Ein Kiosk im Freibad ist schlicht unverzichtbar. Denn wie bei „Chicco“ im Parkschwimmbad gibt es die weltbesten Pommes. Was ist sein Geheimnis?
Oft kommt es nicht vor, dass das Parkschwimmbad wegen Überfüllung geschlossen werden muss. Doch wenn das der Fall ist, muss Güney Birdüzer, der von allen nur liebevoll „Chicco“ genannt wird, ranklotzen.
„Dann ist es stressig. Aber auch schön“, sagt Birdüzer, der im gleichen Atemzug ins Schwärmen über sein Freibad gerät: „Morgens den Kiosk aufzumachen und auf die Anlage zu schauen. Das ist eine Augenweide. Erst kommen die Kaffeetrinker, danach die Schwimmer und am Nachmittag schließlich die Schüler, die ein Eis oder Pommes essen.“
Seit 13 Jahren betreibt Güney Birdüzer den Kiosk im Parkschwimmbad, das im vergangenen Jahr umgebaut wurde. Zu Birdüzers Bereich gehören auch die direkt daneben gelegene Minogolfanlage und das Parkrestaurant mit Biergarten.
Damals erwarb er die Gastronomie von der Familie Kuttruf, die ihn zuvor beim Kiosk ins Boot geholt hatte. Seitdem hat sich nicht viel verändert. Doch spätestens seit dem Umbau des Schwimmbads hofft auch „Chicco“ darauf, ein paar Änderungen vornehmen zu können: „Wir sind da etwas zu kurz gekommen.“ Er wünscht sich eine Vergrößerung, um mehr Lagerfläche, aber auch Sitzgelegenheiten für seine Gäste zu schaffen.
Abgesehen davon aber soll sein Imbiss klein und fein bleiben. Genau wie die Karte, die mit den absoluten Klassikern aufwartet: Chicken-Nuggets, Currywurst und natürlich die berühmten Freibad-Pommes. „Die weltbesten Pommes, wie die Kinder betonen“, sagt Birdüzer stolz.
Bei 180 Grad in Öl
Ob er endlich das Geheimnis der sagenumwobenen Freibad-Pommes lüften kann? „Das zählt zum Klischee eines Freibads. Die Pommes werden bei 180 Grad in Öl frittiert wie überall anders auch. Das ist alles“, sagt der Imbissbesitzer und lacht. Er muss es wissen, denn Birdüzer steht immer selbst an der Fritteuse – „Chefsache“, sagt er.
Einen typischen Tag im Parkschwimmbad gibt es nicht, erzählt Birdüzer weiter: „Man muss immer und bei jedem Wetter bereit sein, dass 2500 Menschen da sind und etwas essen oder trinken wollen.“ Und auch die Art der Kundschaft sei breit gestreut. „Wir haben viele Touristen und Camper, aber natürlich auch Stammgäste.“ Von denen weiß er etwa, wer seinen Kaffee wie trinkt oder wer sich zu welcher Uhrzeit sein erstes Bier genehmigt. Das Schöne: „Im Bad hat man die Ruhe weg. Hier herrscht Ruhe und Gelassenheit. Diese besondere Stimmung genieße ich sehr“, sagt Chicco weiter.
Fundbüro und Zufluchtsort
Er sehe sich eher als Mittelsmann zwischen den Gästen und dem Bad, erklärt Birdüzer: „Da dient man auch mal als Fundbüro oder als Zufluchtsort, wenn Kinder ihre Eltern verloren haben.“ Und auch die Bademeister genehmigen sich ab und an eine Currywurst am Freibadkiosk.
Ohne die Hilfe von Familie und Bekannten könnte er den Betrieb nicht am Laufen halten. Nicht nur die sechs Fritteusen oder die Kühltruhen für das Eis, sondern auch der Einkauf oder kleinere Reparaturen betreue er mithilfe eines guten Netzwerks, wie er sagt. „Wenn das Wetter doch kurzfristig mal besser wird als gedacht, muss man schnell Nachschub beschaffen und Personal haben, das spontan mithelfen kann. Ohne geht es nicht“, sagt er. Arbeiten, wenn andere Urlaub machen, ist für „Chicco“ kein Problem. „Regentage sind Ruhetage. Das ist wie Urlaub“, sagt er. Denn zwischen Mai und September kann er nicht mal eben in den Urlaub fliegen. „Das ist Hauptsaison. Aber man muss es sich schön machen. Das ist Kopfsache.
Entspannter Geschmack
Was dahinter steckt
Die Umgebung, in der wir essen, spielt eine wichtige Rolle für unser Geschmacksempfinden – das zeigen diverse Studien. Im Freibad sind wir oft entspannt, glücklich und in geselliger Runde. Diese gute Stimmung kann dazu führen, dass das Essen besser schmeckt. Zudem ist der Appetit nach körperlicher Betätigung oft größer, was die Pommes noch verlockender macht. Und Freibad-Pommes sind für viele eben Kindheit pur: Wir verbinden sie mit positiven Erlebnissen und erleben sie so intensiver.