Die Sozialpädagogin und Geschäftsführerin des Vereins Grauzone, Angela Jäger-Donno, die Sozialpädagogin Leah König und Praktikantin Sarah Treffeisen (von links) stehen nicht nur Betroffenen mit Rat und Tat zur Seite. Foto: Naiemi Foto: Schwarzwälder-Bote

Jubiläum: Verein Grauzone blickt auf ein Vierteljahrhundert zurück / 400 Betroffene bislang betreut

Manchmal entsteht aus einem schlimmen Ereignis in der Folge etwas Gutes. Wie im Fall des Vereins Grauzone, der im Juli sein 25-jähriges Bestehen feiert und dessen Arbeit im Laufe der Zeit immer mehr nachgefragt wurde und nachgefragt bleibt.

 

Donaueschingen. Bei Grauzone erhalten Opfer sexueller oder auch häuslicher Gewalt Hilfe. Das sind mit Scham besetzte Themen mit oft lebenslang andauernden Folgen für die Betroffenen. "Umso wichtiger ist es, dass Betroffene schnellstmöglich den Weg zu finden", erklärt Angela Jäger-Donno, Geschäftsführerin des Vereins.

Die Historie: Vereinsgründerin ist Anna Sumser aus Hüfingen, ein indirektes Opfer sexueller Gewalt. Die Tätigkeit des Vereins begann quasi vom Wohnzimmer aus mit Beratung, Betreuung und Gründung von Selbsthilfegruppen. Die mitarbeitenden Frauen setzten sich gegen viele Widerstände durch. Das Spektrum weitete sich aus. Vorträge und verschiedene Präventionsprojekte kamen hinzu. 1993 stellte die Stadt Donaueschingen dem Verein die benötigten Räume in der Stadtmühle bereit. Das Notfalltelefon kam hinzu.

Zahlreiche Projekte auf den Weg gebracht

Schon 1994 konnte Grauzone auf 40 Mitglieder und mittlerweile auf 400 betreute Betroffene seit der Gründung verweisen. In der Folge nahmen bis zum Jahr 2000 Projekte wie "Mädchen stark machen" und vieles andere Gestalt an. Ein Konzept gegen sexuelle Gewalt wurde gemeinsam mit der Christy-Brown-Schule entwickelt. Die Prävention wird professionell koordiniert und organisiert. Durch Anja Teubert, Professorin für sozialraumorientierte Soziale Arbeit mit den Schwerpunkten sexualisierte Gewalt und Netzwerkarbeit, wurde der Verein weiter professionalisiert.

Netzwerk ist für alle Fragen ansprechbar

Betroffene können sich mit allen Fragen zum Thema sexuelle Gewalt an das Netzwerk wenden. Das Tätigkeitsfeld dehnt sich auf Prävention, Beratung, Begleitung und Coaching aus. In der Prävention wird auf Information und Öffentlichkeitsarbeit, Vorträge und Besuch von Schulklassen gesetzt. Geschult werden Erzieherinnen, Lehrer und andere Pädagogen als Multiplikator. Persönlichkeitstraining stärkt Kinder und Jugendliche.

Die Begleitung von Betroffenen erfolgt etwa bei Gängen zur Polizei, Jugendamt, oder Arzt. Es ist ein sehr niederschwelliges Angebot in einem geschützten Rahmen. Kurse und Seminare sind auf verschiedene Altersklassen und Bereiche abgestimmt.

Wann zu Grauzone: Am besten so schnell wie möglich. "Betroffene sind oft so verunsichert und durcheinander, dass sie bei Ämtergängen, Anzeigen oder auch Gerichtsverhandlungen regelrecht untergehen", weiß Angela Jäger-Donno. Hier könne das Team wertvolle Hilfe leisten. Selbst noch Jahre nach einem schlimmen Erlebnis könne ein Gespräch Entlastung bedeuten. Davor solle sich niemand scheuen.

Auch Fachkräfteberatung ist ein Teil der Arbeit, zur Unterstützung und wenn die fachliche Einschätzung einer Situation gefragt ist. Verstärkt kämen auch Männer zur Beratung, so die Sozialpädagogin weiter. Auf Wunsch gibt es für sie mit Andreas Menge einen männlichen Ansprechpartner. Allgemein bleibe die Zahl der Rat- und Hilfesuchenden mit rund 500 pro Jahr gleich.

Das Jubiläum: Die Feier findet am 22. Juli im Bahnhofsaal in Hüfingen statt. In der Bregstadt deshalb, weil der Verein dort gegründet wurde. Die Band "Endlich" spielt, die Kooperationspartner sind eingeladen, Mitglieder und Ehrenamtliche. Es wird eine Überraschungsaktion geben. Geplant ist zu einem anderen Zeitpunkt noch ein Flashmob mit der Schauspielerin Janina Elkin.

Für Notfälle auch am Wochenende erreichbar

Der Verein Grauzone ist in der Mühlenstraße 42 (Stadtmühle) in Donaueschingen angesiedelt. Er ist unter der Telefonnummer 0771/41 11 montags, mittwochs und freitags von 8.30 bis 10 Uhr, in Notfällen samstags und sonntags von 9 bis 12 Uhr mobil unter 0172 / 8 10 91 33 zu erreichen.

Weitere Informationen: E-Mail: info@grauzone-ev.de; www.grauzone-ev.de