Ein Straßenabschnitt, zwei Blitzer. Foto: Lück

Wer vor dem mobilen Blitzer brav bremst und dahinter gleich wieder Gas gibt, muss sich auf eine Überraschung gefasst machen.

Wer vor dem mobilen Blitzer brav bremst und dahinter gleich wieder Gas gibt, muss sich auf eine Überraschung gefasst machen: Eine zweite, mobile Anlage lässt es blitzen. Warum die Stadt das macht, erfahren Sie in unserem (SB+)Beitrag.

 

Horb - Mit meinem 75-PS-Diesel bin ich froh, wenn ich bergab mal kräftig beschleunigen kann. Sitz ich vor dem geschlossenen Tafelladen während des Lockdowns in der Sonne am Zebrastreifen, rege ich mich über die Bergauf-Raser auf, die mit röhrendem Motor Vollgas geben.

Zwei Autofahrerherzen schlagen also in meiner Brust. Am Mittwoch schlug es ganz hoch: Direkt hinter dem stationären Blitzer in der Bildechinger Steige ist zu beobachten, wie der Ordnungshüter mit dem silbernen Blitzer-Bus sein Gerät installiert. Kurz darauf der Anruf eines Informanten: "Unglaublich. Doppel-Abzocke. Hat die Stadt das jetzt nötig?"

73 statt 30 km/h

Mal sehen. Rein in die Recherche. Umso krasser dann, was Rathaussprecherin Inge Weber berichtet: "Wie in anderen Fällen auch, haben wir zunächst eine verdeckte Geschwindigkeitsmessung durchgeführt. Mit einer Beanstandungsquote von 62 Prozent hat sich dabei herausgestellt, dass an dieser Stelle viele Autofahrende viel zu schnell fahren – und das, obwohl einige Meter davor ein stationärer Blitzer steht." Das heißt: Wer vom Hohenberg bergab fährt, bremst brav vor dem Blitzer und gibt danach Gas. Und auch bergauf wird vor dem Blitzer schneller gefahren.

So schildert Weber: "Und beim Einsatz am Mittwoch haben wir festgestellt, dass der gemessene Höchstwert der Geschwindigkeitsüberschreitung bergauf 73 km/h war. Statt erlaubter 30 km/h!"

Ein Wahnsinn. Bergauf 73 km/h. Der silberne Doppel-Blitzer hatte seine Premiere an der Bildechinger Steige am Haus Nummer 40. Genau dort, wo du weder von oben noch von unten beide Bürgersteige an der Seite komplett einsehen kannst! Fußgänger auf dem rechten Gehweg weiter vorne werden komplett durch die Kurve an dieser Stelle verdeckt!

Raser geben vor dem Zebrastreifen Gas

Auch bemerkenswert: Der Doppel-Blitzer war noch nicht mal an der größten Ärger-Stelle installiert! Denn: Wie ich bemerkt habe, geben vor dem Tafelladen jede Menge Raser direkt vor dem Zebrastreifen schon Gas!

Rathaussprecherin Weber erklärt, warum man den Doppel-Blitzer hier nicht aufgebaut hat: "Aus technischen Gründen kann der mobile Blitzer nicht immer punktgenau dort aufgebaut werden, wo vermeintlich zu schnell gefahren wird. Ausschlaggebende Faktoren sind beispielsweise der Grad der Neigung, den Einfallswinkel, die Sichtverhältnisse oder schlichtweg der zur Verfügung stehenden Platz für das Blitzerfahrzeug."

Trotzdem hofft – nicht nur das Rathaus –, dass diese Doppel-Blitz-Aktion Wirkung zeigt. Die Rathaussprecherin: "Diejenigen, die an dieser Stelle geblitzt wurden, achten zukünftig hoffentlich eher auf ihre Geschwindigkeit. Und genau das wollen wir erreichen. An diesem einem vorab ausgewerteten Messergebnis kann man auch sehen: Die Stadt hat das nicht gemacht, um Autofahrende zu ärgern oder um die städtische Kasse zu füllen. Es geht um Verkehrssicherheit für andere Autofahrende und für Fußgänger, die den Fußgängerüberweg queren oder auf dem Gehweg unterwegs sind."

Und wie wäre es, am Zebrastreifen einen Schweller zu installieren, um die tiefergelegten Raser gleich am Unterboden zu packen und auszubremsen?

Die Rathaussprecherin: "Diese Überlegung gibt es an dieser Stelle nicht, da solche Verkehrshindernisse auch andere Gefahren mit sich bringen, die in die Abwägung einbezogen werden müssen: Gefahrenstelle für Zweiradfahrer. Die Entwässerung der Straße wird unterbrochen. Erschwerter Winterdienst. Lärm vor allem nachts beim Überfahren."

Überhaupt: Raser sollten weiterhin lieber den Fuß vom Gas nehmen. Rathaussprecherin Weber: "Der städtische Blitzeranhänger ›Marvin‹ befindet sich noch in der Instandsetzung. Aufgrund des hohen Bedarfs im gesamten Gemeindegebiet und um den zahlreichen Anfragen von Bürgerinnen und Bürgern nach einer Geschwindigkeitskontrolle an bestimmten Stellen nachkommen zu können, ist derzeit der gemietete Anhänger ›Heinz‹ im Einsatz."