Tragischer Motorradunfall inmitten der Stadt endet mit Bewährungsstrafe für 75-Jährigen

Von Florian Hahnel

Donaueschingen. Ein nahezu erwiesener Rotlichtverstoß eines Rentners führte zum tragischen und sich mitten in Donaueschingen ereigneten Unfalltod eines Motorradfahrers.

Die 14 Monate zurückliegende Kollision auf der Kreuzung Villinger-Straße/Hindenburgring ist Anliegern und auch einigen Passanten noch gut in Erinnerung, ein Gedenkkreuz weist auf den Tod des 57-Jährigen hin.

Gestern erfolgte die strafrechtliche Aufarbeitung vor Gericht, zusätzlich beklemmend ist der Rückblick, weil die damaligen Unfallgegner mit geringen Geschwindigkeiten kollidierten. Verhängnisvoll wirkte sich für den 57-Jährigen der Sturz gegen einen Ampelmasten aus, das Opfer verstarb im Krankenhaus an den Folgen innerer Verletzungen.

Der 75-jährige Angeklagte geht von einem Rotlichtverstoß seinerseits aus, kann dies aber nicht mit letzter Sicherheit bestätigen. Zeugenaussagen jedoch führen zu einer relativ klaren damaligen Konstellation: Demnach übersah der Rentner das Rotlicht, der Motorradfahrer stand an der Kreuzung und fuhr erst an, als ihm die Ampel Grün zeigte.

Maximal 30 Stundenkilometer dürften beide Fahrzeuglenker schnell gewesen sein, das ergibt sich unter anderem aus den geringen Schäden an den Kraftfahrzeugen. "Man kann eigentlich sagen, das Motorrad wurde vom Auto nur angestoßen", so der seinerzeit ermittelnde Polizeibeamte vor Gericht.

Während der Hauptverhandlung bahnten sich die Emotionen erwartungsgemäß ihren Lauf. Die als Nebenklägerin auftretende Witwe des 57-Jährigen wirkt seelisch schwer angeschlagen, auch der 75-Jährige trägt sichtbar am Geschehenen und ist überdies sowie nach Angaben seines Anwaltes tödlich erkrankt.

Amtsrichter Egon Kiefer sprach von der Unmöglichkeit einer adäquaten Strafzumessung, es sei der Tod eines Menschen zu beklagen. Für den Vorsitzenden ist der Tatnachweis klar erbracht.

Der bislang unbescholtene 75-Jährige wurde zu einer Haftstrafe von sechs Monaten verurteilt, die Bewährungszeit beträgt zwei Jahre. Von 675 Euro Rente muss er 1000 Euro Geldstrafe, die Verfahrenskosten und die Auslagen der Nebenklage begleichen. Der Mann wird nie mehr wieder ein Kraftfahrzeug steuern und seinen Führerschein übermorgen abgeben müssen.