Im Sommer kann es in den eigenen vier Wänden sehr heiß werden. Ein Experte gibt Tipps. (Symbolfoto) Foto: imago images / Bernd Friedel/Bernd Friedel

Immer mehr Menschen kaufen Klimaanlagen. Ein Kältetechniker aus Donaueschingen nennt Kosten und Hindernisse. Auch Lüftungsanlagen verbessern das Raumklima.

Die nächste Hitzewelle ist schon in Sicht – und da kann man schon auf die Idee kommen, die Temperaturen zu Hause mit einer Klimaanlage zu senken. Und auch zwei Schwenninger Unternehmen sind im Geschäft mit dem Raumklima aktiv. Haben sie bei der jüngsten Hitzewelle eine gesteigerte Nachfrage gespürt? Ein Überblick.

 

Immer mehr Menschen kühlen ihre Häuser und Wohnungen mit Klimaanlagen. 19 Prozent haben bereits eine solche Anlage, weitere 19 Prozent planen die Anschaffung, wie aus einer repräsentativen Verbraucherbefragung des Vergleichsportals Verivox hervorgeht. Das sei „weit mehr als bisher bekannt“, heißt es aus Heidelberg.

Auch Thorsten Held, Geschäftsführer der Firma Kältetechnik Held in Donaueschingen, kann das bestätigen: „Anfragen für Klimaanlagen von Privatpersonen bekommen wir tatsächlich oft.“ Zwar sei der Andrang nicht so hoch wie in Hitzehochburgen, etwa wie im Rheintal oder Freiburg. „Aber durch die zunehmende Passivbauweise gibt es eine Überdämmung.“

Im Winter habe man dadurch zwar geringere Heizkosten, dafür müsse man im Sommer dann umso mehr kühlen, erklärt Held. Das kommt vor allem durch große Fenster zustande. „Das Glas oder Flachdach zieht die Hitze an“, sagt der Kälteanlagenbauer.

Bei den vielen Anfragen, die Held erhält, muss er jedoch auch oftmals absagen: „Viele sind unvorbereitet und stellen sich das etwas zu leicht vor.“ Denn gerade bei Mietwohnungen widerspricht oftmals die Eigentümergemeinschaft oder der Eigentümer selbst. Teilweise musste Held sogar schon Anlagen zurückbauen.

Installation einer Anlage ist nicht günstig

Zwischen 3000 und 3500 Euro müsse man als Privatperson für die Installation einer Anlage in einem Raum rechnen. Vielen ist das zu teuer. „Die suchen sich dann lieber günstige Geräte aus dem Internet“, seufzt Held. Die meisten Aufträge kommen deshalb von Personen, die er schon in deren Firmen mit einer Klimaanlage ausgestattet hat.

Ein Blick in die Fertigung bei Helios Ventilatoren in Schwenningen auf einem Archiv-Pressebild des Unternehmens. Foto: Helios

„Die wissen über die Kosten und die Wartezeiten Bescheid“, sagt Held. Der Geschäftsführer schätzt, dass er etwa 50 Geräte pro Jahr bei Privatpersonen verbaut.

„Die befassen sich dann auch damit, dass eine Klimaanlage nicht billig und schnell zu verbauen ist.“ Zu 95 Prozent entschieden sich die Kunden dann auch für etwas teurere High-End-Geräte. Nach dem Motto: Wenn schon, denn schon.

Doch es sind nicht nur Klimaanlagen, mit denen man das Raumklima beeinflussen kann. Wenn es ein paar Nummern größer sein darf, muss man zur Lüftungsanlage greifen. Solche Anlagen werden in der Region unter anderem von den Schwenninger Unternehmen Maico und Helios hergestellt. Spürt man dort einen Einfluss von heißem Wetter auf den Geschäftsgang?

Produkte, die kühlen, habe man nicht im Programm, heißt es aus der Marketingabteilung von Maico auf Anfrage. Stattdessen produziere man Produkte, die über das ganze Jahr für perfektes Raumklima sorgen würden.

