In der Ostelsheimer Festhalle sprachen knapp 80 Bürger am Samstag über ein mögliches Dorf-Café. Es wurden erste Ansätze ausgelotet. Doch vieles ist weiterhin ungewiss - zum Beispiel wo so ein Café unterkommen könnte.
„Das ist eine Ostelsheimer Qualität“, sagte Bürgermeister Ryyan Alshebl am Samstagmittag mit Blick auf die gut gefüllte Festhalle. Knapp 80 Bürger standen um und saßen an den Tischen. „Der Ort hat eine engagierte Bürgerschaft“, freute sich Alshebl. Für die – und auch alle anderen – soll es künftig einen Treffpunkt in Ostelsheim geben. Genau darüber wurde in der Halle gesprochen.
Zum einen stellten sich dort ähnliche Projekte aus den Nachbarorten vor: das Repair-Café aus Gechingen, die Begegnungsstätte Rössle in Neuhengstett und der Tauschring aus Heumaden. Zum anderen beantwortete die Projektgruppe um Leiterin Lena Abdi, die frühere Gemeinderätin Christine Schweizer und Pfarrerin Heike Ehmer-Stolch Fragen zu den ersten Konzepten eines Dorf-Cafés. Und die Ostelsheimer hatten die Möglichkeit selbst weitere Ideen einzubringen.
Identifikation stärken „Ein bisschen Dorf-Café-Flair“ sah Abdi sogar schon in der Halle. Das lag nicht nur an Kaffee und Kuchen, sonder vor allem daran, dass viele um die Tische saßen und ins Gespräch kamen. Genau darum gehe es bei dem Projekt, so Abdi. Ein Dorf-Café könne künftig ein Ort sein, an dem sich die Ostelsheimer begegnen und der die Identifikation mit dem Ort stärke. Vielleicht blieben dann auch mehr junge Menschen in der Gemeinde.
Wünsche Bei der „Ideenwerkstatt“ am Samstag ging es vor allem darum, herauszufinden, was die Menschen genau wollen – und was sie beitragen möchten. An Pinnwänden konnten sie dazu Zettel anbringen. Schnell standen dort viele Ideen. Die reichten von „Bier/Theke“ über eine „Siebträgerkaffeemaschine“ zu „gemütlichen Sitzgelegenheiten“. Als mögliche Veranstaltungen wurden Sprachkurse, eine Oldie-Disco, ein Spielenachmittag, ein Generationentreff, Bingo, Kinoabende, Events zur Heimatgeschichte, ein Stammtisch oder eine Krabbelgruppe genannt.
Außenbereich angeregt
Die Menschen waren auch bereit sich einzubringen. An der entsprechenden Pinnwand boten die Bürger an, Yoga- oder Nähkurse zu geben, ein Literatur-Café, Public Viewing sowie Skat- oder Cocktailabende zu organisieren. Für das Café selbst wünschten sich die Menschen unter anderem einen Außenbereich, einen barrierefreien Zugang und dass es möglichst zentral gelegen ist.
Mögliche Standorte Doch wo könnte so ein Dorf-Café entstehen? Abdi erklärte, dass es auch hier viele Ideen gebe. Zwei Optionen seien aber schon etwas konkreter. Es gebe in der Kirchgasse ein altes Wohnhaus mit Scheune. Das habe die Kommune kürzlich erworben. „Das wäre mit einem Umbau vielleicht nutzbar“, so Abdi. Die andere Option sei ein Neubau auf der Wiese hinter dem Bolzplatz. Beide Orte seien zentral und fügten sich gut in das Dorfmitte-Konzept ein. „Hier soll mehr Leben stattfinden“, sagte Abdi. Aber man sei noch in einem sehr frühen Stadium der Überlegungen.
Finanzierung Es heißt also nicht, dass eine der beiden Optionen auf jeden Fall umgesetzt wird. Denn neben einem konkreten Ort sind auch die Finanzierung und das Betriebskonzept eines Dorf-Cafés noch nicht geklärt. Bei letzterem kann sich Abdi viele Varianten vorstellen: die Kooperation mit einem Gewerbe, eine Genossenschaft oder ein Verein. Das Geld für die Umsetzung der Baumaßnahmen soll zum Großteil aus Fördermitteln kommen. Den Rest müsste die Kommune finanzieren. Es solle aber nichts gebaut werden, „was absurde Folgekosten“ für die Gemeinde verursache, so Abdi. Der Bürgerbeteiligungsprozess wird großteils vom Land finanziert.
Auf Kritik eingehen
Externe Expertise hat sich die Projektgruppe von Alexander Hölsch geholt, der solche Vorhaben schon öfter professionell begleitet hat. Es sei wichtig, auf Kritiker zu hören, einen konkreten Businessplan zu erstellen und keine pauschalen Geldforderungen an den Gemeinderat zu stellen. Und der Bedarf müsse klar sein. Dass so viele Menschen in die Halle gekommen waren, sah er als positives Zeichen.
Helfer gesucht Unter diesen Menschen waren Ulli Mewes und Eva Hoffmann. Beide halten das Dorf-Café für eine gute Idee. Mewes kann sich vorstellen mitzumachen, wenn auch eher in der Organisation als mit einem regelmäßigen Arbeitsdienst. Denn sie arbeite schon Vollzeit. Hoffmann möchte sich auch engagieren. Aber es brauche viele Menschen für so ein Projekt, findet sie. Denn jeder könne etwas anderes einbringen.
Anliegen Alshebl und Abdi machten klar, was ihre Kernidee hinter dem ganzen Projekt ist. In polarisierten Zeiten sei es wichtig, die Menschen zusammenzubringen, so Alshebl. Auch Abdi sah diese Notwendigkeit.
Weiterer Zeitplan Christine Schweizer freute sich über die vielen Ideen der Menschen. Die sollen in Workshops am 17. und 18. Januar nun vertieft werden. Das Projektteam um Abdi besteht mittlerweile aus rund 30 Freiwilligen. Über noch mehr Unterstützung beschweren sie sich bestimmt nicht.