Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Donaueschingen Zweiradfahrer kritisieren Sanierung

Von
Auch in der Sennhofstraße haben Mitarbeiter der Technischen Dienste die Fahrbahn ausgebessert. Daniel Winkler spritzt gerade Rollsplitt auf das zuvor aufgebrachte Bitumen. Foto: Niederberger

Donaueschingen - Die derzeitigen Straßensanierungsarbeiten der Stadt durch Rollsplit und Bitumen stellen für Zweiradfahrer ein Ärgernis dar.

Das Ziel des Roller-Ausflugs war die Donauquelle. Deren Besuch habe sich auch gelohnt, erzählt der Schweizer Rollerfahrer Peter B. (voller Name der Redaktion bekannt). Doch mehr als der Quelltopf wird ihm die Fahrt dorthin im Gedächtnis haften bleiben – denn beinahe wäre er beim Abbiegen von der Stadion- in die Fürstenbergstraße gestürzt. Der 66-Jährige konnte seinen Roller gerade noch abfangen. Als der frühere Kaufmann später dem Reporter die Beinahe-Unfallstelle zeigt, biegt gerade ein deutscher Motorradfahrer in Schritttempo in Richtung Fürstenschloss ab, seine mit schweren Motorradstiefeln geschützten Füße hat er schon von den Rasten genommen, um sich im Fall des Falles schnell abstützen zu können. Was der Biker in diesem Moment wohl darüber denkt, wie die Stadt Donaueschingen ihre Straßen ausbessert? Sicher nichts Gutes.

Hohe Temperaturen verformen Material

Das Rathaus teilt auf Nachfrage mit, dass Mitarbeiter der Technischen Dienste – wo das "technisch vertretbar und vom Umfang her abbildbar" ist – selbst die Straßen- und Wegschäden ausbessern. Es sei nicht nur in Donaueschingen Usus, dass bei solchen Sanierungsmaßnahmen ein bituminöses Trägermaterial mit Stützkorn zum Einsatz komme. Bei hohen Umgebungstemperaturen sei dieses Material weich, weshalb in einer Kurve mit besonderer Vorsicht gefahren werden müsse. Ihrer Straßensicherungspflicht sei die Stadt "durch das Stellen des Hinweisschildes nachgekommen". Zudem müsse im innerstädtischen Bereich besonders vorsichtig und bremsbereit gefahren werden. Nach zwei bis drei Tagen werde der übrige Splitt mit einer Kehrmaschine wieder von der Straße entfernt.

Allerdings: Laut dem Institut für Zweiradsicherheit (IFZ) mit Sitz in Essen werde empfohlen, Bitumen nur für lokal begrenzte Schäden wie Risse oder Fugen einzusetzen. Trotzdem werden Ausbesserungen mit Bitumen auch großflächig vorgenommen, wie das Beispiel an der Donaueschinger Stadteinfahrt zeigt. Der Bitumenstreifen ist hier rund fünf Meter lang und erstreckt sich über die komplette Straßenbreite. Obendrein verläuft er in Fahrtrichtung. Für Autofahrer ist es völlig ungefährlich, über ihn zu fahren, für Biker gilt aber Warnstufe eins. Denn Bitumen, so das IFZ, habe in der Regel einen deutlich niedrigeren Reibungskoeffizienten als eine Asphaltoberfläche. Deshalb könne es gerade bei Nässe zu einem plötzlichen Reibwert-Sprung kommen, sobald die Reifen vom Asphalt auf die Bitumenfläche wechseln. Das sei für einspurige Fahrzeuge wie Motorräder sehr problematisch, wie Untersuchungen auf Fahrbahnen mit Bitumenausbesserungen ergaben. Hingegen seien schmale Bitumenstreifen in Querrichtung – wegen der kurzen Verweildauer auf diesen – harmlos und zumeist ungefährlich.

Außerdem erzeugten hohe Temperaturen ein ähnliches Problem wie die Witterungsbedingung Nässe, betonen die Experten aus dem Ruhrgebiet. Schon bei 23 Grad Celsius bestünde eine leichte Verformbarkeit des Materials bei nur geringem Kraftaufwand. Aufgrund des geringen Reibungskoeffizienten spreche man hier vom sogenannten "Glatteis im Sommer".

Rollsplitt stellt Gefahr dar

Es empfiehlt sich für Motorradfahrer auch nicht, die Kurve weiter außen zu nehmen. Denn dorthin wird der Rollsplitt von Autos geschleudert, der von der zuvor aufgebrachten Bitumenschicht nicht aufgenommen wurde. Rollsplitt vermindert die Bodenhaftung des Reifens, wodurch dieser leicht ins Schlittern geraten kann. Wenn dann noch verkehrsbedingt gebremst werden muss, lässt sich ein Sturz auch vom geübtesten Biker nur schwer vermeiden.

In dieser Woche werden die Belagarbeiten mit Bitumen und Rollsplitt im Stadtgebiet fortgesetzt. Die Mitarbeiter der Technischen Dienste setzen dabei einen geliehenen "Asphalt Patcher" ein, mit dem auch größere Straßenabschnitte bearbeitet werden können. Das stadteigene Fahrzeug hat dafür einen zu kleinen Bitumen-Tank.

In Internet-Foren regen sich Motorradfahrer immer wieder über den in ihren Augen viel zu gefährlichen Rollsplitt auf. Ein Diskussionsteilnehmer gab dabei einen (hoffentlich nicht ganz erst gemeinten) Tipp: "Nach der ausgebesserten Stelle sofort auf Tempo 200 beschleunigen, damit sich ja alle Steinchen aus dem Reifenprofil lösen." In der Schweiz gebe es solche Fallen für Zweiradfahrer nicht, so Peter B. abschließend.

Nach einem Urteil des Landgerichts Magdeburg (Aktenzeichen 10 O 1092/13) hat das Bundesland Sachsen-Anhalt keine Verkehrssicherungspflichten verletzt, wenn ein Motorradfahrer nach Belagsarbeiten auf Rollsplit ausrutscht – weil es rund 150 Meter vor dem Rollsplittfeld ein Warnzeichen angebracht hatte. Geklagt hatte ein Motorradfahrer, der in einer Kurve mit Tempo 50 auf dem Tacho zu Fall kam. Das Landgericht begründete sein Urteil damit, dass der Motorradfahrer aufgrund des Warnschildes mit Rollsplitt rechnen musste. Notfalls hätte der Kläger so langsam fahren müssen, dass er auf dem Rollsplitt nicht ausrutscht. Erfolgt eine ausreichende Warnung vor Rollsplitt, ist die Straßenbaubehörde ihrer Verkehrssicherungspflicht nachgekommen. Mehr könne nicht verlangt werden, unterstrich das Gericht.

Fotostrecke
Artikel bewerten
1
loading

Top 5

0

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.