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Dornstetten Ein Familienepos aus erster Hand

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Gast auf der Premiere des Geschichten-Cafés von Pascale Peukert (links) war die Schriftstellerin Sigrid Kleinsorge. Foto: Keck Foto: Schwarzwälder Bote

Die Kultur in der Region hat eine neue Adresse – und eine noble noch dazu. Zur Lese-Premiere am Tag der Deutschen Einheit hatte Pascale Peukert die in Halle an der Saale geborene Autorin Sigrid Kleinsorge eingeladen.

Dornstetten. Im erst kürzlich gegründeten Erzähl-Café "et cetera pp" der rührigen Dornstetterin entfaltete die 80-jährige Schriftstellerin mit Passagen aus ihrem neuen Buch "Rabeninsel" deutsch-deutsche Geschichte vor und nach der Wende. Das Werk ist ein Epos aus erster Hand, denn es legt große Teile der Geschichte von Sigrid Kleinsorge und ihrer Familie offen. Dabei sind die Namen zum Schutz der Porträtierten verfremdet.

Pascale Peukert und ihre Familie hatten weder Kosten noch Mühe gescheut, dem Publikum etwas Besonderes zu bieten. Die Lokalität des Geschichten-Cafés (wir berichteten) verströmt ein Ambiente von gediegener Vornehmheit. Die Einrichtung mit nostalgischem Mobiliar, altem Familienporzellan für die Kaffeetafel und einer Chefin, die es an Umsorgung ihrer Gäste an nichts fehlen lässt, weist in die Richtung der Kulturstätte, die auch in Zukunft mit regelmäßigen Angeboten aufwarten will.

Figuren in Ost und West eint die Suche nach Glück und Zufriedenheit

In ihrer Begrüßung richtete Pascale Peukert ihren Dank an das Publikum für sein Interesse – ungeachtet der coronabedingten Einschränkungen. Peukert hat es sich zur Aufgabe gemacht, einerseits Menschen bei der Aufarbeitung ihrer Familiengeschichte zur Seite zu stehen und andererseits mit dem Geschichten-Café ein Forum zum niveauvollen Gedankenaustausch zu schaffen. Das Interesse daran sei enorm, versicherte sie. Peukert sieht sich damit in ihrer Überzeugung bestätigt, dass in der Gesellschaft ein großes Bedürfnis nach Sprechen und Zuhören existiert.

Sigrid Kleinsorges Roman "Rabeninsel" ist kein Werk, das man so eben im Vorbeigehen konsumiert. Am Beispiel eines Mikrokosmos, sprich ihrer Familie, schildert sie das Auseinanderklaffen von deutsch-deutschen Verhältnissen in unterschiedlichen politischen Systemen, das Leiden an Druck, Gängelei und Repressalien im sozialistischen Staat. Sie legt offen, wie unter diesen Umständen die Lebensentwürfe differieren, manches ungesagt und im Dunkeln bleibt.

Eines haben die Figuren in West und Ost gemein: Sie suchen Glück und Zufriedenheit. Weil das dargestellte Personal in seinen Zusammenhängen mitunter erst auf den zweiten Blick erfahrbar wird, hat die Autorin im Anhang einen hilfreichen Stammbaum erstellt.

Mit im Zentrum steht Sigrid alias Ruth, die sich auf die Spurensuche ihres verstorbenen älteren Bruders macht, der seine Identität verschleiert hatte. Was steckte dahinter? Die vier Kinder Armin, Sandra, Ulrike und Ole, die er von seiner zweiten Frau Waltraud hat, sind wie Ruth vom Wunsch nach "Aufklärung, Verstehen und Versöhnung" beseelt.

Sigrid Kleinsorge las akzentuiert, mitunter sichtlich berührt. Die Diktion der Psychologin und Soziologin ist gefällig und ausgefeilt. Methodisch ist das Buch in Hauptabschnitte untergliedert, innerhalb derer die einzelnen Personen zu Wort kommen.

In ihren Darstellungen wird auch deutlich, dass mit dem Fall der Mauer und der deutschen Einheit nicht automatisch Friede, Freude, Eierkuchen eingekehrt sind. Viel Unsicherheit trat zutage, viele wussten plötzlich nicht mehr, was zu gelten hatte. Die neue Freiheit der ehemaligen DDR-Bürger hatte ihren Preis. Noch heute gilt für Sigrid Kleinsorge, die bereits 1960 in den Westen ging: "Es gibt noch viel zu wenig Gespräche." Der Titel ihres Buches "Rabeninsel" hat mit ihrer Biografie zu tun. Als Kind war sie öfters auf der Binneninsel zwischen der Wilden Saale und der schiffbaren Saale als Ziel von Ausflügen. "Rabeninsel" ist das neunte Buch von Kleinsorge, einer Autorin, die Menschen und ihre Lebenswege mit psychologisch geschultem Blick betrachtet.

Das Buch: Sigrid Kleinsorge: Rabeninsel, Roman, Lauinger-Verlag/Der Kleine Buch Verlag Karlsruhe, 2019, 270 Seiten, Broschur mit Illustrationen von Christian Klute, 15 Euro.

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