Viele Schulen, auch in Donaueschingen, diskutieren die Handhabung von Smartphones während des Schulbetriebs. Foto: Nadja Varsani

Smartphones an Schulen, da sind Ärger und Missbrauch vorprogrammiert. So wollen die Donaueschinger Schulen gegensteuern. Aber auch Eltern sind in der Pflicht.

Suchtverhalten, Ablenkung, Mobbingvorfälle: Digitale Medien haben einen großen Einfluss auf das Aufwachsen der jungen Generation. Bundesweit wird daher über den Umgang von Bildungseinrichtungen mit digitalen Endgeräten, vor allem privaten Smartphones, diskutiert. Wie reagieren die Schulen im Kreis auf die Debatte?

 

Das Schulgesetz sieht seit dem 3. Juni 2025 vor, dass jede Schule in ihrer Schulordnung verbindlich regeln soll, in welcher Form mobile Endgeräte auf dem Schulgelände genutzt werden dürfen. Bereits vor der Änderung des Schulgesetzes haben die Schulen in Donaueschingen klare Regelungen im Umgang mit Smartphones umgesetzt.

„Schon vor rund drei Jahren haben wir so genannte Handygaragen eingeführt, zunächst in einzelnen Schularten und Klassen“, erklärt Martin Zwosta, Schulleiter der Kaufmännischen und Hauswirtschaftlichen Schulen (KHS) in Donaueschingen. Zuvor habe es in der Schulordnung eine Regelung gegeben, nach der Handys den Unterricht nicht stören dürfen und ausgeschaltet bleiben müssen.

„Handygaragen sind wie eine Art Steckfach, in denen die Handys geparkt und damit außer Reichweite von Schülern sind“, erklärt der Donaueschinger Schulleiter Martin Zwosta. Foto: Nadja Varsani

Zwosta betont, dass die Aufmerksamkeit der Heranwachsenden merklich höher sei, wenn sie das Handy nicht in der Nähe wissen. „Wir haben die Herausforderung, dass mittlerweile Kinder zu uns kommen, die seit der Grundschule eine symbiotische Beziehung zu ihrem Handy haben“, erklärt der Schulleiter. Mit der Handygarage werden alle Smartphones der Klasse an einem Ort bei der Lehrkraft verwahrt und erst nach dem Unterricht wieder herausgegeben.

Eichendorffschule

Eine Methode, die auch an der Eichendorffschule, einer Grund- und Werkrealschule in Donaueschingen umgesetzt wird. „Hier wurden schon vor der Schulgesetzänderung Lock&Safe Aufbewahrungsboxen für die Klassenzimmer bestellt“, so Schulleiter Robert Poljak.

Kinderhände halten ein Smartphone, im Hintergrund erkennt man unscharf den Schulranzen und das Gesicht. Foto: Nadja Varsani

Der Umgang mit privaten Smartphones fördere nicht die Medienkompetenz der Kinder, da sei sich das Kollegium einig. Stattdessen setze man in den Schulen auf Schulangebote wie das Fach „Informatik und Medienbildung“ seiner Schule. Dieses Fach zielt darauf ab, Jugendliche dabei zu unterstützen, sich verantwortungsvoll und selbstbestimmt in der digitalen Welt zu bewegen, so Poljak.

Lucian-Reich-Schule

Dass die Greifbarkeit der Smartphones zu Problemen führen kann, weiß auch Julia Röder, Konrektorin der Lucian-Reich-Gemeinschaftsschule in Hüfingen. „Bei uns sollten die Handys mit Betreten des Schulgeländes ausgeschaltet sein. Wir weisen darauf an den Eingängen des Schulgeländes hin“, so Röder.

Dies werde jedoch nicht immer berücksichtigt und führe auch dazu, dass unerlaubt Fotos oder Videos vom Unterrichtsgeschehen gemacht werden. „Wir bekommen nicht immer alle Schülerinnen und Schüler im Umgang mit dem Handy kontrolliert“, fügt sie hinzu.

