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Dornstetten Leichte Annäherung in Sachen Wolf

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Diskutierten im "Wohnzimmer" (von links): Eberhard Valtinke vom Nabu, SPD-Landtagsabgeordnete Gabi Rolland und Mutterkuhhalter Christian Nübel. Foto: Meinert Foto: Schwarzwälder Bote

Unverändert in den Standpunkten, aber verständnisvoller im Ton – so verlief die Debatte über den Wolf am Donnerstagabend in Dornstetten.

Kreis Freudenstadt. Das ist neu. Bisher verlaufen Diskussionen zum Thema Wolf im Südwesten allzu oft hochkontrovers und emotional: Tierschützer contra Schäfer, Muttertierzüchter oder Milchkuhhalter. Nicht selten geht es kompromisslos zu. Doch bei der Veranstaltung in Dornstetten ist das etwas anders.

"Der Wolf – Gefahr oder Bereicherung" heißt das Thema im Bar & Café Wohnzimmer in Dornstetten. Geladen haben die Jungsozialisten. Die Referenten sind Gabi Rolland, naturschutzpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Eberhard Valtinke vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) sowie Christian Nübel, Mutterkuhhalter mit 140 Tieren.

Landwirt kein Freund der Herdenschutzhunde

Nübel ist der Einzige an diesem Abend, der sich klipp und klar gegen die Rückkehr des Wolfs zur Wehr setzt. "Ich bin ein absoluter Wolfsgegner", bekennt er. "Wenn der Wolf kommt, werde ich meine Tiere im Stall halten müssen." Auch sei er "absolut kein Freund des Herdenschutzhundes". Die seien viel zu aggressiv, auch Menschen gegenüber. "Der Herdenschutzhund greift alles an, was kommt", so Nübel. Er würde am Ende gar mehr Schaden anrichten als der Wolf.

Gabi Rolland von der SPD-Fraktion hat da eine etwas andere Haltung. Sie hat auch den Tierschutz im Auge, hält die Rückkehr des Wolfs jedoch grundsätzlich für eine gute Sache: "Es ist doch schön, wenn eine ausgerottete Art wieder zurückkommt." Dies sei "doch ein Erfolg".

Doch sie äußert auch Verständnis für Sorgen und Ängste der Tierhalter, vor allem die der Schafszüchter. "Dass es Konflikte gibt, da beißt die Maus keinen Faden ab", sagt sie. Natürlich müsse den Tierhaltern materiell geholfen werden, bereits heute bekämen sie ja Zuschüsse für bessere Weidezäune und Herdenschutzhunde sowie Entschädigungen, wenn der Wolf zugeschlagen habe. "Doch wir als SPD sagen: Das reicht nicht." Die Hilfen müssten großzügiger sein, etwa auch den erhöhten Arbeitsaufwand beim Errichten von Elektrozäunen berücksichtigen, was vor allem für Wanderschäfer eine Zusatzbelastung sei. Rolland plädiert auch für die "Entnahme", also den Abschuss von "Problemwölfen", die sich Schafen oder Menschen zu sehr nähern. Auch sie spricht von einem "komischen Gefühl" bei Wolfssichtungen, das auch sie beschleiche, "wenn in der Nähe 60 Kinder in einem Ferienlager sind".

Viel Verständnis für die Tierhalter äußert auch Eberhard Valtinke vom Nabu. Angst und Panik seien nicht angebracht, denn das Wildtier sei eben nicht "der böse Wolf" aus dem Märchen. Auch will er nicht, dass der Wolf ins Jagdrecht aufgenommen wird, sondern stattdessen weiter streng geschützt bleibt. Überhaupt: Derzeit sei in Baden-Württemberg lediglich ein einziger Wolf in freier Wildbahn nachgewiesen – "und schon ist das Geschrei groß". Doch auch der Natur- und Umweltschützer erkennt die Nöte der Tierhalter an. Mit den Schutzzäunen sei das in der Tat nicht einfach. "Das kann ich verstehen."

Doch Valtinke sieht auch die andere Seite: Der Wolf könne zumindest helfen, die übergroße Zahl des Rotwilds zu verringern. "Wir sollten froh sein, wenn wir etwas mehr Naturdynamik haben." Und: "Wir sollten es uns leisten können, ein solches Tier in unserer Mitte zu haben." Im Übrigen seien Wildschweine "viel gefährlicher."

"Wir werden uns zwar nicht ganz treffen", meint der Naturschützer an die Adresse des Tierhalters. "Aber wir kommen uns hoffentlich näher." Das wäre die Versachlichung einer Debatte, die mitunter schon schwer aus dem Ruder gelaufen ist, und vielleicht ein echter Fortschritt.

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