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Donaueschingen Statt 350 werden 144 Stellen abgebaut

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Die IMS Gear-Vorstände Bernd Schilling und Wolfgang Weber, Personalleiter Benedikt Lenhart, Personalleiterin Kristin Schäkel und Vorstand Dieter Lebzelter (von links).Foto: IMS Gear Foto: Schwarzwälder Bote

350 Arbeitsplätze sollen abgebaut werden: Das hatte IMS Gear im Mai angekündigt. Jetzt sind es nur 144 Stellen, die wegfallen.

Donaueschingen (jak). Die Verhandlungen zwischen Unternehmenslei­tung und Arbeitnehmervertreter sind abgeschlossen und die Ergebnisse wurden in verbindliche Vereinbarungen gegossen.

Allerdings: Anstatt der angekündigten 350 Stellen geht es nun nur noch um einen betriebsbedingten Arbeitsplatzabbau von 144 Stellen. Das Unternehmen hatte schon im vergangenen Jahr mit einem Umsatzrückgang zu kämpfen. Der Grund: die Transformation der Automobilindustrie und die Handelskonflikte. Und dann kam noch Corona hinzu. So ist nach Jahren immer neuer Rekorde für in diesem Jahr nicht nur mit einem starken Einbruch zu rechnen, sondern sogar mit Verlusten. Zu rechnen sei mit einer Größenordnung von 20 bis 25 Millionen Euro.

Da keiner der drei IMS Gear-Vorstände davon ausgeht, dass die Krise schon im kommenden Jahr überstanden ist, galt es eine langfristige Lösung zu finden. "Bis nächstes Jahr hätten wir es mit Kurzarbeit überstanden, aber es wird wohl mehrere Jahre dauern, bis weltweit jährlich wieder 95 000 Millionen Autos produziert werden", erklärt Vorstand Wolfgang Weber. Und für ein Unternehmen, das 90 Prozent seines Umsatzes mit der Automotive-Industrie macht, ist diese Zahl der verkauften Autos maßgeblich. "Wir mussten drastische Maßnahmen ergreifen. Mit temporären Mitteln hätten wir über Jahre eine Verlustsituation gehabt und irgendwann ist dann auch das Eigenkapital weg", so Weber.

35 Millionen Euro galt es zu sparen: Die Rechnung ist einfach: Wenn der Umsatz sich auf einem Niveau von 2016 befindet, dann müssten auch die Kosten auf dieses Niveau zurück. 25 Millionen Euro galt es bei den Personalkosten zu sparen. Dass es dann anstatt der rechnerisch 350 Stellen, die im Mai angekündigt worden waren, nur 144 Arbeitsplätze wurden, hat verschiedene Gründe: Leiharbeiter mussten gehen, befristete Verträge liefen aus und es gab auch einige Aufhebungsverträge.

Für die 144 wegfallenden Stellen sollen in der nächsten Woche Gespräche geführt werden. Verschiedene Optionen wird es geben: Vorruhestand, Aufhebungsverträge und eine Transfergesellschaft oder eine Kombination dessen. "Wir wollen die Phase der Unsicherheit für die Mitarbeiter möglichst kurz halten", sagt Personalleiter Benedikt Lenhart. Die Hoffnung, mit möglichst vielen Mitarbeitern eine einvernehmliche Lösung zu finden und ihnen zu zeigen, dass sie trotzdem etwas zählen. "Es wird auch die Zusage geben, dass wir sie bevorzugt wieder einstellen werden, wenn wir wieder Personal aufbauen können", sagt der IMS Gear-Betriebsratsvorsitzende Wolfgang Harter.

Einen Schwerpunkt wird es beim Personalabbau allerdings nicht geben: Alle Standorte sollen gleichermaßen betroffen sein, an den Standorten selbst wird nicht gerüttelt. Von Eisenbach über Trossingen bis hin nach Villingen will das Unternehmen weiterhin produzieren und das Firmenherz soll weiterhin in Donaueschingen schlagen. Und auch wenn gerade nichts so läuft, wie es eigentlich geplant war – die Ziele sollen weiter verfolgt werden. Zum Beispiel die Konzentration der versprengten Standorte. Deshalb hatte das Unternehmen 2018 eine Produktionshalle in Villingen bezogen. Auch das zweite Werk soll gebaut werden, nur der Zeitpunkt steht noch nicht fest. Wichtig: Es handelt sich dabei um eigene Immobilien, die es ermöglicht, andere Gebäude, in denen das Unternehmen sich eingemietet hatte, aufzugeben und so auch Mietkosten zu sparen.

Davon betroffen wird auch Allmendshofen sein, wo das Ausbildungszentrum von IMS Gear untergebracht worden ist. Der Nachwuchs des Zahnrad- und Getriebeherstellers soll im März nächsten Jahres in die Zentrale ziehen. "Wir wollen hier die Entwicklung und die Ausbildung konzentrieren", erklärt Vorstand Bernd Schilling und fügt hinzu: "Die Auszubildenden sind das wichtigste Bindeglied zur Zukunft." Deshalb ist für sei die ehemalige Produktionsfläche renoviert worden. "Hier sollen die Auszubildenden mit neuen Technologien lernen und nicht das, was einmal war", erklärt Lenhart.

Denn trotz der aktuellen Situation soll die Zukunft auch nicht aus dem Blick verloren werden: "Wir sehen die Planetengetriebe als Wachstumsbereich an", sagt der dritte IMS Gear-Vorstand Dieter Lebzelter. Trotzdem soll der Automotivbereich nicht aufgeben werden. "Wir werden den Wandel mitgehen: Unsere Produkte werden benötigt, egal ob ein Auto mit Elektro-, Hybrid- und Dieselmotor angetrieben wird", vertieft Bernd Schilling. Denn individuelle Fortbewegungsmöglichkeiten werde immer benötigt. Die Mikromobilität sei ein Bereich, der zwar noch etwas unscharf ist, aber dafür stark wächst. Die Rede ist hier von E-Bikes oder Antriebslösungen im Bereich der Logistik wie beispielsweise autonom fahrende Kleinstfahrzeuge.

Die 144 Mitarbeiter, von denen sich IMS Gear nun trennen wird, werden nicht in die Arbeitslosigkeit entlassen, sondern es wurde eine Transfergesellschaft gegründet. "So besteht die Möglichkeit, sich in neu zu orientieren", sagt IG Metall-Gewerkschaftssekretär Franz Ritter. Doch so etwas sei nicht kostenlos zu erhalten, sondern eine Zusatzleistung des Unternehmens, unterstützt von der Agentur für Arbeit. Auch wenn es nicht ganz so viele Kündigungen geworden sind, wie angekündigt, tue es weh. "Das sind Einzelschicksale und viele gehen davon aus, dass man, wenn man bei IMS Gear Arbeit und seine Leistung bringt, ein Leben lang dort arbeitet.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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