Es war ein Versuch. Zwei Monate danach wird die Sommeraktion in der Donaueschinger Innenstadt nun aufgearbeitet. Wie stehen die Fraktionen zu einer Wiederholung?
Ein aufregender Sommer liegt hinter den Donaueschingern: Nachdem die Veranstaltungsreihe Donauquellsommer, welche eine Sperrung von drei Plätzen in der Innenstadt zur Folge hatte, am 31. August zu Ende ging, wird in der Gemeinderatssitzung vom 11. November eine Auswertung und Evaluierung des Verkehrsprojektes vorgestellt.
Das Thema bewegt noch immer die Gemüter, das ist auch an den Besucherzahlen zu erkennen: Etwa 40 Bürger haben auf der Zuschauertribüne Platz genommen.
Dass der Verkehr in den Nebenstraßen zunahm, ist nun auch mit Zahlen belegt: Der Verkehr wurde durch das Ingenieurbüro Karajan jeweils an drei Tagen über 24 Stunden zeitgleich an acht Punkten erfasst und ausgewertet.
So nahm der Verkehr zu
Demnach hat der Verkehr auf der Hindenburgstraße um 30 Prozent zugenommen, in der Linsenösch- und Spitalstraße um 55 Prozent und in der Zeppelinstraße gar um 120 Prozent. Hingegen hat der Verkehr in der Karlstraße um fast zehn Prozent abgenommen, auch der Durchgangsverkehr auf der Nord-Süd-Achse ging in dieser Zeit zurück.
Michael Blaurock, Fraktionssprecher der Grünen, stellt nach den Ausführungen von Verkehrsplaner Jürgen Karajan klar: „Eine Reduzierung des Verkehrs in der Karlstraße um knapp zehn Prozent halte ich für ernüchternd und nicht den Erwartungen entsprechend. Aus unserer Sicht darf es keine Wiederholung eines Donauquellsommers in diesem Umfang mehr geben.“ Stattdessen spricht er sich dafür aus, dass zeitnah ein elektronisches Parkleitsystem in der Innenstadt implementiert werden solle. Zudem solle der Busverkehr in der Innenstadt reduziert werden.
Niko Reith, FDP-Fraktionssprecher, ist gleicher Meinung wie Blaurock. „Auch für uns ist es klar, dass das ein einmaliger Versuch war.“ Alexandra Riedmaier von der GUB und SPD-Fraktionssprecher Jens Reinbolz schließen sich den Vorrednern an. „In diesem Umfang darf es keinen Donauquellsommer mehr geben. Das war ein einmaliger Versuch – das haben wir den Bürgern so versprochen“, so Reinbolz. Jedoch sei die SPD der Meinung, dass der ÖPNV auch künftig die Innenstadt anfahren müsse.
Votum für den ÖPNV
Martin Lienhard von der CDU sagt ebenso, dass eine Wiederholung des Donauquellsommers nicht infrage komme und ist sich mit der SPD einig: „Der ÖPNV und Überlandbusse müssen die Innenstadt weiterhin anfahren können.“ Seine Anregung: Die Überlandbusse vom Bahnhof in die Käferstraße und über den Rathausplatz in die Lehenstraße zu führen. Das hätte zur Folge, dass der Pkw-Individualverkehr nicht mehr über den Rathausplatz fahren könne.
Manuel Kienzler, Wirtschaftsförderer, und Jochen Amma, Bauamtsleiter und Organisator des Donauquellsommers, bezifferten die Gesamtkosten der Veranstaltung. Sie belaufen sich auf 66 000 Euro, die Fördermittel betragen 29 000 Euro. Die Kosten für den Verkehrsversuch, einschließlich Beschilderung, der Evaluierungskosten durch externe Dienstleister und dem Einsatz der technischen Dienste, belaufen sich auf 46 000 Euro.
Sehr hohe Transportkosten
Was bei der Kalkulation aber ins Auge springt: Die Transportkosten der Stadtmöblierung, welche das Verkehrsministerium als unentgeltliche Leihgabe zur Verfügung gestellt hat, fallen mit rund 12 000 Euro zu Buche, sind nicht förderfähig und werden aus dem Budget des Tiefbauamtes bezahlt. Jürgen Erndle (FDP) will wissen: „Wie kommen diese vergleichsweise hohen Kosten zustande?“ Wirtschaftsförderer Kienzler erklärt die Zahl und sagte, dass die Möbel in Mannheim abgeholt werden mussten, da diese dort gelagert wurden.
Anschließend stellt Christian Hörmann von der Beratungsagentur CIMA die Ergebnisse einer Bürgerbefragung vor, die vom 10. bis 27. Oktober durchgeführt wurde. Die Befragungen haben telefonisch und per Fragebogen stattgefunden; in Summe wurden 2100 Bürger befragt.
Jedoch wurden je nach Erhebungsmethode sehr unterschiedliche Ergebnisse zu Tage gefördert: Während bei den Telefonbefragten rund 24 Prozent angaben, unzufrieden mit der Aktion im Allgemeinen zu sein, zeigten sich von denjenigen, die den Fragebogen ausfüllten, 72 Prozent unzufrieden.
Eine weitere wichtige Erkenntnis: „Die jungen Bevölkerungsgruppen zeigen die mit Abstand höchste Zufriedenheit. Mit steigendem Alter nimmt die Zustimmung zu der Aktion ab“, so Hörmann.
Turbulenter Sommer
Unterschriftenaktion Innenstadt
Anwohner und Händler haben bereits im Juli eine Unterschriftenaktion gegen den Verkehrsversuch gestartet. 4100 Bürger haben sich mit einer Unterschrift für eine sofortige Beendigung des Donauquellsommers ausgesprochen. Händler klagten über Umsatzeinbußen, Ärzte über eine schlechte Erreichbarkeit, Lieferanten über eine komplizierte Verkehrsführung, während Anwohner den zunehmenden Verkehr in den Nebenstraßen kritisieren. In der Gemeinderatssitzung am 8. Juli wurde dann auf Vorschlag der GUB und FDP entschieden, die Einbahnstraßenregelung in der Karlstraße teilweise aufzuheben.