Bevor die Büchsen gespannt werden: Jens Borchers (rechts), Betriebsleiter von Fürstenberg-Forst und verantwortlicher Jagdleiter, bei seiner Ansprache an der Kohlplatzhütte in Aulfingen. Gut 30 Jäger und ein Dutzend Treiber werden auf die bevorstehende Jagd eingewiesen. Foto: Beathalter

250 Jäger, Schützen und Treiber nehmen vom Hochsitz auf der Länge auch Rehe ins Visier.

Donaueschingen - "Baloo" und "Mowgli" legen an diesem Tag jeweils rund 18 Kilometer zurück. Die beiden Jagdhelfer, bayerische Gebirgsschweißhunde, sind unverzichtbar.

Sie sind fleißig unterwegs, stöbern durchs Dickicht, immer in Aktion und immer auf der Spur von Rehwild, Wildschweinen oder Sika-Wild, einer vor hundert Jahren ausgesetzten japanischen Hirschart: Auch auf den beiden rund 500 Hektar großen Fürstlich Fürstenbergischen Forstrevieren am Ostabhang der Länge sind sie zahlreich unterwegs.

Es sind zwei von 14 Jagdrevieren, die sich auf dem 3100 Hektar umfassenden Waldgebiet zwischen Hondingen, Fürstenberg, Neudingen und Kirchen-Hausen befinden. Einen Tag lang war die Länge im Visier von 250 Jägern, die auf Rehe, Sikawild oder Schwarzwild anlegten. Sie setzten ihre Schüsse, wenn das Wild vor den Hochsitzen auftauchte und sicher zu treffen war.

Viel Geduld erforderlich

Zu den Jägern gehört auch Jens Borchers, der Fürstenberg-Forst-Betriebsleiter und verantwortliche Jagdleiter. Viel Geduld ist erforderlich. Kein Lärm, kein lautes Wort, keine hastigen Bewegungen: Borchers schießt ein einziges Mal, eine Reh-Geiß ist tödlich getroffen: "Waidmannsheil" für den Forstdirektor. Er ist davon überzeugt, dass Rehe in zu großer Zahl erhebliche Schäden in den Wäldern hinterlassen und zu viele Sämlinge wegfressen. Dem müsse man Einhalt gebieten. Umso mehr freut er sich, dass die erste revierübergreifende Drückjagd in gemeinsamer Regie von Fürstenberg-Forst und Kreisforstamt Schwarzwald-Baar in die Tat umgesetzt werden konnte, ein Pilotprojekt mit dem Ziel einer effektiven Bejagung.

Der Jagdleiter begrüßt an diesem Morgen gut 30 Schützen an der Kohlplatzhütte bei Aulfingen. Mit dabei sind ein Dutzend Treiber aus der Region und eine ganze Reihe Jäger aus dem Schweizer Kanton Glarus, zwischen Zürich und Chur. Felix Schuler, der für das FF-Forstrevier Amtenhausen zuständig ist, hat im Vorfeld eine Menge Organisationsarbeit geleistet. Jetzt überprüft er die Gültigkeit der Jagdscheine, teilt Schützen in Gruppen auf, weist Treiber und Jäger in ihre Aufgaben ein, bevor sie sich auf den Weg zu ihren Ansitzen machen. Es kann losgehen.

Sicherer Schuss wichtig

Jens Borchers legt Wert darauf, dass das Wild "anständig und waidgerecht" zu bejagen ist: "Ein sicherer Schuss ist wichtig", sagt er "schießen Sie nur, wenn Reh und Sika verharren, also alle vier Schalen am Boden haben." Nach Möglichkeit sollte dies auch für die Wildschweine gelten. "Schwarzwild ist in aller Munde", sagt Borchers, "aber wir wollen es auch fair bejagen". Die Nachsuche von verletzten Tieren solle möglichst vermieden werden, gibt er den Jägern mit auf den Weg. Und Borchers weist auf die Sicherheit hin: Da die Gewehrkugeln bis zu 3000 Meter fliegen können, dürfen keine flachen Schüsse abgegeben werden. Ein Schuss sei nur erlaubt, wenn ein "Kugelfang aus gewachsener Erde" vorhanden sei. Am Ende des Jagdtages sind die Jäger dann doch ein bisschen enttäuscht: Zwei Sauen und zwei Rehe, "wir hatten uns mehr erhofft", ist zu hören. Das geht heute auch anderen Revieren auf der Länge so. Insgesamt aber wurden von allen Jägern 30 Sikas, 24 Sauen, zehn Rehe und sechs Füchse erlegt. Das sei doch ein sehr gutes Ergebnis, zumal für die Premiere, freut sich Borchers. Felix Schuler ist ebenfalls zufrieden: Er lobt die gute Zusammenarbeit und ist froh, dass nichts passiert ist. Jäger, Treiber und Hunde kamen wohlbehalten zurück. Und die Statistik auf den beiden FF-Jagden könne sich sehen lassen: Mit 37 Schüssen wurden 25 Tiere erlegt.

Jens Borchers freut sich auf seinem Hochsitz außerdem über zwei Füchse, die über die Windwurffläche vor ihm laufen. Und erlebt, wie außerhalb seines Schussfelds eine Sau einen Hund verjagt. "Verkehrte Welt: Das sieht man auch nicht alle Tage."

Info: Pro und Contra

Pro: Wildschweine richten große Schäden in der Landwirtschaft an. Der Bestand an Schwarzwild steigt deutlich an. Die Tiere durchwühlen auf der Suche nach Futter Wiesen und Felder. Neuerdings besteht die Gefahr, dass sich die afrikanische Schweinepest ausbreitet, die im belgisch-französischen Grenzgebiet bereits deutliche Folgen hat. Bauern fordern eine Regulierung der Wildbestände und setzen darauf, dass Jäger vor allem die Zahl der Wildschweine reduzieren.

Contra: Tierschützer hingegen lehnen die Jagd genauso klar ab. Vor allem Treibjagden sind ihnen ein Dorn im Auge: Zu häufig werde auf Tiere in Bewegung geschossen, mit der Folge, dass sie nicht tödlich getroffen würden und einen langen Todeskampf führen. Dies gelte vor allem für Wildschweine, die meist in Bewegung sind und daher zu selten durch einen gezielten Blattschuss erlegt werden könnten.

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