Harald Böttcher experimentiert mit mehreren kleineren Windrädern, wie Energie optimal gespeichert werden kann (links).­ Der Pfohrener in seinem Garten, über ihm befinden sich die Regenmesser und die Luftdruck-Sensoren. Mit diesen Geräten erfasst er bereits seit rund zwei Jahrzehnten entsprechende Daten – und kann auch hier einen Klimawandel feststellen (rechts). Fotos: Simon Foto: Schwarzwälder Bote

Umwelt: Harald Böttcher stellt Veränderungen mit Wetterstation fest / Windräder und Apparaturen im Garten

Harald Böttcher ist ­bekannt. In Pfohren, in ­Donaueschingen und bis weit in die Baar hinaus: Er ist der Pfohrener Wetterfrosch.

Donaueschingen (guy). Sein Haus lässt das auch erahnen. Überall befinden sich Thermometer, in großer und kleiner Variante. Auf dem Grundstück verteilt laufen mehrere Windräder. Hier experimentiert Böttcher, wie sich die dadurch erzeugte Energie am Besten konservieren lässt. Aber im Wesentlichen zeichnet er mit seinen Geräten Wetterdaten auf: Niederschlagsmenge, Temperatur, Windgeschwindigkeit und vieles mehr.

Diese Daten zeichnet er bereits seit rund 20 Jahren auf. Angefangen hat alles, als er von seiner Familie eine kleine Wetterstation bekommen hat. "Die übertrug alle fünf Minuten die entsprechenden Daten automatisch an meinen Computer", erklärt Böttcher. Mittlerweile funktioniert das im Sekundentakt.

Was durch diese Datenmenge auch ersichtlich wird, ist ein globales Problem: der Klimawandel. Mit Böttchers Auswertungen lässt er sich auch in der Region sichtbar machen. "Wenn sich ein Laie meine Daten der Durchschnittstemperaturen anschaut, dann wird er sicher sagen: ›Da hat sich nichts verändert, ich kann nichts erkennen.‹ Die Veränderungen sind dennoch feststellbar. Wenn man sich die Zahlen in Fünf-Jahres-Sprüngen anschaut, lässt sich eine Steigerung der Durchschnittstemperatur um 0,1 Grad Celsius festmachen." Das mag nicht nach viel klingen, für etwas so sensibles wie das Wetter- und Öko­system sei es das dennoch. "Schon eine weltweite ­Steigerung von mehreren Grad hätte enorme Folgen. Das wird unterschätzt", erklärt Böttcher.

Auf dem Dach hat er die Technik weiter nachgerüstet. Die Windmessungen werden nun mit einem Ultraschall­Gerät vorgenommen. Mit einem Gerät, wie es auch der Deutsche Wetterdienst benutze. Dort sei alles eben in einem größeren Maßstab – und eben etwas teurer. Das gehe dann preislich in die Zehntausende. "Die haben Geräte, da werden manche neidisch." Aber egal wie schwach oder stark der Wind blase, das neue Gerät könne das erkennen

Für eine Wetterprognose reicht es dennoch, allerdings eben für keine besonders lange: "Etwa zwei bis drei Tage, mehr bekomme ich nicht hin. Da oben ändern sich in jeder Sekunde tausende Dinge", so Böttcher. Seine Prognose habe dann eine Trefferquote von etwa 90 Prozent. Allerdings sei genau das eben auch Teil der Faszination: "Sie machen etwas, und nach fünf oder zehn Stunden hat sich alles komplett geändert." Besonders im Herbst sei das Wetter schwierig zu bestimmen: "Hier gibt es einen Trichter in Richtung Geisingen. Hochnebel kommt schnell und kann sich lange halten. Das macht es nicht ganz einfach." Manchmal bekommt Böttcher auch Anrufe. Wenn jemand heiraten will oder irgendwo ein Fest geplant ist, dann melden sich die Leute bei ihm und fragen nach Auskunft. "Meteorologe ist ein toller Beruf." Etwas jünger hätte sich der 71-Jährige durchaus vorstellen können, das auch beruflich zu machen. Jetzt ist es eben ein Freizeit-Vergnügen für den Diplom-Kaufmann: "Jetzt ist es mein Hobby und soll es auch bleiben." Seine Wetterseite www.wetter-donaueschingen.de hat trotzdem Erfolg: Rund 70 000 Nutzer sind regelmäßig auf ihr unterwegs.

Und auch hier seien Entwicklungen zu erkennen, die mit einer Klimaveränderung zusammenhängen. Extreme Wetterereignisse werden häufiger. "Ich habe einen Tornado fotografiert, der sich bis nach Waldhausen bewegt hat. Das wird häufiger werden", so Böttcher. Gar nicht verstehen könne er da, was gerade in den USA passiere: Ein Donald Trump, der den Klimawandel schlicht wegleugne.

Grundsätzlich seien größere Klimaveränderungen über kurze Zeiträume nicht einfach, sagt Ulrich Kümmerle, Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst (DWD). ­"Statistisch belastbare Referenzperioden sind innerhalb von 30 Jahren messbar", erklärt er. Dennoch entsprechen Böttchers Messungen der vergangenen 20 Jahre ­genau dem aktuellen Trend: "0,1 Grad passen da." Bei den Messungen komme es auch ­immer auf die jeweiligen ­Messgeräte und deren genaue Lage an.

In den 1980er-Jahren sei in der Lehrmeinung vertreten worden, dass es in Mitteleuropa keine Tornados gebe. "Davon ist man mittlerweile natürlich abgerückt", erklärt Kümmerle. Dass es allerdings mehr Tornados gibt, glaubt er nicht. "Früher gab es keine Handys und kein Internet. Durch die hohe mediale Aufmerksamkeit wird die subjektive Wahrnehmung solcher Ereignisse heute verstärkt."

Bei vielen Wetterextremen erwarte man eine Zunahme der Ereignisse. So etwa bei Hitzeereignissen, Starkniederschlägen und Dürren, erklärte Klimaexperte Florian Imbery vom DWD im Juli.