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Dornstetten Narrengericht straft Verkehrsminister ab

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Foto: Uwe Ade

Dornstetten - Verkehrsminister Winfried Hermann, am Sonntag Angeklagter vor dem Narrengericht der Drillerhansele, bekam einiges zu hören. Horber Hochbrücke, Freudenstädter Tunnel – und wo bleibt Dornstetten? Ein Zuber-Kreisel muss her!

Dem Narrengericht voraus ging wieder ein riesiger Fasnetsumzug, in dem mehr als 2000 Hästräger in über 70 Gruppen durch die Stadt zum Marktplatz zogen – lautstarke Fasnetsklänge durch Musikvereine und Guggenmusiken inklusive. An der Stadthalle informierte Andrea Stahl am Mikrofon über Gruppen – in ihrer Figurenvielfalt ein Querschnitt der schwäbisch-alemanischen Fasnet. Hästräger, die vielen Besucher am Straßenrand und die Sonne strahlten um die Wette.

Eingebürgert hat sich mittlerweile, dass die hohe Gerichtsbarkeit mit dem von den Schurkenfängern gehaltenen Delinquenten erst zum Schluss des Umzugs kommt. Mit dem baden-württembergischen Verkehrsminister Winfried Hermann musste sich einmal mehr eine prominente Persönlichkeit vor dem Narrengericht verantworten.

Angeführt wurde der bunte Umzug mit schmetternden Klängen der Stadtkapelle. Ihr folgten die Gastgeber, die Dornstetter Drillerhansele mit ihrem Schlachtruf "Schurken vor Gericht!", die Narrenzunft Dornstetten und viele Narrenvereine aus dem Kreis und weit darüber hinaus. Bereichert wurde der Umzug auch durch die Fröschle des städtischen Kindergartens Alte Volksschule. Kaum enden wollte der über zwei Stunden dauernde Umzug, bis zum Schluss die Schurkenfänger den in Halskrause und Ketten gelegten grünen Verkehrsminister in Richtung Marktplatz zerrten, wo das von Andreas Ammer ausgearbeitete Narrengericht stattfand.

"Bei dem Angeklagten handelt es sich um Winfried – genannt ›Winne‹ Hermann, geboren in Rottaburg am Neckar", verkündete Schreiber Christian Felchle, der auch zu berichten wusste, dass Hermann 1982 über die Friedensbewegung zu den Grünen fand. "Hört hört, ein Grünling, das ist bei uns im Schwarzen Walde ja ein gar seltenes Gewächs, so was hatten wir ja noch gar nie nicht hier", so Vogt Jürgen Mast. "Er scheint ja ein ganz Aktiver zu sein, der Herr Oberstudienrat – vom Pennäler-Quäler zum Minister, oder gar vom Ministrant zum Minister!"

Als Anklagepunkte hatte der Schreiber einiges aufgelistet und befand, es sei dringlich, das Wirken Hermanns "für unser Ländle, aber in Besonderheit für diese altehrwürdige Oberamtsstadt auf den Prüfstand zu setzen". Während sich mit der Horber Hochbrücke und dem Freudenstädter Tunnel in der Nachbarschaft viel bewege, werde der wichtige Verkehrsknoten in Dornstetten ignoriert, und man gehe wieder leer aus, so der Schreiber.

Eine kümmerliche Landesstraße 404, die degradierte alte B 28, habe aus Pfalzgrafenweiler kommend weiterhin Vorfahrt, während Verkehrsteilnehmer der Bundesstraße 28, von Schopfloch und Dornstetten kommend, an dieser existenziell bedeutenden Stelle, der Zuberkurve, warten müssten. "Welch ein Systemfehler, und da soll man sich nicht ärgern, das grenzt gar an einen Schildbürgerstreich!", zeterte der Schreiber. Dort fehle ein Dornstetter Kreisel.

Der Stadt droht ein "zugiger Haltepunkt"

Erschwerend komme hinzu, dass der geplante Streckenausbau einer Schmalspurbahn von Dornstetten über Aach nach Hallwangen und von dort weiter Richtung Pfalzgrafenweiler und Altensteig bereits 1914 nach Erd- und Dammarbeiten an der Zuberkurve eingestellt und bis heute nicht wieder aufgenommen worden sei.

Auch Probleme mit den Haltepunkten wurden angeführt. So habe sich der ehrbare Stadtrat jahrelang mit der Bahn gestritten – Wunschstandorte von Rat und Bürgerschaft seien nicht akzeptiert worden. Letztlich sei ein unbefriedigender Kompromiss geschlossen worden, der dem Ortsteil Aach immerhin einen Haltepunkt bringe, der Stadt Dornstetten allerdings den zugigsten Bahnhaltepunkt Württembergs beschere.

Helfend äußerte sich Advokat Michels: "Winfried Hermann setzt sich gewissenhaft für beste Wege ein, für nachhaltige Mobilität, die umwelt- und klimaverträglich, sozial bezahlbar und wirtschaftlich effizient ist." Lobend erwähnte Michels den Einsatz Hermanns für die Hochbrücke, "die den Dornstettern und Reisenden immerhin den Weg durch das vorderösterreichische Horb erspart", und für den Freudenstädter Tunnel. Er sei sich sicher, so der Advokat, dass das Anliegen einer verbesserten Verkehrsführung der B 28, vielleicht mit Zuber-Kreisel, beim "Herrn Minister" Gehör finde.

Nach der Beratung der Urteilsspruch: "Der Angeklagte hat sich mit Nachdruck und vollen Kräften um eine Verbesserung der Straßenführung der B 28, ihren weiteren dringlichen Ausbau, eine gute Pflege und reibungslose Befahrnis zu kümmern", verkündete der Vogt. Auch werde dem Minister sein voller Einsatz für die Horber Hochbrücke, den schnellstmöglichen Baubeginn des Freudenstädter Tunnels sowie die vordringliche Klärung eines Bedarfs für beispielsweise einen Dornstetter Kreisel ans Herz gelegt. Unter anderem solle sich Hermann bei der Einweihung des Dornstetter Haltepunkts im Herbst selbst einen Eindruck von dem windigen Gesellenstück der Bahn machen – er werde zur Teilnahme an der Bahnhaltenstellen-Eröffnung genötigt und dazu rechtmäßig verurteilt.

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