Der Reit- und Fahrverein Donaueschingen leidet unter dem Lockdown. (Symbolfoto) Foto: SoapWitch/pixabay

Reit- und Fahrverein will Einrichtung unbedingt erhalten. Hilfsaktion durch die Jugendwartinnen.

Pferdebegeisterte Kinder und Jugendliche, Spaß und Aktion rund um die Reit­anlange, schweißtreibender Unterricht – diese Begriffe assoziiert man häufig mit dem Reitsport.

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Donaueschingen - Doch seit März wurde es ruhiger in der Reithalle, denn wegen des Coronavirus kann der Reitunterricht des Reit-und Fahrvereins (RuF) Donaueschingen nicht wie gewohnt stattfinden. So fielen auch reiterliche Veranstaltungen den Corona-Maßnahmen zum Opfer. Dies bleibt nicht folgenlos für die finanzielle Situation des Pächters und des Vereins.

Jana Fuchs, Vorsitzende des RuF, sagt, dass der Reitverein unter Corona leide. Denn der Verein wirtschafte mit Veranstaltungen wie etwa Turnieren und Lehrgängen. "Doch die waren aufgrund von Corona nicht möglich", sagt sie. Dadurch habe der Verein enorme finanzielle Einbußen, so Fuchs. Zwar könne sich der RuF aktuell über Wasser halten, auch dank der Beiträge der 223 Mitglieder. Doch der Verein habe laufende Kosten sowie einige dringende Reparaturen und Erneuerungen im vergangenen Jahr verbucht.

Außerdem seien die Corona-Verordnungen oftmals unklar, das mache die weitere Planung des Vereins schwierig. Von "Bauchweh" spricht die Vorsitzende hier.

Der Verein wolle den Pächter nicht verlieren, denn der RuF benötige die Pachteinnahmen, erklärt sie. Zudem wäre die Versorgung der Pferde im Falle einer Schließung der Reitschule gefährdet, sagt Fuchs. "Wir gehen Hand in Hand, der Verein versucht, dem Pächter entgegenzukommen." Aber dies gehe nur bis zu einem gewissen Punkt. Doch Fuchs zeigt sich positiv, denn der Verein habe einige Sponsoren gewonnen. "Es wird immer eine Lösung geben", sagt sie.

Mieteinnahmen ein "Null-auf-Null-Geschäft"

"Ohne absehbare Hilfen werden viele Reitschulen verhungern", sagt hingegen Pächter Claus Steidinger. Denn Hilfen wie die rund 9000 Euro im ersten Lockdown hätten nicht einmal für zwei Monate Pferdefutter gereicht. Die Kosten für Futter sowie Heu und Stroh belaufen sich auf 7000 Euro, sagt der Pächter. "Für mich ist da nichts übrig geblieben." Problematisch für die Beantragung der Novemberhilfen sei, dass er laufende Einnahmen durch die Mieten der eingestellten Pferde habe, doch dass sei ein "Null-auf-Null-Geschäft".

Laut Steidinger fehlen die finanzielle Mittel momentan an vielen Ecken, denn die Unterhaltung der Pferde sei mit laufenden Kosten verbunden: Futter und Wasser, Boxeneinstreu, Hufschmied- und Tierarztrechnungen. Durch den Wegfall der Haupteinnahmequelle Schulbetrieb könnten die Pferde "ihr Futter nicht mehr selbst verdienen".

Außerdem sei es in der Branche schwierig, Rücklagen aufzubauen, obwohl die Reitschule vor Corona besser als je zuvor gelaufen sei. Denn die Reitschule habe in den vergangenen Jahren leider krankheitsbedingt vier Schulpferde verloren, so Steidinger. "Das war bereits eine enorme finanzielle Belastung", erklärt der Pächter. Dies sei nicht nur der Fall durch die hohen Operations- und Tierarztkosten von über 18 000 Euro, sondern auch durch die Neuanschaffung von weiteren Schulpferden, um den Schulbetrieb aufrecht zu erhalten. Steidinger zeigt sich über mangelnde Unterstützung der Bundesregierung erzürnt: "Es ist eine Unverschämtheit, dass die Politik nicht auf Kleinbetriebe achtet, sondern nur auf Großkonzerne." Es stehe gerade viel auf dem Spiel, denn die Reitschule könne die Corona-Situation nicht mehr lange aushalten: "Der Schulbetrieb steht Corona-bedingt kurz vor dem Aus."

Schließung trifft Reiter sehr hart

Tamara Benz sagt, dass eine Schließung die Reiter sehr hart treffen würde, denn für die Mitglieder sei dies nicht nur ein Ausgleich zum beruflichen Alltag, "sondern ein zweites Zuhause". Auch für die Jugendlichen habe der Umgang mit den Pferden einen wichtigen Stellenwert in der Entwicklung, betont Benz. "Unsere Reitschüler lernen durch den Umgang mit den Pferden nicht nur Verantwortung zu übernehmen, sondern auch soziales Miteinander und Teamgeist zu entwickeln." Ziele der Jugendarbeit seien ja auch schließlich die Vermittlung einer vielseitigen Persönlichkeitsentwicklung und die Förderung eines Gemeinschaftsgefühlgefühls.

Um der Reitschule aus der schwierigen finanziellen Lage zu helfen, hat Benz die Spendenaktion "Rettet unsere Reitschule Donaueschingen" ins Leben gerufen, die im Internet auf der Seite www.betterplace.me zu finden ist.

Der Reitverein hat in den vergangen Jahren der Jugendarbeit eine große Relevanz beigemessen. So haben die Jugendlichen mit den Jugendwartinnen Tamara und Sabrina Benz auch neben dem Reitsport viel unternommen, wie etwa Ausflüge in den Europa-Park, einstudierte Tänze für Fasnacht oder Grillfeste im Stall. Zudem wurde ein weiterer Fokus auf den Tierschutz gelegt, denn die Jugend hat bereits gemeinsam Hufeisentraumfänger und Glückseisen gebastelt, diese an Weihnachtsmärkten verkauft und den Erlös ans Tierheim gespendet, erzählt Tamara Benz. Durch den Schulbetrieb wird den Jugendlichen außerdem die Teilnahme an regionalen Turnieren sowie an anderen Veranstaltungen ermöglicht; so sind sie unter anderem bei Festumzügen beim jährlichen CHI-Reitturnier, bei Quadrillen und Geländeritten dabei.