Buchvorstellung am Bildschirm: Reinhard Schultze. Foto: Keck Foto: Schwarzwälder Bote

Buchwochen: Schultze stellt Roman vor

Online-Lesung zum Zweiten bei den Dornstetter Buchwochen: Der Münchener Anwalt und Autor Reinhard Schultze stellte seinen jüngst erschienenen "Universalroman" mit dem Titel "Das Wasserhaus" einem wiederum zahlreich eingeloggten Publikum vor.

Dornstetten. Kulturamtsleiterin Ellen Brede moderierte erneut die Veranstaltung. Inhalt und Organisation der Lesung wurden von den Zuhörern mit reichlich Lob bedacht.

Mit der Lesung und Kommentierung zu seinem 448 Seiten starken Werk wandte Schultze eine andere Methodik als üblich an. Statt das Publikum mit Häppchen zu füttern, ließ er ihm die Wahl aus einem halben Dutzend Themenvorschlägen. Mehrheitlich entschied es sich für einen umfänglichen Abschnitt zum Thema "Ein Wasserkrieg, der sich gewaschen hat – die Fronten der Familie". Dies erwies sich als kluger Schachzug, denn damit tauchte der Autor mitten hinein in einen vorentscheidenden Handlungsstrang.

Der Familienrat aus Mutter, Vater und vier erwachsenen Kindern soll auf Papas Geburtstagsfeier eine Entscheidung darüber treffen, ob das Tafelsilber, eine ausgebrannte Burg samt Wasserhaus, für ein großangelegtes Projekt in Südafrika verpfändet wird. Tags darauf erwartet die Mutter, eine ebenso erfolgreiche wie ehrgeizige Geschäftsfrau, ein Votum. Spekuliert wird über mögliche Koalitionen, und am Ende trifft die Gemeinschaft eine eindeutige Entscheidung.

Die Familie: Egoisten und Individualisten

Das vielversprechend angelaufene Wasseraufbereitungsprojekt ist unerwartet torpediert worden, und zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen verschlingen eine Menge Geld. Die Bank möchte den Kredit nicht aufstocken, höchstens gegen die Sicherheit aus der Burg. Zwischen den Traditionalisten und den Fortschrittsgläubigen ergibt sich ein Gerangel um die Meinungshoheit. Das historische Anwesen geht auf eine lange Ahnenreihe zurück und ist der Stolz der Familie. Einen solchen Schatz zu verscherbeln gleiche einem Sakrileg, sagen die einen, während die anderen die Sicherung als einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz über den Tellerrand hinaus betrachten.

Damit haben die Holzrichters ein Luxusproblem, denn von Herkunft und sozialer Schicht sind sie überaus privilegiert. Die Familie sei ein Verbund aus Individualisten und Egoisten, räumt Reinhard Schultze ein. Wer ihre Lebensläufe und Weltläufigkeit betrachtet, kann dieser Einschätzung zustimmen: Die Mutter baut Biokläranlagen in Südafrika, der Vater hat einen Lehrstuhl für Elementarteilchen inne. Mies, der eine Sohn, ist Karrieremensch bei einem internationalen Konzern, Jeffrey, sein Bruder und Vertrauter, steht vor einem glänzenden Weg als Jurist. Er ist ein Adoptivkind aus Tansania und steht als ein Beispiel für die Aufgeschlossenheit der Familie. Tochter Senta hängt sich in ihre Architekturzeitschrift hinein, und Flocke, ihre jüngere Schwester, studiert Politikwissenschaften.

Appell an Vernunft und Verzichtbereitschaft

Schultze durchleuchtet akribisch seine Protagonisten, lässt das Lesepublikum an deren psychischer Verfassung teilhaben. Der Umfang des Bands gewährt ihm dafür Raum – fast im Übermaß. Den Autor treibt bei alldem besonders das übergeordnete Problem um: Umweltverschmutzung angesichts der dramatischen Wasserknappheit auf dem Globus. Die Sorge um die Verfügbarkeit des wichtigsten Lebensmittels könne leicht in militärische Auseinandersetzungen münden.

In diese Richtung ging auch ein Großteil der Fragen aus dem Publikum an den Autor. Schultze antwortete in gewinnender, zugewandter Weise. Seine Kompetenz dafür hat er sich nicht nur durch gründliche Recherchen an den Brennpunkten mit sulfatbelasteten Minen und verseuchten Gewässern, etwa in Südafrika, erworben. Auch das verfügbare Schrifttum und der Zuspruch hochrangiger Fachleute halfen ihm weiter. Über die Familiengeschichte hinaus ist der Roman ein dringender Appell an Vernunft und Verzichtbereitschaft der Weltgemeinschaft.

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