Ein Jahr nach Inbetriebnahme des Tierfriedhofs ruhen schon 30 Tiere im Unterhölzer Wald.
Donaueschingen - Acht Hektar Fläche, rund 30 Tiergräber, darunter jeweils hälftig Hunde und Katzen – das sind die nackten Zahlen zum Tierfriedhof Schwarzwald-Baar. Aber die interessieren nicht. Hier geht es um Emotionen und Hilfestellung bei der Trauer um einen Familienangehörigen.
Es war ein steiniger Weg, gerade mit Blick auf das Naturschutzgebiet und der damit einher gehenden Regeln und mancher "Prinzipienreiterei" in den Behörden. Warum beispielsweise dem Tierfriedhof angeblich aus Naturschutzgründen noch immer ein Wegweiser auf der B 31 verwehrt bleibt, während man aber auf den Weg zum benachbarten Wartenberg hinweisen darf, erschließt sich den Verantwortlichen nicht. Aber sei es drum, es ist geschafft, und rund ein Jahr nach seiner Eröffnung im Unterhölzer Wald steht fest: Der vom fürstlichen Forstbetrieb eröffnete Tierfriedhof kommt an. Etwa alle zwei Wochen findet hier eine Tier-Bestattung statt. Viel öfter als Beerdigungen aber trifft man hier Trauernde oder Sich-Erinnernde an. Sie schlendern den Spazierweg entlang und halten inne am Ruheort ihrer Lieblinge.
"Danke" sagen an treuen Gefährten
Ein Bilderbuchwetter: Licht fällt an diesem sonnendurchfluteten Herbsttag durch die Baumwipfel in den Unterhölzer Wald direkt auf Sarahs Grab. Es ist das einzige Grab mit einem richtigen Grabstein. Darauf steht, in den Stein gemeißelt, ein aufrichtiges "Danke" für 17 treue Jahre, die die Hündin Sarah ihrer Familie geschenkt hat. Aber auch wenn die Gräber, die den Weg durch den naturbelassenen Wald säumen, sonst "nur" mit schlichten beschrifteten Baumscheiben als Grabstein versehen sind, ist klar: Wer seinem Tier eine solch idyllische letzte Ruhestätte schenkt, für den war es ein echter Gefährte. Ein Familienmitglied. "Diesen Leuten ist ihr Tier schon etwas wert", weiß auch Jens Borchers, der Leiter des Fürstlich Fürstenbergischen Forstbetriebs.
Und auch die Zahlen sprechen diesbezüglich eine deutliche Sprache: 150 Euro kostet die Bestattung für einen Nager oder einen Vogel, 200 für ein Kleintier, etwa einen kleinen Hund oder eine Katze – plus 50 Euro Grabpacht jährlich, wobei die Mindestpachtzeit bei fünf Jahren liegt. Und je nach Größe steigt der Preis. Klar – schließlich muss der Tierfriedhof auch entsprechende Ruhezeiten einhalten, die nach Gewicht gestaffelt sind und bei Tieren von einem Gewicht bis 30 Kilogramm bei zehn Jahren, bei schwereren Tieren sogar bei 20 Jahren liegen.
Immer wieder sieht man auf dem Spaziergang über den Tierfriedhof Gräber, deren Grabscheiben individuelle Inschriften tragen. "Was man in seinem Herzen besitzt, kann man durch den Tod nicht verlieren", gaben Beispielsweise die Besitzer ihrem "geliebten Romeo" mit auf den Weg. Ein paar Grabstellen weiter ist ein Plätzchen reserviert – eine Dame hat gleich mehrere Katzen und möchte die noch lebenden später einmal neben den bereits bestatteten zur letzten Ruhe betten. Dass Tierhalter auf diese Weise Vorsorge betreiben, ist indes eher selten. Meistens reift der Gedanke an eine Bestattung auf dem Tierfriedhof erst, wenn es akut wird. "Viele Menschen tun sich schwer mit dem Gedanken, ihre Tiere in eine Tierkörperbeseitigungsanlage geben zu lassen", weiß Borchers. Die große "Konkurrenz" des Tierfriedhofs sind die privaten Gärten, stehen sie nicht zur Verfügung, melden sich die Besitzer oder an deren Stelle der Tierarzt bei der Einrichtung des Fürstenhauses. Vom Personal des Tierfriedhofs wird das Tier abgeholt und gekühlt eingelagert, bis die Besitzer bereit sind, in die weiteren Planungen zu starten: Sie können sich eine Grabstelle aussuchen, haben die Auswahl zwischen einer Bestattung im Sarg oder wie sehr oft gewählt in der Lieblingsdecke des Tiers und legen dann mit dem Tierfriedhof einen Bestattungstermin fest.
Ein etwa 50 Zentimeter tiefes Grab wird ausgehoben, in dem das Tier beerdigt wird. Theologischen Beistand gibt es hier zwar nicht, ein Innehalten und – ganz häufig – auch Tränen der Trauer sind hier aber genauso Symbole des Verlusts wie dies bei Beerdigungen von Menschen landläufig der Fall ist. Später dann gestalten Herrchen oder Frauchen die Grabstelle. Oberstes Gebot ist dabei allerdings ein harmonisches Ganzes mit der unberührten Natur des Unterhölzer Waldes. Grabsteine ja – aber bitte naturbelassen. Auch Blumen sind erlaubt – aber nicht aus Plastik. Fotos, Spielsachen oder Engelsfiguren hingegen sind tabu. Und wenn sich im Naturidyll Unterhölzer Wald Fuchs und Hase buchstäblich gute Nacht sagen, brauchen die Tierhalter keine Angst zu haben, dass Meister Reineke oder andere Tiere den Tierleichnam wieder ausgraben. "Damit hatten wir hier noch kein einziges Mal Probleme", sagt Borchers und setzt lächelnd hinzu: "die Tiere haben hier genug zu essen, die müssen nicht 50 Zentimeter tief graben, um sich ‘was zu holen." Und obgleich Wildschweine ihre Schnauzen hier und da für Besucher noch Tage später sichtbar tief in den Spazierweg gesteckt und diesen ein bisschen aufgeworfen haben, geht auch von ihnen keine Gefahr aus. Die letzte Ruhe von Romeo, Sarah und Co. bleibt hier also gänzlich unberührt.