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Dornstetten Große Hilfe in einer schweren Zeit

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Das Haus von Lina Grötzinger gibt es nicht mehr. In der Scheune (rechts) waren im Krieg junge Flakhelfer einquartiert. Foto: Schwarzwälder Bote

Heute würde man sie Kindersoldaten nennen: Junge Flakhelfer waren im Zweiten Weltkrieg auch in Aach im Einsatz – um die Eisenbahn zu schützen. Heimatforscher Hans Lambacher erinnert im Folgenden an eine Frau, die in schweren Zeiten anpackte und den jungen Burschen half.

Dornstetten-Aach. Die Eisenbahnlinie von Eutingen nach Freudenstadt wurde nach einer Bauzeit von 1874 bis 1878 am 1. September 1878 feierlich eröffnet. Aufgrund der hohen Kosten, insbesondere des Bauabschnitts von Dornstetten nach Freudenstadt mit seinen drei Viadukten und einem tiefen Bergeinschnitt zwischen Aach und Dornstetten (auch "Coloradoschlucht" genannt), war der Bau der Eisenbahn im württembergischen Landtag sehr umstritten.

Es ist dem Landtagsabgeordneten und Dorfschultheißen Wilhelm Walter aus Aach zu verdanken, dass die Bahnlinie trotz aller Bedenken gebaut wurde. Aach erhielt damals einen beschrankten Bahnübergang, ein eigener Bahnhaltepunkt wurde erst vor einem Jahr, am 15. Dezember 2019, eingeweiht. Im Ersten und Zweiten Weltkrieg wurden auch auf der Bahnstrecke von Freudenstadt nach Eutingen Soldaten und Kriegsgerät befördert. Feindliche Angriffe auf die Bahnlinie blieben nicht aus, richteten jedoch keine größeren Schäden an.

Da allerdings während des Zweiten Weltkriegs viele Flugzeugangriffe auf die drei Eisenbahnviadukte zwischen Aach und Freudenstadt erfolgten, wurden gegen Ende des Kriegs in der Nähe des Aacher Bahnübergangs Flakgeschütze zur Flugabwehr aufgestellt.

Dazu wurden junge Burschen aus dem ganzen Land zwangsverpflichtet. Noch im Schulalter mussten diese Flakhelfer – nach der heute gebräuchlichen Begriffsbestimmung würde man sie als Kindersoldaten bezeichnen – monatelang die Flakgeschütze bedienen.

Einquartiert wurden die jungen Burschen kurzerhand in der Scheune von Lina Grötzinger, die im letzten Haus vor dem Bahnübergang an der Dornstetter Straße wohnte. Noch heute ist in Aach überliefert, dass Lina Grötzinger das Herz auf dem rechten Fleck hatte. Sie sei stets eine fromme und gutherzige Frau gewesen und habe Mitleid mit den Jungen gehabt.

Freudiges Wiedersehen

Damit diese nicht auf dem blanken Boden schlafen mussten, stopfte sie für sie unzählige Strohsäcke. Damit die jungen Flakhelfer etwas zu essen hatten, erbettelte sie von den Bauern Nahrungsmittel. Selbst das Haareschneiden organisierte sie bei ihrer Nachbarin Anna Müller, geborene Rath.

Bis zu ihrem Tod war Lina Grötzinger für viele Aacher die Ansprechpartnerin für geschichtliche Ereignisse, stets war sie selbst über aktuelle Entwicklungen bestens informiert. Viele dieser Flakhelfer erinnerten sich gerne an die fürsorgliche Lina und hielten nach dem Krieg noch Kontakt zu ihr.

So erfuhr ein Ulmer Journalist zufällig bei einer Veranstaltung, dass Lina Grötzinger noch lebte. Kurzerhand besuchte er die damals 92-Jährige im Altersheim, um sich bei ihr noch einmal für die große Hilfe in schwerer Zeit zu bedanken. Auf beiden Seiten sei die Freude über das Wiedersehen groß gewesen.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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