Der 30. September wird ein einschneidender Tag in der Geschichte des Stadtteils Margrethausen, denn an diesem Tag werden die Bäckerei und der Lebensmittelladen von Ulrich und Markus Deufel zum letzten Mal offen sein. Das Dorf verliert einen Treffpunkt.
Mehr als einen Grund gibt es dafür, dass Bäckermeister Ulrich Deufel und sein Bruder Markus, der sich als Kaufmann um Verkauf, Laden und Büro kümmert, die Bäckerei Deufel in der Dorfstraße zum 30. September schließen.
„Wirtschaftlich ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, aufzuhören“, sagt Ulrich Deufel: „Erst haben coronabedingt die Vereinsfeste gefehlt, dann haben Gastronomen aufgehört“ – alles Kunden der Traditionsbäckerei, die Bernhard Deufel am 1. Dezember 1954 im Alter von nur 24 Jahren gegründet hatte.
Vor kurzem ist Bernhard Deufel im Alter von 93 Jahren gestorben, doch auf die Entscheidung seiner Söhne hatte das schon keinen Einfluss mehr. „Die Kundschaft kauft aufgrund der hohen Inflation viel preisbewusster ein, viele steigen auf Billig-Backwaren um, und die ältere Kundschaft“ – sie macht bei Deufels den Löwenanteil aus – „bricht weg, jüngere kommt kaum nach.“
Lebensmittel fürs Dorf – seit 1980 im ehemaligen „Konsum“
Das gelte nicht nur für die Backwaren, sondern auch für das zweite Standbein der Familie, den Lebensmittelladen. 1980 hatte Bernhard Deufel, der schon immer Lebensmittel führte, den „Konsum“-Laden – betrieben von einer Ebinger Genossenschaft mit dem Ziel, in den kleineren Stadtteilen Lebensmittel vor Ort anzubieten – gekauft und in die Dorfstraße verlegt. Dort finden die Kunden ein ebenso breites wie umfangreiches Sortiment von Lebensmitteln. Außerdem hatte die Familie vor 25 Jahren mit einem Straßenverkauf angefangen, jahrzehntelang außerdem in Schulen Pausengebäck verkauft. „Aber in den vergangenen Jahren hat sich alles sehr verändert“, sagt Ulrich Deufel.
Inflation vernichtet Gewinnmargen
Hinzu kommen die stark gestiegenen Preise für Rohstoffe und für Energie in der Backstube, die Deufel einst von der Gemeinde gekauft hatte. Wie kommt’s? „Die Gemeinde wollte, dass eine Bäckerei in den Ort kommt, und hat meinem Vater damals den Platz gegeben, an dem das Backhaus steht.“ Die Folge: Deufel muss seine Backwaren sogar in den eigenen Laden erst einmal transportieren, was ebenfalls mit Kosten und Aufwand verbunden ist.
Seit 42 Jahren ist Ulrich Deufel Bäcker, steht ab 1.30 Uhr in seiner Backstube, frühstückt um 7 Uhr, dann geht’s weiter bis Mittag – „aber um 12 Uhr Schluss war nie“, berichtet er, der nach dem Mittagessen eine halbe Stunde lang Mittagsruhe hält und abends schaut, „dass ich um 21 Uhr im Bett bin“. Vier Stunden Schlaf, immer eine Sechs-Tage-Woche – und nicht selten hat er sonntags noch für Festivitäten gebacken.
Endlich mehr Zeit für die Familie
Das hat Spuren hinterlassen, vor allem an seinem Knie, dass er nun erst einmal auskurieren will, um sich dann beruflich neu zu orientieren – nicht notwendigerweise in einer Backstube – und um endlich auch mehr Zeit für seine Frau zu haben, die, wie die Frau seines Bruders, in Teilzeit im Familienbetrieb mitarbeitet. Außerdem gibt es eine Mitarbeiterin im Laden und zwei weitere, eine davon in Teilzeit, in der Backstube.
Er selbst ist jetzt 58, sein Bruder Markus 62, und die Kinder aus dem Haus, in anderen Berufen – auch aus diesem Grund sei es der richtige Zeitpunkt zum Aufhören, stellt Deufel klar.
Bis 30. September läuft der Ofen heiß für die Kunden
Dass Margrethausen damit einen Dorfmittelpunkt verliert, ist den Brüdern bewusst: „Heutzutage haben wir nur noch Wohn- und Schlaforte, soziale Treffpunkte gehen verloren“, das tut Ulrich Deufel auch in seiner Eigenschaft als Stadtrat leid. Doch nur zum Decken der laufenden Kosten zu arbeiten, das sei auf Dauer keine Lösung. Bis 30. September gibt die Familie Deufel aber noch mal Vollgas im Ofen, der danach ausgeht: „Wir werden bis zum letzten Tag für unsere Kunden backen“, verspricht der Bäckermeister. „Schließlich gibt es so viele tolle Spezialitäten, die man im Herbst backen kann.“