Lena Abdi ist für die nächsten beiden Jahre Ansprechpartnerin im Ostelsheimer Rathaus rund um das Projekt Dorfcafé. Foto: Marion Selent-Witowski

Ein Ort, wo Menschen etwas erleben, erschaffen und miteinander Zeit verbringen soll der geplante neue Bürgertreff im Herzen der Gäugemeinde werden. Bei Projektmanagerin Lena Abdi laufen dafür seit Kurzem die Fäden zusammen.

Zum 1. August hat Abdi ihr Büro im Untergeschoss des Ostelsheimer Rathauses bezogen und ist dort 16,5 Stunden pro Woche Ansprechpartnerin rund um das künftige Dorfcafé. Sie war die einzige Bewerberin auf die auf zwei Jahre befristete Stelle der Projektleiterin und wurde unlängst vom Gemeinderat für den Posten gewählt. Die Kommune hatte sich auf Fördergelder bewerben, die eine projektbezogene Bürgerbeteiligung ermöglichen. Diese soll Abdi koordinieren. Sie ist für Vereine und Ehrenamtliche die Partnerin von offizieller Seite: „Ich halte die Fäden für das Projekt in der Hand“, sagt sie im Gespräch mit unserer Redaktion.

 

Beteiligungsprojekt läuft zwei Jahre

Das Förderprogramm „Quartier 2030“ des Landes Baden-Württemberg richtet sich an Kommunen, die mit Maßnahmen der Bürgerbeteiligung Projekte zur alters- und generationengerechten Entwicklung starten wollen. 80 Prozent der Projektkosten – rund 100 000 Euro – steuert das Land bei, 20 Prozent muss die Gemeinde Ostelsheim tragen. Die Mittel dienen ausschließlich der Bürgerbeteiligung, nicht der konkreten Umsetzung einer daraus entstehenden Idee. Die Dauer des Beteiligungsprojekts liegt bei zwei Jahren. Der gesamte Prozess wird durch ein Fachbüro begleitet.

„Starke Gemeinschaft gibt ein gutes Gefühl“

Als „bürgerzentriert“ bezeichnet Abdi diesen Arbeitsprozess. Momentan sei man dabei abzufragen, was die Ostelsheimer Bürger wünschen. Nicht die Verwaltung bestimme, wie der künftige Treff ausgestaltet werde, sondern die Ostelsheimer hätten das gemeinsam in der Hand. „Eine starke Gemeinschaft gibt ein gutes Gefühl“, sagt Abdi. Sie könne in schwierigen Situationen viel auffangen „und ein positives Lebensgefühl fördern“.

Infoveranstaltung Mitte November

„Was fehlt euch? Wo wollt ihr euch einbringen? Das sind derzeit die Fragen an die Bevölkerung“, so Abdi. Der neue Treff solle neben einem Zentrum für Freizeit auch eines für Kultur mit regelmäßigen Veranstaltungen werden. „Es ist alles noch offen. Wir müssen schauen, was umsetzbar ist.“ Zwei Treffen mit Ehrenamtlichen habe es bereits gegeben, ein drittes folge am 16. September. Für Mitte November kündigt die Projektmanagerin eine Infoveranstaltung zum Dorfcafé an.

Dritter Raum neben Arbeitsplatz und Zuhause

Die Vision: Ein gemeinnütziges Dorfcafé soll künftig das Gemeinwohl in Ostelsheim stärken. Die Hauptzielgruppe: Senioren sowie Kinder und Familien mit und ohne Migrationsgeschichte, die im Ort wohnen. Das ist dem Förderprogramm geschuldet, dass sozial und generationengerechte Beteiligungsprojekts voraussetzt. Eine weitere Bedingung: die Kooperation mit zivilgesellschaftlichen Partnern wie Vereinen oder Kirchen. „Wir wollen für jeden Einzelnen eine Art dritten Raum schaffen, neben Arbeitsplatz und Zuhause“, verbildlicht die Projektleiterin das Vorhaben.

Wie alles anfing

In Ostelsheim sind der Arbeitskreis Asyl und die evangelische Kirchengemeinde zwei Triebfedern für das Vorhaben. Bürgermeister Ryyan Alshebl hatte sich im Wahlkampf stets dafür ausgesprochen, dass die Ortsmitte belebt werden muss. Pfarrerin Heike Ehmer-Stolch und die ehemalige Gemeinderätin Christine Schweizer waren laut Abdi schließlich die Initiatorinnen für das Projekt Dorfcafé.

Ausreichend Optionen in der Ortsmitte

„Der künftige Treff ist nicht nur für den AK Asyl, sondern für alle offen“, betont Abdi, die zwei Jahre Zeit hat, zusammen mit den Bürgern ein Konzept auf die Beine zu stellen, zu dem eine Trägergesellschaft gehört: „Das kann ein Verein, aber auch eine Genossenschaft sein“ – nach dem Vorbild in Calw-Stammheim oder Weil der Stadt. Ob der neue Bürgertreff in einem Neubau oder einem umgebauten Gebäude eingerichtet werde, stehe noch nicht fest. Optionen gebe es in der Ortsmitte aber genug, versichert die Projektleiterin.

Begeisterte Netzwerkerin

Abdi, eine begeisterte Netzwerkerin, ist gebürtige Tübingerin, in Nürtingen aufgewachsen und lebt seit fünf Jahren in Ostelsheim. Die 38-Jährige ist verheiratet und hat drei Kinder im Alter von 15, elf und sieben Jahren. Ihr eigentliches Handwerk ist das Informationsdesign: „Ich bin Fachfrau für Grafik, Marketing und Kommunikation“. Unlängst hat sie eine Firma gegründet, die sich auf Corporate und Webdesign spezialisiert hat.

Als Projektmanagerin ist Abdi seit 1. August wöchentlich 16,5 Stunden im Ostelsheimer Rathaus tätig. In Sachen Ostelsheimer Dorfcafé sei sie die „Außenkommunikationsfrau“ – und freut sich auf einen spannenden zweijährigen Arbeitsprozess im Dialog mit den Ostelsheimern: „Hier gibt es ein überdurchschnittliches ehrenamtliches Engagement. Ich bin gespannt, wie es mit dem Projekt Dorfcafé weitergeht“.