Realschule

Ein Problem, das auch Katja Fox, Schulleiterin der Realschule in Donaueschingen, kennt. „Es werden immer wieder Sticker erstellt oder Fotos von Schülern und Lehrkräften gemacht“, berichtet sie. Da der Ablenkungsfaktor trotz eines Nutzungsverbots hoch sei, wolle man auch hier zukünftig die Handys wegschließen.

Zur Prävention und zum Schutz der Kinder und Jugendlichen setzt die KHS mit Schulleiter Martin Zwosta zukünftig auf sogenannte Media Peers. Der Gedanke ist, dass die Jugendlichen sich gegenseitig im Umgang mit digitalen Medien schulen. Dafür werden sie ab der siebten Klassenstufe in Kursen des Landesmedienzentrums ausgebildet, an der KHS entsprechend ab der zehnten Klasse.

„Wenn wir Erwachsene über Handys sprechen, sind wir schnell die Spaßbremsen. Mit dem Media-Peer-Ansatz wollen wir erreichen, dass Jugendliche sich gegenseitig im verantwortungsvollen Umgang mit Smartphones unterstützen“, so Martin Zwosta.

Karl-Wacker-Schule

Claudia Knab, Rektorin der Karl-Wacker-Sonderschule in Donaueschingen sieht den Handlungsbedarf der Schulen vor allem im Lehren einer richtigen Kommunikation mit digitalen Endgeräten. Die Gefahr, dass über Netzwerke wie Whatsapp Missverständnisse entstehen, sei sehr hoch. „Diese Whats-App-Schreiberei findet nach der Schule statt, aber sie trägt sich natürlich von der Thematik her in den Schulalltag“, so Claudia Knab.

Um den Jugendlichen eine bessere Umgangsform zu zeigen und die Kommunikation moderieren zu können, setze ihre Schule auf Programme wie Sdui. „Das ist eine Schul-App, über die Lehrer, Schüler und Eltern Nachrichten austauschen, Termine organisieren und Informationen verschicken können, ähnlich einem datenschutzkonformen Messenger für den Schulalltag“, erläutert Claudia Knab. Die Heranwachsenden können hier in einem geschützten Rahmen die Kommunikation üben und werden so auf den Umgang mit Smartphones vorbereitet, ist sich die Rektorin sicher.

Auch an der KHS sucht man nach Lösungen, um Smartphones weniger attraktiv zu machen. „Wir richten hier verschiedene Sportmöglichkeiten ein, eine Tischtennisplatte gibt es schon und ein Basketballkorb ist in Planung, und versuchen damit, die jungen Menschen in Kontakt zu bringen. Bei uns gilt, Anreize schaffen statt Verbote“, betont Schulleiter Martin Zwosta.

Alle Erwachsenen sind Vorbild

Für ihn ist es wichtig, dass die Erziehungsmaßnahmen nicht nur in der Schule stattfinden. Dafür brauche es einen gesellschaftlichen Konsens. „Alle Erwachsenen sind Vorbild. Es ist die Aufgabe der Gesellschaft, Kinder vor zu großen Verlockungen zu schützen. Doch die technologische Entwicklung überrollt uns alle. Daher bin ich heilfroh über die Debatte“, sagt der Schulleiter.

Vortrag im Jugendhaus

Cybermobbing
Seit 2017 erfasst das Bündnis gegen Cybermobbing in Studien den Umfang von Smartphone-Missbrauch und dessen Folgen an Schulen. Das Jugendhaus „Stadtmühle“ Donaueschingen bietet hierzu Präventionsveranstaltungen an: Ein Vortrag für Jugendliche ab der fünften Klasse fand bereits statt. Am Donnerstag, 26. März, 17.30 Uhr,  gibt es ihn für Eltern unter der Leitung von Jessica Hakenjos, Präventionsfachkraft der Polizei in Villingen-Schwenningen. Die Teilnahme an den Veranstaltungen ist kostenlos.