Eine Schlange mit zwei Köpfen ist selten, eine doppelköpfige Boa Constrictor laut Züchter Stefan Broghammer einzigartig. Der Weigheimer freut sich derzeit über das besondere Jungtier, das in Villingen-Schwenningen das Licht der Welt erblickte.
Villingen-Schwenningen - Gefühlt sind sämtliche Scheinwerfer und Kameras derzeit auf den VS-Stadtteil Weigheim gerichtet, denn Stefan Broghammer präsentierte auf seinem Youtube-Kanal Reptil.TV jüngst eine Boa Constrictor mit zwei Köpfen. Um die Seltenheit dieser "Laune der Natur" wissend, war sich der Reptilienzüchter des öffentlichen Interessen bewusst. Kein Wunder also, dass die Schlange schon drei Monate alt ist.
"Wir haben bewusst abgewartet, wie sich die Tiere entwickelt, wie sie fressen und ob sie gesund sind, bevor wir das öffentlich machten", erklärt Broghammer. Er spricht ganz bewusst von "Tieren", was allerdings gar nicht biologisch, sondern ethisch begründet sei: "Es sind zwei Köpfe und zwei Gehirne – für mich also auch zwei Seelen." Tatsächlich weiß Broghammer aufgrund von Röntgenaufnahmen bislang nur, dass aus zwei Köpfen und zwei Speiseröhren irgendwann eine wird. "Ob in dem Körper zwei Herzen schlagen, möchte ich irgendwann mal noch untersuchen lassen", sagt er.
Gefüttert wird zweimal
Erkenntnisse über die Eigenschaften oder gar die Lebensdauer der sogenannten Hydra werde diese Untersuchung allerdings kaum bringen. "Es gibt ja keine Vergleiche." Laut dem Weigheimer Züchter, der sein Geschäft nun schon seit 30 Jahren betreibt, hat es nach seinem Kenntnisstand vor mehr als zehn Jahren mal eine doppelköpfige Boa Constrictor mit zwei Herzen in den USA gegeben. "Normalerweise kann eine Boa über 30 Jahre alt werden, die besagte in den USA wurde jedoch nur ein paar Jahre alt."
Rückschlüsse auf die körperliche Verfassung aufgrund der zusammengewachsenen Körper will Stefan Broghammer allerdings gar nicht ziehen. Denn bei diesen Tieren ist klar, dass die meist einem großen Stress ausgesetzt sind. "Denn, das erleben wir ja jetzt auch, jeder will es sehen, fotografieren, und das ist Stress für das Tier." Und Stress sei bei Reptilien grundsätzlich der Hauptfaktor für Krankheiten.
Stress kann es aber auch im anderen Sinn geben – nämlich untereinander. Insbesondere beim Füttern achtet Stefan Broghammer darauf, dass erst der eine Kopf und dann der andere etwas bekommt – und zwar jeder nur halb so viel wie eine normale Boa in dem Alter. "Wenn die gleichzeitig an einer Beute fressen würden, würde es ja zwangsläufig zu einer Beißerei kommen", sagt der Experte. Und auch im Verhalten sieht man, dass dieses Tier im wahrsten Sinne des Worte zwei Köpfe hat, die nämlich durchaus auch immer wieder unterschiedliche Bewegungsrichtungen im Sinn haben. Das sei vor allem zu beobachten, wenn es außerhalb des Terrariums ist und eben nicht seine Ruhe habe, erklärt der Züchter.
Wert von 30.000 Euro
Bei der Weigheimer Boa handelt es sich um ein Männchen. Broghammer geht davon aus, dass die Schlange bis in zwei oder drei Jahren, wenn sie geschlechtsreif wird, sich auch fortpflanzen könnte. "Vielleicht ist sie bis dahin noch bei uns. Dann würde ich es möglicherweise sogar probieren." Da es sich nach Aussagen des Züchters nicht um einen genetischen Grund handelt, würden bei einer Paarung "ganz normale" Boas herauskommen. "Vererben wird sich das garantiert nicht."
Ob es aber tatsächlich soweit kommt, ist nicht klar. Denn Stefan Broghammer macht deutlich, dass er Reptilienzüchter und Händler ist und der Verkauf der Tiere sein Geschäft bei M&S Reptilien ist. "Eigentlich will ich das Tier gar nicht verkaufen, aber ich denke, früher oder später werden wir es doch machen." Dass sich dafür ein Käufer findet, ist sich Stefan Broghammer sicher. Und das, obwohl die doppelköpfige Boa Constrictor ein Preisschild von 30 000 Euro hat. Zum Vergleich: Mit einem Kopf, so Broghammer, würde das Tier unter 100 Euro kosten.