Die Pausenshow der Donaueschinger Parkourgruppe zeigt eindrücklich die Vielfalt dieses akrobatischen Sports. Foto: Nadja Varsani

Mit Rädern und Saltos stehlen sie den Basketballern beinah ihre Show. Die Donaueschinger Parkour-Athleten zeigen was es mit dem Sport auf sich hat.

Eigentlich kommen die Fans der Black Forest Panthers wegen harter Defense, schneller Fastbreaks und packender Dreier in die Halle. Doch während dieses Spiels am Abend des 11. Januars in der Deutenberghalle in Villingen gibt es nicht nur tosenden Applaus für die Basketballer. In der Pause verwandeln die Parkour-Athleten aus Donaueschingen die Basketballhalle in eine urbane Bewegungslandschaft.

 

Die Aufregung ist der Gruppe spürbar anzumerken. Vor allem bei den Kleinsten, die Jüngste ist gerade mal sechs Jahre alt. Doch sie sind gut vorbereitet. Kraftvolle Sprünge, präzise Landungen und fließende Bewegungen werden in der Generalprobe vor dem Spiel noch einmal durchgegangen.

Parkour ist mehr als spektakuläre Akrobatik. „Es geht um Körperkontrolle, Kreativität, Vertrauen ins eigene Können und gegenseitige Unterstützung“, erklärt Trainer Lukas Schröder, der die Gruppe mitinitiiert hat.

Inspiriert von Internet-Videos und Tutorials habe er sich mit Freunden an den Trendsport herangewagt und beim Turnverein Donaueschingen Partner gefunden.

Lukas Schröder in der Luft: Bei der Sportart Parkour überwindet man Hindernisse mit kreativer Akrobatik und bewegt sich auf ungewöhnliche Weise von A nach B. Foto: Lukas Schröder

Seit 2022 trainieren sie immer am Freitagabend in der Halle der Eichendorffschule. Los geht es dabei mit den Anfängern zwischen acht und zwölf Jahren. Nach Aufwärmen und Dehnen nehmen die Kinder Kurs auf den aufgebauten Parkour. Dort lernen sie, Hindernisse aller Art wie Kästen oder Bänke möglichst effizient und mit Mitteln des eigenen Körpers zu überwinden.

Junge Parkourstars posieren in der Deutenberghalle mit Basketballer Keev Etienne: Greta Fischer, Frieda Keller und Emilia Hauger (von links). Foto: Kim-Laura Lach-Schröder

„Parkour ist eng mit Turnen verwandt“, so Abteilungsleiter Harald Haberer. „Es ist eine Ausprägung des Sports und enthält viele Elemente des Turnens. Im Gegensatz zum Turnen ist Parkour nicht leistungsorientiert. Es gibt keinen Wettkampf.“ Das bestätigt Trainer Lukas Schröder: „Auch wenn viele vom Turnen kommen und Disziplin gewohnt sind, legen wir bei Parkour großen Wert auf das Miteinander. Wir vermeiden jeden Leistungsvergleich. Jeder ist gleichzeitig Schüler und auch Lehrender.“

Keine Hierarchien in der Gruppe

Bewusst gebe es keine Hierarchie in der Gruppe. „Darüber erhalten wir sehr viel Unterstützung von den Eltern und den ganzen Mitgliedern im Verein“, betont Lukas Schröder. Die besondere Dynamik in der Gruppe bemerkt man sofort. Mittlerweile trainieren mehr als 70 aktive Mitglieder in drei Gruppen diesen Sport. Noch einmal etwa gleich viele Interessierte stehen auf der Warteliste, sagt der 22-Jährige.

Darius Hauger trainiert Kinder, Jugendliche und Erwachsene im Parkour in Donaueschingen. Foto: Nadja Varsani

Gemeinsam mit Darius Hauger trainiert er Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Dafür hat er einen eigenen Trainingslehrgang absolviert und darf sich nun C-Trainer Parkour nennen.

Kontrolle über den eigenen Körper

Der Sport sieht gewagt aus. Tatsächlich sei die Sicherheit der Traceure, neben dem Spaß, das Wichtigste beim Trainieren. „Wir vermitteln, wie wichtig die Kontrolle über den eigenen Körper ist. Dazu gehört auch, Risiken realistisch einzuschätzen und die eigenen Grenzen zu kennen. Grundtechniken wie das richtige Abrollen trainieren wir immer wieder“, erklärt Lukas Schröder.

Auch Laura Schröder ist im Verein und der Sportart Parkour aktiv. Foto: Nadja Varsani

Auch Lukas Schröders Mutter und Schwester sind im Verein aktiv. „Die Begeisterung kam durch meinen Bruder“, so Laura Schröder. Ihr gefalle vor allem das Freiheitsgefühl des Sports. „Ich mag den Style von Parkour“, berichtet die 16-Jährige, die seit ihrem fünften Lebensjahr turnt. „Es gibt viele Einflüsse von anderen Sportarten wie Capoeira oder Breakdance und keine Regeln“, sagt Laura Schröder.

„Vor allem die Corona-Zeit hat den Sport befeuert. Danach haben sich viele nach einem freieren Training gesehnt. Einfach auszuprobieren und kreativ in der Bewegung zu sein, spricht viele an“, ergänzt Darius Hauger.

Der Hype um Parkour wächst stetig

Die Sirene ertönt zur Halbzeit. Koordiniert werden Matten auf das Spielfeld geschoben und Kästen zu einem Hindernislauf aufgebaut. Von zwei Seiten und Ebenen erscheinen die Athleten. Sie schlagen Räder und fliegen mit Saltos über Bänke. Die Sprünge sitzen, die Bewegungen wirken durchdacht. Der Auftritt ist kurz, der Applaus dafür umso lauter.

Dass die Gruppe ausgerechnet bei einem Heimspiel der Black Forest Panthers auftreten durfte, ist kein Zufall. Denn der Hype um Parkour wächst stetig. Der Auftritt vor mehreren hundert Zuschauern markiert einen Höhepunkt für die Athletengruppe. Und er zeigt, dass der Sport längst in der Mitte der Region angekommen ist.

Internethype Parkour

Parkour
ist wie gemacht für Social Media. Die Sportart ist visuell, dynamisch und lässt sich in kurzen Clips auf TikTok, YouTube oder Instagram eindrucksvoll erzählen. Präzise Sprünge, fließende Bewegungen und urbane Kulissen erzeugen sofort Spannung. Gleichzeitig wirkt Parkour authentisch, denn es braucht keine großen Arenen oder teure Ausrüstung. Viele Videos zeigen einfache Trainingsmomente. Das schafft Nähe und Identifikation. Dazu kommen Werte wie Freiheit, Kreativität und mentale Stärke, die den Sport begleiten. Besonders bei jungen Menschen verstärkt das die Resonanz und erzeugt einen Hype.