Weniger autofreundlich, aber mehr Lebensqualität für die Menschen – die Sanierungsmaße in Mühlheim soll wieder mehr Dorfcharakter in den Sulzer Teilort bringen.
Die Ortsmitte – in Mühlheim liegt die nicht direkt an der verkehrsreichen Ortsdurchfahrt, sondern etwas „versteckt“ im Areal zwischen Rathaus und Kilianskirche. „Die Anlagen sind schon alle in die Jahre gekommen, aber ortsprägend – und sollen erhalten bleiben“, erklärt André Leopold vom Rottweiler Ingenieur- und Planungsbüro den Stadträten im Ausschuss Technik und Umwelt.
Und meint damit den Kirchenvorplatz, den Rathausvorplatz sowie die Straße „Bei der Kirche“. „Der Vorplatz bei der Kirche ist eine große Asphaltfläche, da gibt es keine geordneten Grünstrukturen“, beschreibt er die Sachlage. Sein Fazit: kein Wohlfühlplatz.
Mehr Grün im Ort
Auch beim Aufgang zum Rathaus habe man in früheren Zeiten „viel mit Asphalt gelöst“. Die Wendeschleife für den Bus werde kaum genutzt und solle deshalb zurückgebaut werden. „Hier soll mehr Qualität geschaffen werden, damit der Musikverein beispielsweise seine Freiluftkonzerte abhalten kann“, nennt Leopold eine neue Nutzungsmöglichkeit.
Aber auch für den Weihnachtsmarkt ergeben sich sicherlich positive Effekte. Ob die Installation eines Wasserspiels möglich ist, müsse jedoch erst noch geprüft werden. Was als Abgrenzung zur naheliegenden Brühl-Straße kommen soll, darüber gibt es hingegen schon eher Gewissheit: Eine Hainbuchen-Hecke wird ins Auge gefasst.
Die schnelle Hindenburgstraße
Am Rathaus denkt man darüber hinaus über eine Grünfläche mit Spalierobst nach. Gehe man in Richtung der Kirche, merke man, dass sich der Belag der Zufahrtsstraßen geradezu auflöse. Hier sollen eine Randsteinfassung aus Granit sowie eine Entwässerungsmöglichkeit Abhilfe schaffen.
„Die Straße soll von Fußgängern und Autos gemeinsam genutzt werden“, spricht der Planer die Verkehrssituation nach der Sanierung an. Aber auch: „Fahrzeuge sollten eher die Hindenburgstraße nehmen“ – das sei nämlich schneller.
Pflanz-Inseln kommen
Der Kirchenvorplatz sollen im Zuge dessen auch gepflastert werden, die drei ortsbildprägenden Kastanien aber auf alle Fälle erhalten bleiben. Und der neue Standort fürs Kriegerdenkmal soll entsprechend gestaltet werden. Leopolds Eindruck: „Durch die Umgestaltung kommt die Kirche dann noch mehr zur Geltung.“
Gleichzeitig soll sich der Platz auch durch eine Erhöhung abheben, damit es keine große ebene Fläche wird. Auch Pflanz-Inseln sollen kommen. „Die Farbgestaltung erfolgt wohl in Braun- und Grautönen“, zeigt er das künftige Szenario auf.
Dorf-Charakter wird betont
„Das denkmalgeschützte Rathaus und die Kirche gehen bisher unter“, bestätigt Bauamtsleiter Reiner Wössner die aktuelle Sachlage. Nach der Neugestaltung werde man als Autofahrer automatisch langsamer fahren, so seine Einschätzung.
„Danach ist es nicht mehr so autofreundlich, wird aber seinem Dorf-Charakter mehr gerecht“, gibt er einen Ausblick. Damit es soweit kommt, muss jedoch erst noch das Ingenieurhonorar vergeben werden. Ohne selbiges belaufe sich die Kostenschätzung für den Straßenbau auf etwa 500.000 Euro brutto, bei der Wasserleitung auf 22.500 Euro netto.
Das Geld ist da
„Es ist teerhaltiges Material gefunden worden“, kommt Jochen Steinwand, zuständig für den Tiefbau, auf ein kürzlich aufgetretenes Problem zu sprechen. Baubeginn sei nach den Sommerferien im September geplant. „Finanziert wird die Maßnahme über das Sanierungsgebiet ‚Mühlheim-Fischingen‘“, berichtet er den Stadträten.
So seien dort im Haushalt 2025 Mittel in Höhe von 200.000 Euro eingestellt, für 2026 beläuft sich der Betrag auf 250.000 Euro. Die endgültige Entscheidung wird in der Gemeinderatssitzung am Montag, 20. April, getroffen.