Die Mitglieder des Dornstetter Posaunenchors musizierten im Freien. Foto: Schwarzwälder Bote

Pandemie: Trotz kreativer Lösungen: Leiter der Posaunenchöre bemerken negative Auswirkungen

Glücklich sind sie mit den Pandemiebeschränkungen zwar nicht, aber sie haben sich ganz gut damit arrangiert: Die Posaunenchöre Aach, Dornstetten, Schopfloch sowie Unter- und Oberiflingen bemerken dennoch negative Auswirkungen auf ihre Arbeit.

Dornstetten. Allesamt beklagen die Chorleiter Fritz Weinmann, Martin Strähler, Doris Kugler und Markus Maier sowie Bezirksposaunenwart und Chorleiter Matthias Böhringer aus Unteriflingen das Fehlen der wöchentlichen "Prob‘".

Schmerzlich vermisst wird dabei sowohl das gemeinsame Musizieren als auch das gemeinschaftliche Klang- und Gruppenerlebnis. Wie Böhringer berichtet, waren landesweit die Aktivitäten aller Posaunenchöre bereits während des ersten Lockdowns stark eingeschränkt, aber nicht völlig unterbunden: "Viele Posaunenchöre nutzten das gute Wetter und probten mit dem nötigen Abstand in kleinen Gruppen im Freien."

Dies bestätigt auch Fritz Weinmann vom Posaunenchor Aach. Er sieht die Haupteinschränkung für seinen Chor darin, nicht in der Kirche spielen zu können. Umso aktiver seien sie aber im Freien gewesen – ob beim sonntäglichen Spielen in Zweiergruppen von den Aacher Hügeln oder vom eigenen Balkon herunter, ob bei den regelmäßigen Freiluftorchesterproben vor dem Aacher Altenheim oder beim Auftritt bei der "Kirche im Grünen".

Auch alle anderen Chorleiter berichten von kreativen Lösungen, um die in aller Regel dankbaren Zuhörer mit einigen Chorälen zu erfreuen. Hinzu kamen viele kleine Spieleinsätze. Schöne Weisen erklangen da vom Kirchturm oder der Dornstetter Königskanzel herunter, gespielt wurde in Zweiergruppen von den Hügeln und exponierten Stellen herunter, besonders an Sonn- und Feiertagen waren häufig Choräle zu hören.

Mit einer erfrischenden Aktion gelang den Dornstetter Posaunenchorspielern ein digitales "Gemeinschaftserlebnis": Bei ihrer "Klopapier-Challenge" vereinten sich am Ende alle Mitspieler digital zu einem großen Chor (abzurufen unter www.dornstetten-evangelisch.de/gruppen-und-kreise/musik/).

Wichtig für alle befragten Chöre waren die Auftritte bei den Open-Air-Gottesdiensten an Heiligabend und Weihnachten. Und trotzdem vermissen alle Befragten nicht nur den geregelten Übungsbetrieb, sondern auch Gemeinschaftserlebnisse wie Ausflüge, Feste und vor allem das regelmäßige Mitwirken im Gottesdienst.

"Wir hätten schon gerne zwischendurch mal gespielt", sagt Markus Maier über die Stimmung seines 13-köpfigen Projektchors. "Wenn überhaupt, ist derzeit lediglich im Gottesdienst noch ›stellvertretendes Musizieren‹ mit höchstens fünf Bläsern möglich", bestätigt auch Bezirksposaunenwart Matthias Böhringer, der die Situation aus der Warte des Posaunenchorleiters und des Musikers kennt. Umso wichtiger sei es, dass darüber hinaus vom Dachverband des Evangelischen Jugendwerks (ejw) zahlreiche digitale Hilfen angeboten werden.

Neues Liedgut lässt sich nicht einstudieren

Auch Doris Kugler vom Schopflocher Posaunenchor beklagt die aktuelle Situation: "Unser Chor leidet! Ein Chor braucht zwischenmenschliche Beziehung und das musikalische Aufeinanderhören." Beklagt wird auch, dass – mangels geregelter Übungsstunden – bei den wenigen Open-Air-Auftritten lediglich bekannte Lieder gespielt werden können, neues Liedgut habe nicht mehr einstudiert werden können. Unter anderem deshalb, weil nach der langen Zwangspause der Ansatz, also die notwendige Mundmuskulatur, von Woche zu Woche nachlasse, so Kugler. Sofern man nicht übt, wie sie präzisiert.

Was das häusliche Üben anbelangt, geben sich die Chorleiter keiner Illusion hin: "Zu Hause wird eher nicht geübt." Nur die Schopflocher Jungbläser erhalten von Dirigentin Debora Kohler online Einzelunterricht und bleiben so am Ball, den anderen Chormitgliedern werden für das häusliche Musizieren Liedblätter zur Verfügung gestellt.

Wie es weitergeht? Trotz aller Einschränkungen bleiben die Chorleiter optimistisch: Die Verbundenheit zum Chor könnte wachsen, weil man jetzt merke, was einem fehlt. Und Strähler ergänzt: "Wir alle sitzen in den Startlöchern."

In den Startlöchern sitzen sie alle gemeinsam auch – noch – für den auf 2021 verschobenen und noch nicht abgesagten großen Ulmer Landesposaunentag. Bis dahin werden, sofern es das Wetter zulässt, Kirchenchoräle immer wieder von den Hügeln her zu hören sein.

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