Kurzfristige Wettereinflüsse wirken sich kaum aus

Etwas ausführlicher antwortet die Firma Helios. Eine Lüftungsanlage sei keine Klimaanlage, heißt es auch von Marketingleiterin Sandra Bechmann. Moderne Lüftungssysteme würden das ganze Jahr über für ein ausgewogenes Raumklima sorgen. Und bei solchen Anlagen gehe es um langfristige Investitionen, die vor allem im Neubau oder bei Sanierungen eingesetzt werden: „Kurzfristige Wettereinflüsse wirken sich kaum direkt auf dieses Segment aus.“

Thorsten Held, Geschäftsführer der Kältetechnik Held in Donaueschingen, bekommt vermehrt Anfragen zu Klimaanlagen in Privatgebäuden. Allerdings beschäftigen sich viele Interessenten zuvor nicht mit den Kosten. Foto: Tobias Weißert

Bechmann schreibt, dass es im Sommer regelmäßig Nachfragespitzen bei bestimmten Produkten gebe. Die würden sich jedoch kaum auf den Gesamtumsatz auswirken. Die Nachfrage folge eher langfristigen Trends, etwa bei der Energieeffizienz. Aber bei Helios gibt es auch andere Produkte, bei denen das Unternehmen mehr Nachfrage bei Hitze spürt: Deckenventilatoren, die ohne aktive Kühlung funktionieren.

Tipps zu den Kosten und zum Klimaschutz

Mehrheit ohne Klimaanlage
Der Großteil der Haushalte kommt nach wie vor ohne Klimaanlage aus. 42 Prozent geben als Grund an, dass die Temperatur ohnehin in Ordnung sei, 41 Prozent kühlen die Wohnung auf andere Weise, erklärt das Vergleichsportal Verivox. Rund jeder fünfte Befragte verzichtet aus Gründen des Umweltschutzes auf Klimaanlagen. Eine Rolle spielen auch die Anschaffungs- und Betriebskosten. 41 Prozent der Befragten geben an, dass ihnen die Preise für Klimageräte zu hoch seien.

Worauf muss ich beim Kauf achten?
Die Verbraucherzentrale rät zur Beratung durch eine Fachkraft. Der wichtigste Aspekt dabei: die Kühlleistung. Je geringer diese ist, desto mehr Zeit braucht das Gerät, um einen Raum auf die gewünschte Temperatur abzukühlen. Außerdem sollte bei der Entscheidung auf die Raumgröße, das Energielabel und die Lautstärke der Klimaanlage geachtet werden.

Was kostet der Betrieb?
Fest verbaute Klimaanlagen kosten nach Angaben des Vergleichsportals Verivox oft über 2000 Euro. Dafür sind die jährlichen Stromkosten vergleichsweise niedrig: Je nach Gerät liegen sie zwischen 35 und 50 Euro pro Jahr. Deutlich günstiger sind dagegen mobile Klimaanlagen (ab 200 Euro). Dafür kühlen diese weniger gut und haben außerdem höhere Betriebskosten: Je nach Energieeffizienz und Leistung des Geräts liegen die jährlichen Stromkosten hier zwischen 75 und 250 Euro.

Wie schädlich sind Klimaanlagen?
Das Umweltbundesamt appelliert an die Verbraucher, ein möglichst klimafreundliches Gerät zu kaufen. „Viele Klimageräte verwenden noch immer Kältemittel, die ein hohes Treibhauspotenzial haben, wenn sie bei Montage, Störungen im Betrieb oder Entsorgung freigesetzt werden“, so das Umweltbundesamt. Statt aktiver Klimaanlagen, die Energie verbrauchen, sollten vor allem passive Kühlmaßnahmen genutzt werden. Sprich: Jalousien, Rollläden oder Fensterläden, aber auch spezielle Fensterfolien.