Stopp an der Schieferabbruchkante Foto: Breisinger

Ein Rundgang im gemeindeeigenen Hardtwald stand für den Dormettinger Gemeinderat am Samstagnachmittag an. Für Dormettingens Bürgermeister Anton Müller eine Reise zurück in die eigene berufliche Vergangenheit, da er einst selbst in der Forstwirtschaft tätig war.

Dormettingen - So konnte Müller zu den fachkundigen Ausführungen des Revierleiter Stephan Kneer, des Leiters des Forstamt im Bereich Balingen Christian Beck und des Forstdirektor vom Regierungspräsidium Freiburg Matthias Riedmann seinen Beitrag leisten.

Aktueller Anlass

Eine Waldbegehung mit aktuellem Anlass, denn für das nächste Jahr steht in Dormettingen das Forsteinrichtungswerk für die Jahre 2022 bis 2031 an, bei dem die Inventur der Waldflächen und eine Planung für die Pflege des Bestands, die Holzentnahme und die Aufforstung ansteht.

"Beim Forsteinrichtungswerk schauen wir gezielt nach vorne und prüfen, wie wir die Anforderung des Klimawandels mit den gesetzlichen Voraussetzungen und der Wirtschaftlichkeit in Einklang bringen", erklärte Beck. "Forstmäßig auf eine Karte zu setzen ist immer schlecht, denn die Mischung macht es", gab Riedmann Einblick in den idealen Wald.

"Spannender Parcours"

Riedmann kündigte den Dormettinger Räten einen "sehr spannenden Parcours" an und sollte recht behalten, denn über Stock und Stein ging es zum ersten Halt, an dem vorwiegend 60 bis 70 Jahre alte, risikogefährdete Fichten zu finden waren. "Wir befinden uns hier in einem labilen Bereich, der dauerhaft klimatisch wenig Zukunft hat. Für eine Verjüngung ist es noch zu früh, so dass es das Ziel ist Volumen zuzulegen", sagte Riedmann. "Bei der Fichte befinden wir uns in einem wirtschaftlichen Dilemma, weil sie am meisten sturm- und insektenanfällig ist", erörterte Müller.

Auch beim zweiten Halt waldeinwärts waren vorwiegend Fichten zu finden, laut Riedmann seien dort 190 Erntefestmeter in einem Jahrzehnt zu beziehen, die sich auf zwei Eingriffe mit jeweils 95 Erntefestmeter erstrecken.

Die nächste Haltestelle an einer Schieferabbruchkante hat laut Riedmann "in förstlicher Hinsicht keinen großen Wert". Dafür sei diese aber ökologisch etwas Besonderes, so dass er auch gesetzlich geschützt sei.

Juwel im Forst

Juwel der Forstwirtschaft

Nach einem kurzen, steilen Aufstieg ging es laut Kneer zu einem Juwel der hiesigen Forstwirtschaft, das es zu fördern und auszubauen gelte: Ein Mischwald par excellence mit unter anderem Feldahörnern, Fichten, Kirschen, Buchen, Linden und Tannen. Priorität hätten die Feldahörnern gefolgt von den Kirschen, dieser Bereich sei laut Kneer zudem anspruchsvoll für die Förster und Planer zu pflegen. "Hier können wir aus dem Vollen schöpfen, eine Jungbestandspflege steht an und wir werden eine Grünästung zur qualitativen Forderung durchführen", so Riedmann.

Beim nächsten Halt, bei dem vorwiegend ältere Ahorngewächse vorzufinden waren, steht laut Kneer im Hinblick auf die Zukunft eine Durchforstung an. "Ahorn gibt qualitativ gutes Holz", weiß Riedmann zu berichten.