Natur: Gerhard Bronner erkundet die Tannenäckerhöhle / Entdeckung durch winzige Schachtöffnung
Seit Langem ist Gerhard Bronner begeistert von Höhlen. Aufgewachsen auf der Schwäbischen Alb ging es erst mit Freunden hinein in die verborgenen Welten. Mit zwölf Jahren sammelt er seine ersten Erfahrungen. Viele Höhlen gab es zu entdecken, ob auf der Schwäbischen Alb oder in den Schweizer Alpen.
Donaueschingen. (jak) Doch in der eigenen Stadt, die nun nicht wirklich bekannt für viele Höhlen ist, da ist es etwas ganz Besonderes. Die Entdeckung der Tannenäcker beruht eher auf einem Zufall: Im Mai 2019 brach auf einer Wiese hinter den Technischen Diensten ein Schacht ein, als ein Traktor darüber fuhr. Armin Börnert kontaktierte Gerhard Bronner, der auch das Umweltbüro des Gemeindeverwaltungsverbandes leitet. Dieser kam mit Ausrüstung, begutachtete das Loch mit gerade einmal einem Meter Durchmesser, baute einen Dreifuß auf und ließ sich mit einem Seil hinunter in die Tiefe. Für Menschen mit Platzangst wäre das nichts, doch Bronner fasziniert es. Und es hat schon etwas, einen Ort zu betreten, von dem man ganz genau weiß, man ist nun der erste Mensch, der sich hier umschauen kann.
Acht Meter ging es hinab. Die ersten drei Meter waren ziemlich eng, doch dann weitete sich die Höhle. Am Grund der Höhle entdeckte Bronner einen See, direkt unter dem Einstieg 30 Zentimeter tief. Unter Wasser konnte er eine Fortsetzung der Höhle ertasten, doch es war zu trüb, um überhaupt etwas zu sehen.
"Ich habe mich nach einem erfahrenen Höhlentaucher umgesehen", blickt Bronner zurück. Im Hegau wurde er fündig. Nur zwei Tage später standen Lothar Dietrich und Jörn Brumme von den "Freunden der Achhöhle" ebenfalls an dem Loch. Der Wasserspiegel war um 30 Zentimeter gefallen. Brumme tauchte: Keine Sicht, im Norden ging's nicht weiter und der südliche Teil war bereits durch den niedrigen Wasserstand trockengelegt.
Feuerwehr hilft mit bei der Erschließung
Bei der dritten Erkundung war auch die Feuerwehr mit dabei. Mit Pumpen sollte der Wasserstand soweit gesenkt werden, dass die Höhle weiter erkundet werden konnte. Doch das Pumpen war gar nicht mehr nötig, denn das Wasser war bereits komplett verschwunden. "Leider stellte sich auch heraus, dass die unter einer Talmulde verlaufende Höhle nicht, wie erhofft, auf größere Strecken zugänglich geworden ist", sagt Bronner.
Also machten sich die drei Höhlenforscher an die Vermessung und die Dokumentation der Allmendshofener Höhle. "Früher hat man Höhlen mit dem Maßband, dem Meterstab und dem Kompass vermessen, mittlerweile geht das alles mit den entsprechenden elektronischen Geräten", erklärt Bronner. Der früher sicher weiterführende Gang sei nach Richtung Nordwesten nach drei Metern und in Richtung Südosten nach zehn Metern durch Lehm verstopft gewesen.
Messungen und Untersuchungen sind möglich
Was tun mit der Höhle? Diese Frage stellt sich den Forschenden. "Es wäre freilich schade, die Höhle einfach aufzufüllen – bietet sie doch freien Zugang zum Karstwasser und so die Möglichkeit, später einmal geohydrologische Untersuchungen und Messungen vorzunehmen", schrieb der Höhlenforscher Gerhard Bronner in seinem Bericht über die Entdeckung der Höhle. Mittlerweile wurde der Eingang der Tannenackerhöhle gesichert. Die ersten drei Meter des Schachtes, die aus lockerem Erdreich bestehen, wurden mit einem großen Stahlrohr entsprechend gesichert, das auf dem Fels aussitzt. Außerdem wurde der Einstieg versperrt, sodass ein unbefugter Zutritt und damit verbundene Gefahren ausgeschlossen sind.
Wer jedoch Interesse an einer Höhlenbesichtigung hat, der kann mit Gerhard Bronner im Umweltbüro unter der Telefonnummer 0771/9 29 15 05 Kontakt aufnehmen. Aber mit einem Spaziergang wie beispielsweise durch die Bärenhöhle auf der Schwäbischen Alb ist das Ganze dann nicht zu vergleichen. Neben der entsprechenden Ausrüstung wie Helm, Seil und Beleuchtung, sollten Besucher auch die entsprechende Erfahrung mit dem Abseilen mit sich bringen. Höhenangst und Platzangst sind ebenso nicht förderlich, wird mitgeteilt.
Vermutlich – so führt es Höhlenforscher Gerhard Bronner in seinem Bericht an – hat die Höhle früher einmal, als das Vorfluterniveau noch niedriger lag, einen Teil des Schellenbergs entwässert. Die Baarmulde wurde jedoch in der Eiszeit mehrere Meter dick mit Schottern aufgefüllt. Dadurch wurde auch das Vorfluterniveau angehoben. Aus jener Zeit datieren wohl auch die Lehmverfüllungen der Höhle. Da jedoch selbst bei einem höheren Wasserstand keine Wasserbewegungen zu entdecken waren, dürfte die Höhle heute keine Rolle mehr bei der Entwässerung der Umgebung mehr spielen.