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Donaueschingen Unglaublich langsam geht es Schritt für Schritt an der Donau entlang

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Hat sich auf dem Campingplatz häuslich eingerichtet: Daniel Beerstecher. Foto: Wursthorn Foto: Schwarzwälder Bote

Donaueschingen. Schnelllebigen Zeiten ein Stück betonte Langsamkeit entgegensetzen: Das versucht mit seiner Performance "Walk in Time" der Künstler Daniel Beerstecher. Er wandert, nachdem er am 14. Juli am Museum Art.Plus startete, unglaublich langsam an der Donau entlang. Zum Gespräch kommt er auf den Campingplatz am Riedsee. Dort erzählt er neben einem zum Camper umgebautem Anhänger von seinem Projekt.

In der Performance legen Sie nur wenige Meter an einem Tag zurück. Wie schnell sind Sie gerade?

Im Augenblick gehe ich etwa 120 Meter pro Stunde. Ich versuche sechs Stunden am Tag zu gehen, also ist mein Tagespensum derzeit im Schnitt 700 Meter. An manchen Tagen sind es 600, es gab aber auch schon Tage an denen es 800 waren.

Was steckt hinter dem Walk in Time? Was möchten sie mit der Performance vermitteln?

Zunächst geht es mir um eine gewisse Entschleunigung in einer Gesellschaft, die immer radikaler, immer schneller wird. Es soll eine Gegenposition darstellen zum kapitalistischen System, das auf immer weiter fortschreitendes Wachstum angewiesen ist. Diese Entschleunigung erfolgt auf eine radikale Weise. Das muss auch so sein, denn würde ich das nur vier Tage machen, würde es auch keinen interessieren.

Die Performance nimmt auch Bezug auf buddhistische Meditationsformen. Wie kam es dazu?

Ich war vor längerer Zeit zu einem Auslandssemester in Japan und bin damals gesundheitlich angeschlagen gewesen. Ich bin zu einem Arzt gegangen und er hat mich mit Akupunktur behandelt. Er sagte mir dann, dass damit die zugrundeliegende Ursache aber nicht verschwinde und dass ich viele meiner gesundheitlichen Probleme in den Griff bekommen könnte, wenn ich meine Atmung kontrollieren würde. Daraufhin hat er mir ein paar Buchtipps gegeben und so bin ich das erste Mal mit Zen-Buddhismus in Kontakt gekommen. Seitdem meditiere ich häufig.

Wie läuft die Meditation in der Performance ab?

Die Gehmeditation, die ich praktiziere, ist eigentlich eine Meditation, die zwischen den normalen Sitzmeditationen erfolgt, um die Durchblutung der Beine anzuregen. Es geht darum, dass man sich auf das Gehen selbst konzentriert. Je nachdem wie fortgeschritten man ist konzentriert man sich auf jeden einzelnen Schritt, oder, auf einem höheren Niveau, auf einzelne Abschnitte eines Schrittes: Anheben, Nach-vorne-Setzen, Absetzen, Verwurzeln. Es gibt bis zu sechs Abschnitte in die ein Schritt unterteilt werden kann. Je mehr man sich auf das Gehen konzentriert, desto langsamer wird man. Es geht um totale Konzentration und darum präsent zu sein, nicht abzuschweifen, sondern sich wirklich nur auf das Gehen zu fokussieren.

Das Ganze sieht für mich sehr anstrengend aus, sowohl körperlich als auch insbesondere mental. Wie haben Sie sich auf die Performance vorbereitet?

Am Anfang ist es tatsächlich anstrengend, aber sehr bald bekommt man die notwendigen Muskeln dazu. Wirklich anstrengend wird es vor allem, wenn man nicht konzentriert ist, denn dann braucht man viele Muskeln um sich im Gleichgewicht zu halten. Man kennt das, wenn man auf einem Bein steht: Bleibt man konzentriert und ruhig geht das nahezu mühelos, gerät man aber einmal ins Wanken, muss man sich ständig ausbalancieren und es wird recht anstrengend. Ich habe mich vorbereitet, indem ich gegen Weihnachten mit 45 Minuten am Tag angefangen und das dann nach und nach gesteigert habe. Schließlich habe ich noch ein fünftägiges Trainingslager im Schwarzwald gemacht, wo ich jeden Tag fünf Stunden Gehmeditation praktiziert habe.

Wie kamen Sie denn dazu ihre Performance in Donaueschingen zu beginnen und welche Rolle spielt dabei die Donau?

Ich wurde eingeladen von der Donaugalerie in Tuttlingen, das ist ein Skulpturenprojekt an der Donau. Den Verantwortlichen dort habe ich daraufhin die Idee unterbreitet als "Living Sculpture" unterwegs zu sein. Da das Thema der Donaugalerie die Donau ist, erschien es mir naheliegend den Radius etwas zu erweitern und am Museum Art.Plus, bei der Donauquelle loszulegen. Von dort aus laufe ich nun Richtung Tuttlingen. Das Ziel wird der Flugplatz in Neuhausen ob Eck sein, wo die Landebahn zu meiner Zielgeraden wird.

Das Thema Fortbewegung zieht sich durch viele Werke von Ihnen. Was macht das Thema so interessant, so faszinierend für Sie?

Ich bin seit meiner Jugend viel gereist und hatte großen Spaß daran neue Kulturen kennenzulernen, mich selbst besser kennenzulernen und an den Herausforderungen zu wachsen. Die Reisen wurden immer länger, irgendwann bin ich dann zwei Jahre durch Lateinamerika gereist. Ich hatte irgendwie immer das Verlangen nach neuen Abenteuern.

Wie kamen Sie dann dazu, das auch künstlerisch umzusetzen?

Ich habe angefangen Kunst zu studieren und war in einer klassischen Bildhauerklasse, habe aber schnell gemerkt, das ist nichts für mich. Einer meiner Professoren gab mir deshalb den Rat, Kunst aus dem zu machen, was ich gerne tue. Und das war in meinem Fall eben das Reisen. Es hat angefangen mit einer zehntägigen Tramptour durch Deutschland, bei der ich die Gespräche mit den Fahrern aufgenommen habe. Das war aber noch alles sehr dokumentarisch. Das erste richtige Kunstprojekt war, als ich mir einen Hugo-Boss-Anzug gekauft habe und damit in einem Nationalpark in Lappland, wo es keine Wege und kaum Menschen gibt, unterwegs war.

Wie geht es für Sie weiter nach diesem Projekt?

(lacht): Nach diesem Projekt werde ich erstmal ein bisschen Urlaub benötigen. Im Ernst: Ich muss das Videomaterial auswerten und ein Kunstwerk daraus produzieren. Als nächstes größeres Projekt werde ich, falls die Gelder dazu fließen, einen mobilen Schrebergarten auf großen Anhängern schaffen. Der wird dann als Installation auf dem Marktplatz in Schorndorf zu sehen sein.  

Weitere Informationen: www.walk-in-time.de/live

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