleitet wurde das Team von Tina Eberhardt von „Aprinum“.