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Dornstetten Prozess: Feier endet in Anklage auf versuchten Mord

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Im Prozess vor dem Landgericht Rottweil wird am Freitag das Urteil erwartet. Foto: Kunert

Dornstetten - Zweiter Prozesstag vor dem Landgericht Rottweil im Verfahren um eine verhängnisvolle Trunkenheitsfahrt in Dornstetten: Diesmal ging es vor allem um die Vorgeschichte des Unfalls, bei dem ein Ehepaar schwer verletzt wurde. Der Unfallfahrer ist unter anderem wegen versuchten Mordes angeklagt.

Was so schrecklich am späten Abend des 29. Oktober 2016 am Rande der Freudenstädter Straße in Dornstetten endete, hatte früher an diesem Tag noch unbeschwert begonnen. Der Angeklagte hatte mit seinem Verein den gelungenen Aufstieg einer Fußball-Jugendmannschaft gefeiert. Wie die damalige Bedienung des Sportheims, wo die Feier stattfand, als Zeugin berichtete, ging die wohl muntere Zecherei bereits am Nachmittag los.

Für die Kinder Spezi aus dem Stiefel, für die Erwachsenen Bier

Die siegreichen Kinder bekamen "Spezi aus dem Stiefel", die Erwachsenen hielten sich überwiegend an Bier. Davon wurde an diesem Nachmittag und dem folgenden Abend wohl Unmengen getrunken, "so zehn bis 15 Bier" pro Kopf mindestens – wie ein weiterer Zeuge dem fünfköpfigen Richtergremium der 1. Schwurgerichtskammer des Landgerichts Rottweil bestätigte. "Eher mehr!" Und, ja, es waren immer Halbliter-Flaschen, für die ein weiterer Sport-Kollege immer für ununterbrochenen Nachschub sorgte – wenn nicht gerade irgendwer anders "eine Runde" ausgab. Kommentar vom vorsitzenden Richter Karlheinz Münzer: "Die Menge macht das Gift!" Wann genau sich der Angeklagte aus der Runde verabschiedete, bekamen seine am Ende noch drei Trink-Kumpane nicht mehr mit. Irgendwann war er einfach aus der Runde verschwunden. Dass er sich mit dem Auto aufgemacht haben könnte, um nach Dornstetten zu fahren, um dort noch einen Döner zu essen, will an diesem Abend im Sportheim niemand mitbekommen haben. Ein Zeuge war gar seinerzeit in seiner ersten Aussage gegenüber der Polizei felsenfest davon überzeugt, dass der Angeklagte später in der maßgeblichen Nacht mit allen anderen zusammen – und zu Fuß – nach Hause gegangen sei. "Ich war halt selber betrunken ohne Ende", so der Zeuge heute.

Ein Gewohnheits-Trinker oder gar Alkoholiker sei der Angeklagte aber auf keinen Fall, so seine Sport-Kollegen unabhängig voneinander. "Der hat nur anlassbezogen getrunken" – eben, wenn es im Vereinsheim etwas zu feiern gab.

Wie viel Promille genau hatte der Fahrer?

Das hatte zuvor auch die Bedienung des Vereinsheims ausgesagt. Sie habe ihn auch früher schon mal betrunken auf dem Sportplatz erlebt. Aber Probleme habe es mit ihm nie gegeben. Und sowohl sie als auch Sport-Kollegen bestätigten: Seit dieser verhängnisvollen Nacht im Oktober 2016 hätten sie den Angeklagten nie wieder ein Bier trinken sehen.

Auf Nachfrage des Verteidigers des Angeklagten bestätigten die Zeugen zudem, dass sich der 45-Jährige seit der Unglücksfahrt auch äußerlich verändert habe. Er sei hagerer geworden. Ernster.

Doch wieviel Promille genau hatte der Angeklagte bei der Unfallfahrt im Blut? Als die Polizei ihn am folgenden Tag festnahm und unmittelbar eine Blutprobe bei ihm entnahm, war sein Blutalkohol bei 0,0 Promille. Der zugezogene Gutachter, der den Angeklagten damals – und später – ausgiebig untersuchte, fand weder besondere körperliche noch geistige Auffälligkeiten. Was die angeführten Erinnerungslücken des Angeklagten angehe, könne er, so der Gutachter weiter, diese aus medizinischer Sicht nicht erklären. Sekundenschlaf, auch Trauma in Folge des Geschehens, seien möglich.

Gutachter spricht von günstiger Sozialprognose

Ansonsten aber könne er für den Angeklagten eine günstige Sozialprognose stellen, da er einen Beruf erlernt habe, in ungekündigter Festanstellung sei und über eine intakte Familie verfüge. Was mit den Aussagen der Sport-Kollegen korrespondiert, die den Angeklagten auch privat als einen "sehr herzlichen Menschen" beschrieben, der immer hilfsbereit sei. "Ich kann da nur Gutes berichten", so einer der Zeugen. Er habe auch unmittelbar nach der Unfallfahrt des Angeklagten mit diesem direkten Kontakt gesucht. "Er war da sehr geknickt", so die Erläuterungen auf die Nachfrage von Richter Münzer. Was er über den Unfall selbst gesagt habe, hakte Münzer nach. "Unter Tränen, dass er nichts mitbekommen habe." Und, dass er das Auto nach dem Geschehen vor Ort abgestellt habe und nach Hause gelaufen sei. Ein weiterer Zeuge sagte: "Er hat geheult wie ein Schlosshund und gesagt, ›ich hätt’ doch geholfen, wenn ich die da hätte liegen gesehen...!?‹"

Allerdings: Eine weitere Zeugin, die an jenem Abend auf dem Heimweg auch jene Straße passierte, in der der Angeklagte sein Fahrzeug nach dem Unfall abgestellt hatte, berichtete, dass ihr dort "ein sehr stark alkoholisierter Mann" rechts der Fahrbahn entgegengekommen sei. Ob es der Angeklagte gewesen sei, konnte sie nicht bestätigten. "Es war einfach zu dunkel." Pikant an der Aussage der Zeugin: Sie sah den Betrunkenen etwa eine halbe Stunde nach dem Unfall in der an den Unfallort angrenzenden Straße. Was die Frage aufwerfen würde: Wenn es der Angeklagte war – was hat er in der halbe Stunde nach dem Unfall gemacht? Und muss er dort, wo er seinen Wagen abgestellt hatte, nicht etwas von dem inzwischen angelaufenen Polizei- und Rettungseinsatz keine hundert Meter Luftlinie von ihm mitbekommen haben? Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt. Dann ist auch mit dem Urteil zu rechnen.

Der 45-jährige Angeklagte muss sich wegen fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs in Tateinheit mit fahrlässiger Körperverletzung in zwei Fällen sowie darauf aufbauend wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit unerlaubtem Entfernen vom Unfallort und vorsätzlicher Trunkenheit im Straßenverkehr verantworten. Als Mordmerkmal gilt hier laut Anklage die Absicht, eine zuvor verübte Straftat durch Inkaufnahme des Todes der beiden Unfallopfer zu verdecken.

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