Reisebüros können kurzfristig auf Warnungen reagieren. Quarantäne im Ausland verunsichert.
Donaueschingen - Vergangene Woche noch Vorfreude auf den Traumurlaub, jetzt Ferien im Risikogebiet. Mit mulmigem Gefühl in der Magengrube und banger Erwartung, wie das Prozedere nach der Rückkehr sein wird.
Wer in den Sommerferien nach Spanien reisen wollte, erlebte dieser Tage eine böse Überraschung. Das – zusammen mit Balearen und Kanaren – beliebteste Reiseziel der Deutschen wurde vom Robert-Koch-Institut mit einer Reisewarnung versehen. Aus den gestiegenen Corona-Infektionszahlen auf der iberischen Halbinsel und der Befürchtung, Rückkehrer würden das Virus mit nach Hause bringen, folgte die Einstufung des Ferienparadies zur Problemzone.
Die Spanien-Malaise färbt auch auf die Reisebüros ab. Generell werde das von den Reiseveranstaltern gut gehandhabt, sagt Esther Todt, die das Reiseland Donaueschingen leitet. "Wenn Pauschalurlauber das wünschen, werden sie binnen maximal sieben Tagen am Urlaubsort abgeholt und zurückgeflogen", so Todt. Unter eigenem Risiko können die Gäste aber auch dort bleiben. Kurzfristig storniert wurden dagegen alle aktuellen Ferienflieger. Die Kunden werden über diese Änderung informiert.
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Im Reisebüro ist jetzt Kümmern angesagt. Das gilt generell für diesen Dienstleistungszweig. "In Sekunden", könne die Richtung in den Süden geändert werden. Griechenland sei eine solche Wunschoption, die Kanarischen Inseln – als einzige Spanien-Destination nicht der Reisewarnung unterworfen – ebenso. "Wer übrigens zurück kam, sprach immer sehr zufrieden von einem schönen Urlaub mit funktionierenden Hygiene- und Abstandsregeln", so Esther Todt weiter.
Sehr verhalten sei das Reisegeschäft nach dem Lockdown wieder angelaufen. Da mache der Spanienmarkt, in normalen Zeiten höchst bedeutsam, keine Ausnahme. Die Buchungszahlen blieben in einem niedrigen Bereich. Viele Leute blieben in den Ferien zuhause oder hätten stattdessen bereits für 2021 gebucht. Mit den Reisewarnungen müsse man eben leben, so Todt weiter. Spanien dürfte nicht das letzte Land sein, das betroffen ist. Der nächste Kandidat könnte Kroatien werden.
Die größte Sorge ihrer Kunden sei eine drohende Quarantäne, berichtet Bärbel Gegg vom Reisebüro Southern Cross: "Wie verbringe ich die in Spanien, wenn ich nach einer stichprobenartigen Testung und einem Positiv-Testat gar nicht ausreisen darf?", formuliert sie eine gängige Frage, die auch von Autoreisenden kommt. Noch strenger ist die Handhabe für Türkei-Urlauber. Dort steht verpflichtend vor der Ausreise ein Corona-Test an. Auch wenn sich die Quarantäne versichern lässt, ist es Urlaubern bange.
Informationsbedarf
Die Kunden hätten einen großen Informationsbedarf, so Gegg weiter. Etwa bei Last-Minute-Buchungen auf die Kanaren – "da gibt es noch reichlich Kapazitäten" – nach Griechenland, Italien oder in die Türkei. Binnen weniger Tage wäre auch noch innerhalb der Schulferien eine Neujustierung möglich. Wer das Reisebüro aufsucht, müsse weder zwingend eine Buchung tätigen, noch in die Ferne schweifen, sagt Gegg verallgemeinernd für die Branche. Selbst mehrtägige Trips ins Allgäu, an den Bodensee oder in den Schwarzwald finden sich dort nach gemeinsamer Suche – und dies auch günstiger als im Internet. Mitunter verschärfe sich gegenwärtig auch das Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, beobachtet Heike Luhmann von der Donaueschinger "Reisewelt". Ins Geschäft kämen verunsicherte Kunden, denen der Chef ganz pauschal den Auslandsurlaub verboten hätte. Durchaus auch unter Androhung arbeitsrechtlicher Maßnahmen. Spanien-Buchungen hätten sich meistens auf den September bezogen, berichtet sie. Ob bis dahin die pauschalen Stornierungen der Reiseveranstalter aufgehoben würden, sei ungewiss. Verärgert ist Luhmann über die nahezu generelle Reisewarnung für Spanien.
Es gelte doch ein unterschiedliches Risiko in den Partyzonen auf Mallorca (oder Kroatien und Bulgarien) oder auf einer abgelegenen Finca im Hinterland. Griechenland, Zypern, die Kanaren, aber auch Sardinien oder Kalabrien in Italien sind Ziele, wo Umbucher auch in den Ferien noch fündig werden.
Das Gesundheitsamt rechne aufgrund von Urlaubsrückkehrern mit einem gesteigerten Test- und Beratungsbedarf, sagt Kristina Diffring, Referentin des Landrats, auf Anfrage. Sie geht davon aus, dass Urlauber wissen, dass sie sich nach einem Aufenthalt in einem Risikogebiet direkt beim Gesundheitsamt melden müssen. Eine eventuelle Problematik liege bei Bürgern mit Wurzeln in Hochrisikoländern aufgrund der dortigen engen Kontakte und oft langer Urlaubsdauer. Bis das Testergebnis vorliegt, müssen sich Risikoland-Rückkehrer in eine Quarantäne begeben. Kontrolliert wird diese durch die Ordnungsämter. In Donaueschingen erfolge das stichprobensartig, sagt Jennifer Schwörer, stellvertretende Rathaussprecherin.