In Donaueschingen fürchten viele Einzelhändler Nachteile, sollte der Verkehr im Sommer aus der Karlstraße verbannt und umgeleitet werden. Foto: Mario Hoesel - stock.adobe.com

Die Karlstraße drei Monate ohne Verkehr und Stau: Das sagen die Einzelhändler und Gastronomen zu den Plänen für die Innenstadt.

Weniger Autoverkehr und die Innenstadt mit Fußgängern beleben: Das klingt nach einem guten Konzept, führte jedoch im Gemeinderat zu heftigen Kontroversen. Das Vorhaben, die Karlstraße im Sommer drei Monate lang für den motorisierten Verkehr zu sperren, wurde zwar dennoch beschlossen, aber es löst weiterhin Unmut aus. Einzelhändler und Gastronomen betrifft das Konzept stark, mitunter sogar existenziell. Was wird an dem erhofften Kultursommermärchen kritisiert?

 

Petra Knöpfle ist vehement gegen das Konzept. Die Inhaberin eines Fotoateliers an der Karlstraße befürchtet einen großen Umsatzrückgang. Ihrer Meinung nach würden die Menschen nicht mehr in der Innenstadt flanieren. Schon gar nicht unter der Woche. „Die Kunden kommen gezielt einkaufen“, so Knöpfle. „Reine Fußgängerzonen sind der Tod für den Einzelhandel“, findet die Fotografin. Sie sagt, auch der Einzelhandel in der Villinger Innenstadt habe Probleme mit der reinen Fußgängerzone.

Jennifer Hotz, Chefin des Modegeschäfts Hunkemöller, fühlt sich von der Stadt übergangen. „Kommunikation gab es keine“, erklärt Hotz. Sie habe von dem Konzept durch eine Kundin erfahren, und nicht von der Stadt, empört sie sich. Hotz blickt überaus kritisch auf die nächsten Monate: „Wir haben es so schon schwer genug.“ Die Geschäftsfrau ist eher pessimistisch eingestellt und sagt, sie sehe in den drei Monaten kaum Chancen. Von den Argumenten der Befürworter sei sie nicht überzeugt.

Axel Beurer sieht die Sperrung kritisch, bleibt aber gespannt, ob sich das neue Konzept vielleicht doch bewährt. Foto: Niklas-Marco Dinauer

Der Betreiber von Morys Hofbuchhandlung, Axel Beurer, hofft, dass es bei einer dreimonatigen Phase bleibt und nicht zu einem dauerhaften Konzept wird. Er wisse zwar nicht, wie sich die Sperrung der Karlstraße auswirken werde, doch er schätze es für den Einzelhandel eher negativ ein. „Immer mehr Hürden, in die Innenstadt zu kommen, sind nicht gerade von Vorteil“, sagt er. Auch er findet, dass Kundschaft nur noch gezielt einkaufen gehe. Zu groß sei die Konkurrenz durch den Online-Markt. „Wenn man den Zugang zur Stadt mit dem Auto erschwert, warum sollte man den Aufwand in Kauf nehmen, wenn man online komfortabler und schneller einkaufen kann?“, fragt sich Beurer.

Der Gastronom Thomas Rahde vom Al Dente dagegen ist begeistert von dem Konzept. Für ihn sei eine ruhigere Innenstadt wunderbar: „Ohne Autos und schwere Laster ist das hier eine viel schönere Atmosphäre.“ Der Gastronom sieht keinen Kritikpunkt, vielmehr ist er von der Idee überzeugt. Seiner Meinung nach müsse man sich fragen, ob man eine ruhige Stadt mit Passanten möchte oder eine Stadt voller Autos. „Wenn alle an einem Strang ziehen und zusammenhalten würden, könnten wir auch etwas erreichen. Gemeinsam ist das machbar“, erklärt Rhade.

Antonio Laudani vom Eiscafé Vivaldi kritisiert den Vorstoß des Oberbürgermeisters. Foto: Niklas-Marco Dinauer

Für Antonio Laudani vom Eiscafé Vivaldi ist klar: „Allein der Versuch, so etwas durchzudrücken, ist am schlimmsten.“ Für ihn ist der Vorstoß von Oberbürgermeister Erik Pauly ein Affront. Vor allem, da dieser bereits im vergangenen Jahr versucht hatte, die Stadt teilweise für den Autoverkehr zu sperren. „Wenn wir das machen, ist die Stadt wie tot“, beklagt Laudani.

Die Bestätigung kommt für ihn aus Schwenningen: „Da habe ich viele Kollegen, die ebenfalls ein Eiscafé betreiben.“ Auch dort habe ein ähnliches Projekt nicht den gewünschten Effekt gehabt – im Gegenteil. In Villingen sei dies anders, „aber dort gibt es einen City-Ring mit ausreichend Parkplätzen“, sagt der Vivaldi-Chef. Als Mitglied des Gewerbevereins ist für ihn jegliche Sperrung negativ: „Der Umsatz ist für alle da. Auch meine Gäste fragen mich, was das eigentlich alles soll.“

Laudani kritisiert den Umgang der Politik mit den Gewerbetreibenden: „Früher hat man uns gefragt, was wir brauchen. Da war man auf Augenhöhe. Jetzt kommt alles von oben herab und ohne Absprache.“

Vanessa Lehmann vom Café Vanilli's ist offen für neue Konzepte. Foto: Tobias Weißert

Ganz anders sieht es Vanessa Lehmann, die das Café Vanilli's am Rathausplatz betreibt: „Wenn wir etwas nicht ausprobieren, können wir gar nicht wissen, ob es nicht vielleicht doch gut wird.“ Sie sei offen für neue Konzepte wie dieses und könne sich gut vorstellen, dass sich gerade die Veranstaltungen, die auf dem Platz stattfinden sollen, positiv auf das Geschäft auswirken. „Ich erhoffe mir davon mehr Kundschaft. Vor allem bei den Getränken“, sagt Lehmann. Schließlich könnten die Sperrung des Platzes für den Individualverkehr und die Ausstattung mit Mobiliar auch dazu führen, dass mehr Menschen dort verweilen. „Wir müssen es einfach versuchen und nach drei Monaten haben wir eine Erkenntnis“, zeigt sich die Cafébesitzerin aufgeschlossen.

Dass sich viele Gastronomen von der Stadt nicht gehört oder informiert fühlten, ist für Lehmann schwer nachvollziehbar: „Die Stadt muss mich nicht nach meiner Meinung oder Erlaubnis fragen. Ich warte, bis es offiziell ist, und weiß dann Bescheid.“ Zumal es für sie kein neues Thema gewesen sei. Lehmann: „Wenn sich in Donaueschingen nichts tut und wir so weitermachen, werden wir auch nichts bewirken.“

Das Innenstadtkonzept

„Kultursommer“
In den Monaten Juni bis August sollen am Hanselbrunnenplatz, am Rathausplatz und an der Stadtkirche in der Donaueschinger Innenstadt Möbel aufgebaut werden. An den Plätzen soll ein unterschiedliches Unterhaltungsprogramm von örtlichen Vereinen, Tanzschulen und Musikschulen laufen. Das Ganze läuft unter dem Arbeitstitel „Kultursommer – drei Monate, drei Plätze“. Dafür werden die Plätze für den Verkehr gesperrt und dieser umgeleitet. Über Seitenstraßen sollen Geschäfte weiterhin für Autofahrer erreichbar bleiben.