Verbaler Schlagabtausch zur Kommunalwahl: SPD-Fraktionssprecherin Kerstin Skodell und ihr CDU-Gegenpart Franz Albert haben die in der baulichen Warteschleife befindliche Ortsumfahrung Behla für sich entdeckt. Foto: S. Maier

Verbaler Schlagabtausch zwischen den Fraktionssprechern Kerstin Skodell und Franz Albert.

Hüfingen-Behla - Die Ortsumfahrung Behla löst Spannungen in Teilen des Hüfinger Gemeinderats aus – und dies kurz vor den Kommunalwahlen.

SPD-Fraktionssprecherin Kerstin Skodell äußerte vor kurzem, dass eine mittelfristige Umsetzung des Baus einer Ortsumfahrung Behla, wie in der Priorisierungsliste der Landesregierung festgeschrieben, auf der Baar niemand begrüße. Man müsse jedoch auch erkennen, dass es in Baden-Württemberg viele Straßen mit höherer Verkehrsbelastung gebe. Stadtrat Franz Albert, Fraktionssprecher der CDU, kontert nun, dass er die Resignation in Behla nachvollziehen könne.

Um was geht es bei diesem verbalen Schlagabtausch? Die 1,4 Kilometer lange, geplante Ortsumfahrung Behla ist bereits seit Jahren planfestgestellt und soll nach bisherigen Berechnungen rund 4,9 Millionen Euro kosten. Nach der im Oktober 2012 durch das Landeskabinett verabschiedete, elf Milliarden Euro schwere Priorisierungsliste des Landes zur Novellierung des Bundesverkehrswegeplans 2015 ist mit einer baulichen Umsetzung jedoch frühestens 2017 zu rechnen. Die Baumaßnahme rangiert zwar auf Platz fünf von 20 Rängen, ist jedoch durch die Priorisierungseinstufung "Drei" lediglich für einen mittelfristigen Baubeginn vorgesehen. Bislang war Behla im vordringlichen Bedarf gelistet, der Bau der Umfahrung hätte bereits im Mai 2012 beginnen sollen.

Bei einer Ortschaftsratsitzung in Behla im Juli 2012 saß der Frust über die Verzögerung tief. Aber auch Verständnis gab es für eine nicht in jedem Fall einfache Entscheidung des Landes beim Erstellen der Liste, die die Realisierung zukünftiger Straßenbaumaßnahmen festlegt. Für 20 Straßenbaumaßnahmen an Bundesstraßen stellt der Bund 120 Millionen Euro dem Land zur Verfügung, 800 Millionen wären notwendig. Objektiv betrachtet gebe es im Land zurück gestellte Straßenprojekte, die mit einer wesentlich größeren Belastung zu kämpfen haben, konstatierte damals selbst Bürgermeister Anton Knapp.

Vor einer Realisierung einer Ortsumfahrung Behla steht noch ein anderes Faktum als lediglich die Priorisierungsliste aus dem Jahr 2012. Keine der möglichen Baumaßnahmen dürfe als Sonderfall betrachtet werden. Diese Meinung vertritt der Bund seit jeher, wenn es um den drei- bis vierstreifigen Ausbau der B 27 von Donaueschingen bis an die Schweizer Grenze geht. Der Ausbau solle Zug um Zug von Norden nach Süden erfolgen. Will heißen, vor Baubeginn Behla erfolgt zunächst der vierstreifige Ausbau der B 27 Donaueschingen Mitte bis Hüfinger Wasserturm.

Der Erlass des Planfeststellungsbeschlusses der Donau-eschinger Maßnahme erfolgte aber erst im September 2013. Am Ende des Verfahrens muss nur noch der Bund die Finanzierung sicherstellen. Das Vorhaben umfasst den Anbau einer zweiten Fahrbahn mit zwei Fahrspuren auf der Westseite der B 27 zwischen den Anschlussstellen zur B 31 und zur L 180 sowie die kreuzungsfreie Anbindung des Allmendshofener Zubringers. Hierdurch soll sowohl die Leistungsfähigkeit der Bundesstraße als auch des Zubringers verbessert werden. Teil der etwa vier Kilometer langen Ausbaumaßnahme ist auch die Errichtung eines Lärmschutzwalles für das Wohngebiet "Auf Hohen" – eine Forderung der Stadt Hüfingen, bis zu deren Annahme lange Jahre der Verhandlung vorausgegangen war.

Egon Bäurer, Ortsvorsteher von Behla, hofft, dass die Umfahrung nun 2017 realisiert wird. Zwei Unfälle zu Wochenanfang hätten gezeigt, wie wichtig die neue Trasse bei einem täglichen Verkehrsaufkommen von bis zu 14 000 Fahrzeugen sei. Eine konkrete Willensbekundung der Ratsgremien in Hüfingen und Behla für eine Ortsumfahrung besteht seit 1992. In den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans rutschte die Strecke 2003. Das 2010 eingeleitete Planfeststellungsverfahren mündete im April 2011 in einem rechtskräftigen Beschluss. Gas- und Stromleitungen wurden für 400 000 Euro 2011/12 verlegt. Auch Vorverträge der Ausgleichsflächen wurden von Bürgermeister Anton Knapp ausgehandelt.

Wie gesagt, für Stadtrat Franz Albert ist die Resignation in Behla nachvollziehbar. Die Verschiebung der Baumaßnahme sei nach dem Regierungswechsel in Stuttgart eine reine machtpolitische Entscheidung gewesen, mutmaßt der CDU-Fraktionssprecher. Für 2017 gebe es Hoffnung, dass die Umgehungstraße Behla realisiert werde.

Im Berliner Koalitionsvertrag seien fünf Millionen Euro zusätzlich Investitionsmittel für die Verkehrsinfrastruktur bereitgestellt worden, so Franz Albert weiter. Der schwarz-roten Bundesregierung sei klar geworden, dass sich die Bauverzögerung für die hiesige Region wirtschaftlich negativ auswirke. Franz Albert hofft nun, dass das Geld auch dort ankommt, wofür es zweckbestimmt sei.