Sport: Der Hallen-Wunsch bleibt aktuell / Kostenschätzung liegt bei zwei Millionen Euro
Kinder, die nicht auf einem Bein stehen oder auf einem Bein hüpfen können. Kinder, die einen Purzelbaum nicht koordiniert bekommen. Kinder, die eine Sprossenwand nicht hochklettern wollen oder können und Kinder, die bei Rumpfbeugen ihre Zehenspitzen nicht erreichen.
Donaueschingen (hon). Man mag’s kaum glauben, doch Jürgen Kessler, Vorstand Sport beim TV Donaueschingen und seit vielen Jahrzehnten Übungsleiter, hat all das schon erlebt.Woran liegt das? Zwar trieben Kinder laut Kessler wieder mehr Sport in Vereinen, an Schulen und in Fitnessclubs. Insgesamt aber bewegten sich viele Kinder trotzdem zu wenig im Alltag, manche sogar gar nicht.
Um dem vorzubeugen und entgegenzuwirken, hat der TV Donaueschingen Anfang der 2000er-Jahre die Idee entwickelt, eine eigene und auf die vereinseigenen Belange zugeschnittene Turn- und Bewegungshalle zu bauen. Aus vielerlei Gründen ist das Projekt bis heute nicht realisiert worden. Doch Donaueschingens größter Verein mit rund 1000 Mitgliedern hält auf Nachfrage an seinem ehrgeizigen Wunsch fest und hofft, dass mit dem neuen Gemeinderat und frischen Köpfen an der Spitze der städtischen Bauverwaltung wieder Schwung in das Projekt kommt. Vor einigen Jahren hatte der TV noch rund 200 Mitglieder mehr, doch der demografische Wandel hat auch hier nicht Halt gemacht.
Eine Turn- und Bewegungshalle unterscheidet sich wesentlich von den bekannten und in der Regel dreigeteilten Schulsporthallen, die den Anforderungen ganz vieler Sportarten gerecht werden müssen. Turn- und Bewegungshallen zeichnen sich durch fest installierte Turngeräte (Weichboden, Reck, Barren, Pferd, Sprungtisch, Ringe), Klettertürme und viele weitere Bewegungsangebote wie Schaukel- und Balanciermöglichkeiten für Kinder aus. Ganz zentral ist eine mit Schaumstoffelementen gefüllte Schnitzelgrube beim Hochreck, um spektakuläre Abgänge möglichst gefahrlos trainieren zu können. Weil die Sportgeräte fest angebracht sind, geht keine Zeit beim Auf- und Abbauen verloren. Und das könne in einer normalen Halle rund ein Drittel der Trainingszeit rauben, sagt Kessler.
Der Inhaber einer Heizungsbaufirma nennt zwei weitere Gründe für eine zusätzliche Turn- und Bewegungshalle. Zwar gäbe es allein im Stadtgebiet sechs Hallen. Doch im Winter, wenn es die Outdoor-Sportarten wie Fußball zum Training unter ein festes Dach ziehe, müsse um jede Trainingsminute hart mit anderen Vereinen verhandelt werden. Und in den Schulferien stünden viele Hallen überhaupt nicht zur Verfügung. Das sei bei Kinderturnkursen zu verkraften, doch wer es in seiner Sportart zu etwas bringen wolle, der müsse durchgehend und kontinuierlich trainieren können.
Platz für Trendsportarten
Es war der damalige Vereinschef Armin Rudolf, der 2004 mit der Idee an die Öffentlichkeit trat, eine eigene Turn- und Bewegungshalle zu bauen und dafür kräftig die Werbetrommel schlug. Als Fertigstellungsdatum gab er das Jahr 2014 bekannt, das Jahr, in dem der Turnverein sein 150-Jahr-Jubiläum feierte. Schon damals war geplant – und daran hat sich bis heute auch nichts geändert –, die Schulen und Kindergärten mit ins Boot zu holen. Und zwar nicht nur für den regulären Sportunterricht, sondern auch für die Pausen und Schul-AGs. Auch Trendsportarten wie Bouldern (eine besondere Form des Kletterns) und Parkour (da müssen Hindernisse überwunden werden) ließen sich in der Halle realisieren.
Baureife und vom Gemeinderat abgesegnete Pläne für die Turn- und Bewegungshalle liegen bereits vor. Sie sind als Anbau an die Baarsporthalle konzipiert, nachdem Standorte an der alten Realschule und auch an dem geplanten Neubau der Realschule auf dem Konversionsgelände aus Platzgründen durchs Raster gefallen sind.
Ein rund 30 Meter langer, 15 Meter breiter und sieben bis acht Meter hoher Anbau hat den großen Vorteil, die vorhandenen Umkleide- und Sanitärräume der Baarsporthalle mitbenutzen zu können. Der Turnverein hat sogar schon einen Hallenbelegungsplan modellhaft aufgestellt. Nach den vielen Jahren seit der Projektvorstellung bis heute ist aber auch klar, dass die einstmals prognostizierten Kosten in Höhe von rund 1,2 Millionen Euro nicht mehr ausreichen werden. Rund zwei Millionen Euro dürfte die Halle heute kosten, schätzt Vorstandsmitglied Kessler.
Die Hallenpläne des TV Donaueschingen waren 2004 der Anlass, einen Förderverein für den Turnverein aus der Taufe zu heben. Rund 100 000 Euro seien bislang für die Turn- und Bewegungshalle gesammelt worden, sagt TV-Vorstandsmitglied Jürgen Kessler. Das Geld stammt aus Spenden und aus Erlösen von Veranstaltungen (Vereinsmeisterschaften, Jahresabschlussturnen), die der TV organisiert oder bei denen TV-Mitglieder bewirten. Geld des Fördervereins floss zuletzt vor allem in die Sanierung des vereinseigenen Anton-Mall-Jugendheims in Neukirch. Das musste auch aufgrund behördlicher Auflagen den Brandschutz und die Rettungswege betreffend auf Vordermann gebracht werden.