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Dornstetten Narrengericht und Umzug lockt Tausende

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Ein Fasnetsumzug mit über 2000 Hästrägern war am Sonntag in Dornstetten zu bestaunen. Foto: Ade

Dornstetten - Das Narrengericht mit Freudenstadts Oberbürgermeister Julian Osswald am Pranger und davor ein großer Umzug mit tausenden Hästrägern waren gestern Höhepunkte der Dornstetter Fasnet und Anziehungspunkt für Besuchermassen.

Über 2000 Hästräger boten in rund 70 Gruppen beim Umzug wieder ein prächtiges Spektakel. Erstmals gab es eine Änderung: Das Narrengericht stand diesmal am Schluss des zwei Stunden dauernden Umzugs. Beim Narrengericht ging neben dem von den Schurkenfängern in Ketten gelegten Freudenstädter Oberbürgermeister Julian Osswald als ehemaliger Delinquent und späterer Zeuge vor der Gerichtsbarkeit auch Dornstettens Bürgermeister Bernhard Haas mit.

An der Spitze des Umzugs war wie gewohnt mit schmetternden Klängen die Stadtkapelle Dornstetten, gefolgt von den veranstaltenden Dornstetter Drillerhansele und der Dornstetter Narrenzunft Schnogaklopfer. Die Aischbachwaldexen, die Narrenzünfte aus Freudenstadt, Baiersbronn und Glatten, die Auentalhexen Oberiflingen und der Musikverein Bittelbronn waren ebenfalls ganz vorne dabei.

Von der Aufstellung beim Neukauf zog sich der farbenprächtige Lindwurm Richtung Volksbank und von dort an der Turnhalle vorbei zum historischen Marktplatz, wo das Narrengericht tagte. Die Rede des Narrengerichts hatte Andreas Ammer verfasst. Angeklagt war die Stadt Freudenstadt, vertreten durch "Obermagistrat Julianus Osswald". Dornstetten verlange, so die Narren, das vor über 200 Jahren an Freudenstadt abgetretene Recht als Oberamtsstadt wieder zurück.

Dem Freudenstädter OB zur Seite stand Helmut Michels als Advokat. Von den Schöffen unterstützter und anklagender Vogt war Jürgen Mast, und den König mimte Wolfgang Rebmann. Christian Felchle als Schreiber verlas die Vorwürfe. Im Zeugenstand war Bürgermeister Bernhard Haas als "Bernhardus Haas, wohllöblicher Stadtschultheiß der Stadt Dornstetten".

In den Anklagepunkten gegen die "Stadt der Freuden" wurden vom Vogt auch der nicht getätigte Bau eines Residenzschlosses vor den Toren Dornstettens oder das versprochene Residenzschloss oberhalb der Bergbausiedlung St. Christophstal beklagt. Unter falschen Voraussetzungen sei besagter brachliegender Baugrund letztlich zum größten Marktplatz in "Teutschen Landen" geworden – "besiedelt mit irgendwelchen österreichisch-kärntnerischen Exilanten".

Osswald verteidigte sich, dass er gar nicht wisse, wieso seine Freudenstadt angeklagt sei. Auch er sei 2008 geblendet worden, als er in diese Freudenstadt kam, auch ihm sei ein stattliches Schloss, in dem er Rat halten sollte, versprochen worden. Auch versicherte Osswald, dass man die Schuld begleiche. Sobald in der Wiege der Stadt, im Christophstal, wieder Silber abgebaut werde, werde man sich erkenntlich zeigen.

Ein weiterer Anklagepunkt war, dass der Bau der Stadt Freudenstadt für Dornstetten immense Nachteile gebracht habe. Der Zeuge, Stadtschultheiß Haas, bekräftigte die Anklage: "Ja, wenn Freudenstadt nicht gebaut worden wäre, dann wären wir hier die Hauptstadt des Schwarzwaldes." Und auch Haas jammerte über die durch Freudenstadt entstandenen Engpässe, Steuereinbußen und gar Abwanderung.

Verteidiger Michels hielt dagegen: "Er ist Oberbürgermeister mit Herz und Verstand, weit über die Kreisgrenzen hinaus bekannt und beliebt." Auch setze Osswald seine Schaffenskraft nicht nur für die Stadt, sondern für die ganze Region ein. Den "Schmerz um den Verlust des Oberamtsstatus" erkennend, machte Osswald dem Gericht einen Vorschlag, mit dem "alle Statutsängste und Sorgen" mit einem Streich gelöst seien: "Der Rat der Stadt Dornstetten möge beschließen, der Oberamtsstadt Freudenstadt beizutreten – wir werden die Stadttore öffnen und sie in unserer Mitte empfangen." Damit seien die Dornstetter wieder Bürger einer Oberamtsstadt, so Osswald. Doch dieser Vorschlag behagte dem Gericht beileibe nicht.

Der Urteilsspruch fiel anders aus: Demnach sei eine Zusammenarbeit im touristischen Bereich anzutreten. Die Stadt Freudenstadt wurde zur interkommunalen Zusammenarbeit mit der Stadt Dornstetten beauftragt. Ebenso wurde Freudenstadt verpflichtet, die 1250-Jahr-Feier Dornstettens nach Möglichkeit tatkräftig zu unterstützen – dies zum Beispiel mit einer respektablen Delegation am Festumzug am Sonntag, 9. Juli 2017. Auch sollen für Dornstetten die vor 210 Jahren an Freudenstadt verlorenen Rechte als Oberamtsstadt zum Stadtjubiläum eingefordert werden, wofür Osswald "eine Bittschrift an den Hofe zu Stuttgart" aufsetzen solle.

Auf den Prozess folgte der Ritterschlag des Delinquenten durch den als König auftretenden Wolfgang Rebmann. Die anschließende Laudatio hielt Bernhard Haas, Delinquent und Narrenritter von 2013.

 
 

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