Mit roten Umhängen und Helmen duften Gemeinderat und Stadtverwaltung in den unteren Stollen des Hallwanger Besucherbergwerks "Irmgardsglück" einfahren. Im Berg zeigten sich alle von der Arbeit des Förderkreises beeindruckt. Foto: Sannert

Gemeinderat und Verwaltung schauen sich "Irmgardsglück" schon mal vorab an.

Dornstetten-Hallwangen - Seit nunmehr 16 Jahren dürfen Besucher in die Grube "Himmlisch Heer" im Besucherbergwerk Hallwangen einfahren. Zum Stadtjubiläum im kommenden Jahr wird nun auch das "Irmgardsglück" geöffnet. Der Gemeinderat durfte es sich schon jetzt anschauen.

Mehrmals hatte der Förderkreis historischer Bergbau Hallwangen, dem 140 Mitglieder, darunter 15 Aktive im Berg und bei Führungen, angehören, Gemeinderat und Stadtverwaltung zu einer Bergwerksbesichtigung eingeladen. Am Dienstag war es dann so weit: Förderkreis-Vorsitzende Erna Märgner, ihr Mann Winfried Märgner, Ulrich Bergler und Joachim Hirsch hießen zahlreiche Ratsmitglieder mit dem Hallwanger Ortsvorsteher Günter Kübler sowie Bürgermeister Bernhard Haas mit einem Teil seines Rathausteams auf dem Gelände des ehemaligen Silber-, Kupfer- und Schwerspatbergwerks willkommen. Mit ein Grund für die Besichtigung des unteren Stollens war ein Antrag des Förderkreises an die Stadt zur Beseitigung des eindringenden Oberflächenwassers.

Bevor sich die Gäste die roten Mäntelchen umhingen und einen schützenden Helm auf den Kopf setzten, gab Erna Märgner Auskunft über Entstehung und Ziele des Förderkreises, die einstige Arbeit im Bergwerk sowie Länge und Verlauf vom unteren und oberen Stollen und zeigte mineralhaltige Gesteinsbrocken.

Dann ging es mit Lampen hinein in den dunklen Berg. Denn noch ist im "Irmgardsglück", dem unteren Stollen, kein Strom verlegt. Das sei erst möglich, erklärte die Vorsitzende, wenn das Ableiten der Wassermassen, die bei Schneeschmelze oder Starkregen den gesamten Stollen unter Wasser setzen, geklärt sei. Der Verein musste vor Jahren eine zweite Pumpe installieren, um den Stollen einigermaßen trocken zu bekommen. Bei ihrem Besuch im Bergwerk bekamen Stadträte und Verwaltung einen Eindruck davon. Es tropfte nicht nur unermüdlich auf ihre Helme, auch der Boden war matschig und rutschig, obwohl das meiste Wasser in einer Rinne an ihnen vorbei ins Freie floss.

Stolz präsentierten die vier Förderkreis-Mitglieder ihren Gästen den neuen, unteren Stollen, aus dem sie mit großem Aufwand und größtenteils in mühevoller Handarbeit 470 Tonnen des schneeweißen Hallwanger Schwerspats hinaustransportiert haben. Der Stollen liegt 30 Meter tief unter der Erde und damit neun Meter tiefer als der parallel verlaufende, historische obere Stollen.

Zwischen beiden gibt es eine Verbindung: die große Halle. Wie groß sie tatsächlich ist, wussten die Hobbybergarbeiter nicht, bis sie sie freigelegt hatten. Gemeinderat und Verwaltung zeigten sich von ihr beeindruckt. Ein dicker Betonpfeiler stützt einen Teil der Decke ab. Dahinter sind schon die ersten Treppenstufen verlegt, die den unteren mit dem oberen Stollen verbinden sollen.

"Wir wollen einen 500 Meter langen Rundgang – das ist unser Ziel", sagte Erna Märgner und erklärte auch gleich warum. Da der historische Stollen sehr eng ist, war bislang kein Begegnungsverkehr möglich. Jeder Besucher, der den Stollen betrat, musste am Ende umkehren und auf demselben Weg wieder hinaus. Und das bei 2000 bis 3000 Besuchern pro Saison, die von Mai bis September dauert. Auch Gemeinderat und Stadtrat mussten umdrehen.

Wieder im Tageslicht angelangt, dankte Bürgermeister Haas im Namen aller für die Führung und ganz allgemein für das ehrenamtliche Engagement des Förderkreises. "Es ist schon beeindruckend, was der Verein in den letzten 20 Jahren geleistet hat", sagte Haas und erinnerte an die Anfänge, geprägt von einer gewissen Skepsis, ob der Verein all das, was er sich vorgenommen hat, auch leisten könne. Inzwischen sei das Historische Besucherbergwerk Hallwangen "etwas Tolles, mit dem die Stadt Dornstetten werben kann", lobte Haas.

Gemeinsam schauten sich alle noch die Hütte, an die ein Anbau geplant ist, an. Dort soll für die Mitglieder ein Aufenthaltsraum geschaffen werden mit Toilettenanlagen darunter, informierte Erna Märgner, der die Baugenehmigung für den Anbau bereits vorliegt.

Alexander Mönch, Leiter des Bauverwaltungsamts, berichtete von einem Vor-Ort-Termin mit dem Ingenieurbüro Eppler, bei dem es um die Ableitung des Wassers aus dem Stollen ging. Dieses soll durch eine rund 100 Meter lange Leitung in die Gräben des Baugebiets Sonnenrain geleitet werden. Die Kosten für Bohrung und Leitung schätzte Mönch auf 20 000 Euro. Demnächst soll das Gelände vermessen werden. Danach müsse alles noch mit dem Amt für Wasserwirtschaft und Bodenschutz abgestimmt werden, sagte Mönch.

Erna Märgner und ihre Mitstreiter hoffen nun, dass alles rechtzeitig bis zum geplanten Eröffnungstermin des Stollens "Irmgardsglück" am 22. Juli 2017 fertig ist.