Architekt Klaus Gall, Kirchenpflegerin Christiane Brandt und Pfarrer Timo Stahl (von links) schauen sich die Schäden an der Fassade der Martinskirche an. Foto: Sannert Foto: Schwarzwälder Bote

Baustelle: Dornstetter Martinskirche wird umfangreich saniert / Am Dienstag nach Ostern geht es los

Moose und Flechten am Putz, Risse und offene Fugen an Sandsteinfassade und Chorfenstern – die evangelische Martinskirche in Dornstetten muss dringend saniert werden. Nach den Osterfeiertagen wird das Gotteshaus für rund drei Monate ringsum eingerüstet.

Dornstetten. Die letzte Außensanierung war in den Jahren 1998 und 1999. Sie hat nicht allzu lange gehalten, erklärt Pfarrer Timo Stahl, der an der Fassade vor ein paar Jahren erneut Schäden entdeckt hat, die dringend behoben werden müssen. Vor allem an den Sandsteinen am Kirchturm sind Risse und offene Fugen erkennbar.

2017 hat sich der Pfarrer mit einer Architektin des Oberkirchenrats die Schäden genauer angesehen. Die empfahl danach zunächst Reparaturen an Chorfenstern und Strebepfeilern. Turm und Kirchenschiff sollten später folgen. Doch weitere Untersuchungen zeigten, dass auch die Sandsteine am Turm erhebliche Schäden aufweisen.

Schnell war klar, dass eine komplette Außensanierung unumgänglich ist. Dafür muss die gesamte Kirche eingerüstet werden. "Es macht keinen Sinn, jetzt die Fugen zu sanieren und in fünf Jahren den Putz", macht Architekt Klaus Gall, der mit der Sanierung beauftragt wurde, deutlich. Wenn schon angerüstet wird, sollten alle Arbeiten auf einmal erledigt werden.

Einschränkungen auch beim Mobilfunk

Am Dienstag nach Ostern geht es los. Das Gerüst wird teilweise auf öffentlichem Grund stehen. Dafür müssen zeitweise Teile des Kirchplatzes gesperrt werden. Einschränkungen erwarten die Dornstetter auch beim Mobilfunk. Ab 12. April, so Gall, müsse die Anlage des Mobilfunkanbieters Vodafone im Glockenturm zum Schutz der Arbeiter für mehrere Tage abgestellt werden. Steht das Gerüst am Turm, soll die Anlage außen auf Höhe der Schallläden angebracht werden.

Etwa drei Monate wird es dauern, bis die gesamte Natursteinfassade samt Wasserspeier und Fialen – den vier kleinen, kunstvoll gestalteten Sandsteintürmchen im oberen Bereich des Kirchturms – saniert ist, bis die Schallläden an den Fenstern des Glockenturms erneuert sind und der Putz ringsum gesäubert und neu gestrichen ist. Knapp 194 000 Euro werden die Arbeiten die Kirchengemeinde kosten, die auf Zuschüsse vom Landesdenkmalamt, vom Kirchenbezirk und der Landeskirche hofft. "Den großen Batzen müssen wir selber tragen", so der Pfarrer.

Die Gottesdienste, da ist sich Timo Stahl sicher, könnten während der Sanierungsarbeiten ungehindert abgehalten werden. Allerdings müsse das Glockengeläut zeitweise ganz abgeschaltet werden, vor allem dann, wenn Arbeiten am Turm erledigt werden. Das betreffe auch den Stundenschlag, so der Pfarrer. Er hofft, dass die Arbeiten spätestens Ende Juli erledigt sind.

Wann genau die erste Kirche in Dornstetten gebaut wurde, ist unklar. Im "Codex Laurenshamensis", dem Schenkungsbuch des Klosters Lorsch, gibt es einen Eintrag, der auf das Jahr 767 hinweist. Die älteste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1267. Der älteste Zeitzeuge ist ein beschädigter Grundstein an der Ostwand der Sakristei, der die Jahreszahl 1410 trägt.

Auf dem Grundstein am Nordportal des Kirchturms ist die Zahl 1490 eingemeißelt. In dieser Zeit entstand die Kirche, die nach St. Martin, dem Bischof von Tours, benannt ist, in ihrem heutigen Ausmaß. 1415 und 1488 wurde die Kirche ein Raub der Flammen. Seit 1534 ist sie evangelisch. Beim großen Stadtbrand im Jahr 1676 brannte die Martinskirche erneut nieder. Das Feuer wütete derart, dass sogar die Glocken schmolzen. Aus ihren Klumpen wurde eine neue Glocke gegossen, die noch heute im Kirchturm hängt und läutet.

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