Sie stecken hinter der Kunststiftung (von links) Oberbürgermeister Erik Pauly, der Künstler Emil Kiess und sein Enkel Benjamin Kiess sowie Stadtkämmerer Georg Zoller.Foto: Schedler Foto: Schwarzwälder Bote

Kultur: Neue Stiftung sichert umfangreiche Sammlung / Sie umfasst 1000 Ölbilder und andere Exponate

"Kunst ist kein Objekt zur Konservierung. Kunst ist von Menschen für Menschen gemacht und nicht für einen modrigen Keller", sagt Benjamin Kiess.

Donaueschingen (hsc). So definiert er in eigenen Worten die Satzung der Kunststiftung Emil Kiess – seines Großvaters. Jetzt wurde die neu ins Leben gerufene Stiftung im Rathaus vorgestellt.

Zusammen wirken Oberbürgermeister Erik Pauly, der Künstler Emil Kiess sowie Enkel Benjamin Kiess im Vorstand. Ziel der Stiftung sei es Kunst und Kultur zu fördern, sowie das künstlerische Erbe Kiess zu pflegen, zu dokumentieren und für die Zukunft zu bewahren. Dies werde unter anderem durch seine Kunstsammlung, aber auch durch Bilder, Briefe und Bücher geschehen. "Die Stiftung soll für die Ewigkeit die Kunst für die Öffentlichkeit sichern", so der Vorstand. Daher seien auch einige Herzenstücke der Sammlung nicht veräußerlich. Denn man der künstlerische Schatz lebe durch die Betrachtung der Menschen.

Die Stiftung, welche aus über 1000 Ölbildern und weiteren Exponaten besteht, ist seit November vergangenen Jahres durch das Regierungspräsidium Freiburg anerkannt. "Wir hätten die Stiftung gerne in einem angemessen Rahmen, wie einer Ausstellung präsentiert und gefeiert", sagt Pauly. Doch Corona sei dem Vorhaben in die Parade gefahren. Dennoch überwiegen bei Pauly die Freude sowie der Stolz: "Es ist eine große Ehre, dass Kiess – einer der angesehensten Künstlerpersönlichkeiten – sein künstlerisches Erbe in Donaueschingen beheimaten möchte."

Seine Kunst sei ein Gewinn für die Stadt, so der Oberbürgermeister. Daher wolle die Stadt auch Raum für Ausstellungen möglichst zur Verfügung stellen, um die Kosten gering zu halten. Auch der Gemeinderat begrüße diese Entscheidung.

Denn Emil Kiess hat eine starke Verbindung zur Stadt: Er gestaltete das Stadtlogo und ist Beirat der städtischen Galerie im Turm. Kiess erzählt: "Anfangs war der Turm sehr nüchtern", dann habe der ehemalige Oberbürgermeister einen "spontanen Einfall gehabt, dort Kunst auszustellen." So habe er auch einige Bilder in der Stadt ausgestellt, so Emil Kiess.

Die Idee der Stiftung gab es seit 2017. Doch bis sie "Hand und Fuß" hatte, habe insbesondere auch die Erfassung der Werke viel Zeit gekostet, erklärt der Künstler. Insbesondere in einer gemeinnützigen Stiftung gebe es einige rechtliche Aspekte, welche durch ein Stuttgarter Büro ausgearbeitet wurden.

Die Stiftung ist ein gemeinschaftliches Projekt: So hat etwa Heinz Bunse die Werke in zwei Jahren Arbeit gemeinsam mit Kiess gesichtet. Finanzielle Fragen und Pflichten wurden durch Stadtkämmerer Georg Zoller koordiniert und verwaltet. Auch Kerstin Rülke, Leiterin des Kulturamts hat mitgewirkt: "Wir freuen uns auch auf die Ausstellung in der Galerie im Turm, welche vom 24. April bis zum 28. Juni stattfinden wird."

Die Stiftung wird im Sinne der Kunst ausgerichtet, doch auch die Familie Kiess wird die Entwicklung mitgestalten, sagt Enkel Benjamin Kiess: "Wir haben die Verantwortung, die Werke für die Ewigkeit zu sichern."

Emil Kiess wurde 1930 in Trossingen-Schura geboren und belegte sein Studium zwischen 1949 und 1951 an der Bernsteinschule in Sulz am Neckar bei Paul Kälberer, Hans Ludwig Pfeiffer und Riccarda Gohr. 1952 wurde Emil Kiess – ohne Prüfung – an der Akademie der Künste in Stuttgart aufgenommen. In den folgenden Jahren gewann Kiess einige bedeutende Kunstpreise – wie etwa drei Mal den Oberschwäbischen Kunstpreis oder den Kunstpreis der Stadt Recklinghausen. Auch gewann Kiess 1960 ein Stipendium an der Villa Massimo in Rom. 1975 wurde ihm der Große Preis der Bund Deutscher Architekten verliehen. Zudem wurde Emil Kiess 1995 der Professorentitel durch Erwin Teufel und das Land Baden-Württemberg anerkannt. Auch wurden seine Bilder international in Ausstellungen gezeigt: Rom, Amsterdam, Stuttgart, Florenz, Paris und Donaueschingen. Der Künstler Emil Kiess lebt in Fürstenberg und Donaueschingen – im Donaueschinger Atelier entsteht seit 1992 auch Kunst.

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