Ein heute 67-jähriger Vater soll seine fünf Kinder jahrelang missbraucht haben - auch sexuell. Foto: dpa

Gewalt, Demütigungen, religiöser Eifer und Verwahrlosung bestimmten Leben von fünf Kindern. Dritte Beweisaufnahme.

Donaueschingen/Konstanz - Gewalt, Demütigungen, religiöser Eifer und Verwahrlosung bestimmten das Leben von fünf Kindern eines Lehrerehepaars, das bis 1993 in einem Dorf bei Donaueschingen lebte.

Zudem habe der heute 67-jährige Vater der Kinder sich des sexuellen Missbrauchs einer seiner drei Töchter in 172 Fällen schuldig gemacht. Dies stellte das Amtsgericht Donaueschingen vor dreieinhalb Jahren fest und verurteilte den pensionierten Grundschullehrer zu zwei Jahren Haft. Mit einer Geldauflage von 10.000 Euro wurde die Strafe zur Bewährung ausgesetzt. Der legte Berufung beim Landgericht Konstanz ein, die vor zwei Jahren verworfen wurde.

Nach einer vom Verteidiger des 67-Jährigen beantragten Revision beim Oberlandesgericht kommt es jetzt vor einer anderen Strafkammer in Konstanz zu dritten Beweisaufnahme und nächste Woche zu einer neuen Entscheidung. Die Staatsanwaltschaft fordert eine Strafe ohne Bewährung, der Pädagoge hofft auf einen Freispruch.

Bislang hielten ihn zwei Gerichte für schuldig. Alle Kinder der Familie seien durch die Eltern demütigenden "Hygienekontrollen" unterworfen worden, welche der Angeklagte auch zu seiner sexuellen Befriedigung durchgeführt habe, hieß es im erstinstanzlichen Urteil, das von der Berufungskammer bestätigt wurde. Von der Hauptbelastungszeugin genannte weitere, schwere körperliche Misshandlungen und verbale Herabwürdigungen durch beide Eltern waren nicht Gegenstand der Anklage.

Der heute 67-jährige Mann streitet jegliche sexuelle Motivation für seine demütigenden "Erziehungsmaßnahmen" ab, mit denen er die Grenzen der körperlichen Integrität seiner Kinder weit überschritten hat. Auch die von seiner Tochter angezeigten sexuellen Übergriffe zu anderen Gelegenheiten haben seiner Ansicht nach nie stattgefunden.