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Dornstetten Pointen schmecken nach Hinterlist

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Die Goldfarb-Zwillinge Laura und Lisa (von links) setzten mit ihrem Comedy-Kabarett-Programm in der Turn- und Festhalle Hallwangen ein kulturelles Ausrufezeichen. Foto: Keck Foto: Schwarzwälder Bote

Nach coronabedingter langer Auszeit gab es endlich wieder "Kultur im Museum" – und dies erstmals aus Platzgründen in der Hallwanger Turn- und Festhalle. Absicht der Verantwortlichen war es, dem Publikum mit einem ausgefeilten Hygienekonzept ein unbeschwertes Kulturvergnügen zu bereiten.

Dornstetten-Hallwangen. Eingangs stellte Bürgermeister Bernhard Haas das Comedy- Kabarett-Duo "Die Goldfarb-Zwillinge" aus Essen respektive Berlin vor. Die beiden eineiigen Zwillinge Lisa und Laura Goldfarb, Halbargentinierinnen jüdischer Abstammung, läuteten mit einem quirligen Auftritt die Herbst-Kulturreihe ein. Haas dankte einerseits dem Publikum für dessen Treue angesichts schwieriger Zeiten und andererseits seinem Team vom Kulturamt für die perfekte Vorbereitung. Große Anerkennung fanden ferner die Sponsoren sowie die "Drillerhansele", die eine zwangsläufig abgespeckte Bewirtung übernommen hatten.

Im Alltag mag man sie übersehen mit ihren zusammengelegten drei Metern Körpergröße, nicht aber auf der Bühne. Hier gehen die Zwillinge eine mit kalkulierter Untertreibung versehene "kleine Koalition" ein. Dabei wachsen sie unüberseh- und -hörbar über sich hinaus, jonglieren mit Begriffen, klopfen sie auf ihre Bedeutung ab, biegen sie zurecht, und das mit teilweise atemberaubender Geschwindigkeit. Das alles ist unterfüttert mit mimischer und gestischer Leichtigkeit, die Lisa und Laura Goldfarb im Tanz- und Schauspielstudium erworben und auch in eigener Regiearbeit umgesetzt haben.

Maria und Josef in der Whatsapp-Familiengruppe

Comedy oder Kabarett? Das ist hier die Frage. Oder ist das Ganze ein genreübergreifendes Sammelsurium mit intellektuellem Anstrich und philosophisch angehauchtem Ehrgeiz? Der Zuschauer wird den Verdacht nicht los, dass hinter so manchem locker-flockigem Spruch eine gehörige Portion Hinterlist steckt.

Der Zustand der Gesellschaft und der Welt überhaupt liefert jedenfalls unbegrenzten Stoff. Da ist die resignative Überzeugung "Die Welt schafft sich ab!", begründet im menschlichen Hang zur Selbstzerstörung. Aber es geht auch mit weniger erkenntnistheoretischem Anspruch: Die virulente Alkoholsucht wird ersetzt durch die Internetsucht, gefördert durch eine Erziehung, die dem Götzen Digitalisierung von klein auf nahezu atemlos Vorschub leistet. Kinder schießen mit zwei Jahren ihr erstes Selfie. Und das "Vaterunser" ist dann eben ersetzt durch den Glauben an das Monster Soziale Medien: "Facebook unser … erlöse uns vom Analogen."

"Frauen wollen immer alles", behaupten Lisa und Laura: Kinder und Beruf. Mit diesem Absolutheitsanspruch setzen sie einen Prozess in Gang, an dessen Ende sie zwangsläufig als Verlierer dastehen. Aber steckt dahinter nicht wieder die Leier von der Unvereinbarkeit der Ansprüche? Jedenfalls sind die Frauen den Männern überlegen, sie leben sogar länger.

Überhaupt sind Männer so rechte Sensibelchen, vor allem, wenn sie Schnupfen haben. Dennoch: Jenseits aller feministischen Anstrengungen und der "MeToo-Pandemie" zum Trotz: "Also, Männer, ein bisschen Macho dürft ihr schon sein!" Und Frauen brauchen nicht gleich auf die Barrikaden zu gehen, wenn ihnen mal ein Bauarbeiter nachpfeift oder der Begleiter ihnen aus dem Mantel helfen möchte.

Was die menschlichen Beziehungen angeht, so ist jedenfalls klar: Den Partner sucht man sich aus, Familie dagegen ist nur dann zu ertragen, wenn man möglichst weit auseinander wohnt. Kontakt ermöglicht immerhin eine Whatsapp-Familiengruppe. Sie verschafft auch der Heiligen Familie um Maria und Josef Möglichkeiten des Austauschs, allerdings mit dem Risiko behaftet, dass so manche Mitteilung reichlich unheilig ausfällt.

Glaubt das Publikum an die Liebe? Bernhard Haas, direkt befragt, zögert nicht: Liebe heißt für ihn, "dass man einander trägt und auch erträgt". Das klingt gut, findet spontan Zustimmung, und schließlich "hat der Bürgermeister ja auch eine Vorbildfunktion".

Lisa schießt schließlich noch ein sauberes Eigentor: Dornstetten rieche nach Kuh­ort, lässt sie einfließen. Dass Haas angesichts dieser Charmeoffensive ihrem Wunsch, eine Straße oder einen Weg in der Stadt nach ihr zu benennen, nachkommen wird, ist eher unwahrscheinlich.

Vorhang zu und alle Fragen offen! Nicht aber für die Goldfarb-Zwillinge. Sie danken dem Publikum artig für seinen Mut, trotz Corona erschienen zu sein und damit die Kultur gestützt zu haben.

Die nächste Veranstaltung in der Reihe "Kultur im Museum" ist am Freitag, 23. Oktober, ab 20 Uhr (Einlass ab 19 Uhr in der Halle in Aach. Das "Acoustic Fun Orchestra" nimmt das Publikum mit auf einen "Trip to Mixico". Karten gibt es bei der Tourist-Information und der VR-Bank Dornstetten-Horb.

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