Beim Männertanz der Egringer Landjugend ging es beim Dorfabend hoch hinaus. Foto: Herbert Frey

Die Landjugend Egringen hat bei ihrem Dorfabend gezeigt, dass junge Leute sehr wohl auch selbst kreativ werden. Der Abend war ein Erfolg.

Bambi, Nemo, Micky und viele andere Zeichentrickfiguren an den Wänden stimmten die schon weit vor Programmbeginn in den Rathaussaal strömenden Besucher auf den Dorfabend ein. Da war fast schon klar, wer das Publikum begrüßen würde: Walt Disney persönlich machte den Egringern seine Aufwartung, verkörpert von Marvin Aberer. Er holte sich mit Rapunzel (Marco Aenis) eine stattliche Co-Kommentatorin an seine Seite, die allerdings mit ihrer Rolle haderte.

 

Die in ihrem engen Turm feststeckende holde Maid mit güldenem Haar fungierte dabei als der statisch ruhende Pol im Egringer Märchenwald, in dem sich nach der Begrüßung durch die Laju-Vorsitzenden Katharina Karlin und Levin Vogt turbulente Szenen abspielten, die auch mal eindeutig zweideutig sein durften.

Gleich die erste größere Nummer, der Männertanz, löste lautstarke Rufe nach einer Zugabe aus. Denn die Jungs zeigten unter anderem zu „Der Berg ruft“ und „Reiß die Hütte ab“, dass man auch auf Techno und Disco-Beats zünftig Schuhplatteln kann – Flugeinlagen und Menschenpyramide inklusive.

Wie man bei einem Pizzaboten falsche Erwartungen wecken kann, zeigten Anna Grässlin und Benni Herr in ihrem Sketch auf, während fünf weitere Lajus in die Egringer Grundschule entführten. Beim Dreilanddoktor (Levin Vogt), schaffte es der Egringer Ehemann (Marc Aßmann) danach locker, seine Ehefrau (Paulina Nieder) aus dem Koma aufzuwecken.

Wellness-Ressort mitten in Egringen

Herz- und Prunkstück des Programms war einmal mehr ein Theaterstück, das Marvin Aberer und Simon Weiske sogar selbst verfasst hatten. Gisela (Milena Bauer) will endlich ihren Traum verwirklichen: Ein Wellness-Ressort mitten in Egringen! Am Tag, an dem ihre Oase „Markgräfler Massage und Meditation“ eröffnen soll, holt sie sich Nachbarin Erika (Katharina Karlin) hinzu, die flugs zur „Detox-Göttin“ mutiert.

Auch Influencerin Sandra (Lina Züffle) findet sich ein, um ihrer Community den Whirlpool im Weinfass, die rustikale Naturmassage, Markgräfler Gesichtsmaske, Wenk-Smoothie, Haarverjüngungs-Booster und vieles mehr hautnah näherzubringen.

Walt Disney (Marvin Aberer) und Rapunzel (Marco Aenis) kommentierten das Geschehen auf der Bühne. Foto: Herbert Frey

Dumm nur, dass Giselas Mann Frieder (Marvin Aberer) mit der handwerklichen Einrichtung des Ressorts heillos überfordert ist und versäumt hat, den angekündigten heißen spanischen Masseur zu buchen. Also muss Freund Karl-Heinz (Samuel Köster) zu Carlos mutieren und parallel auch noch als Tiefenströmungstechniker im Whirlpool hantieren. Nach teilweise aberwitzigen Volten, die vor allem für Frieder alles andere als entspannend sind, hat die Lokalreporterin (Jessica Meyer) am Ende aber doch noch die perfekte Eröffnungsreportage im Kasten.

Werbeblocks als Konstante

Eine Konstante in den Dorfabendprogrammen sind die Werbeblocks, in denen diesmal der Laju-King (Schinkeweggle) und der „Markgräfler Bausatz“ (Schorle) angepriesen werden.

Nach der Pause zeigten die Laju-Singers, dass sie auch ernste Töne anschlagen können und setzten mit „Lasse redn“ von den Ärzten ein fein austariertes Statement gegen Mobbing. Und mit umgetexteten Songs aus Filmen wie „König der Löwen“, „Dschungelbuch“ und „Frozen“ entführten sie nicht in Savanne, Regenwald oder Arktis, sondern in die Idylle am Läufelberg. Wer braucht Disneyworld, wenn er ein heimeliges Vereinsheim und einen Rebstock hat.

In der Markgräfler Wellness-Oase ist nicht nur Entspannung angesagt. Foto: Herbert Frey

Danach gings in „Kathis Suffstübli“, wo drei Stammtischbrüder unter anderem berichteten, dass der Papst nun eine Dauerkarte für Spiele des FC Huttingen besitzt, weil er „immer dahin geht, wo Not und Elend am größten sind“.

Nachdem illustre Gäste aus einem Hotel ausgecheckt, ein Egringer Kind seine Hochbegabung nachgewiesen, ein Heimwerker den Baumarkt besucht und ein Halbstarker einen Kredit bei der Sparkasse erhalten hatten, folgte mit dem „Wiibertanz“ der abschließende Höhepunkt.

Mädchen wirbeln in Polizeiuniformen über die Bühne

Die Mädchen wirbelten dabei zum Power-Song „Razzia“ von den Beatheadz in Polizeiuniformen über die Bühne und präsentierten danach zu „S & M“ von Rihanna eine perfekt choreographierte Gruppenperformance, die umgehend wiederholt werden musste. Mit diesem fulminanten Abend widerlegte die Egringer Landjugend einmal mehr auf beeindruckende Weise das Klischee, dass junge Leute kaum noch selbst kreativ werden.